Während der Regierende Bürgermeister die letzten Urlaubsstunden im Schnee genießt, bevor er am Sonnabend in Berlin zurückerwartet wird, gibt es zahlreiche Spekulationen um die Nachfolge des über eine Steueraffäre gestolperten Kulturstaatssekretärs André Schmitz. Klar ist lediglich, dass Klaus Wowereit (SPD) die Personalie selbst entscheiden wird, denn er ist auch Kultursenator und muss mit dem oder der Neuen eng zusammenarbeiten: Politische Nähe ist erwünscht, ebenso wie Begeisterung für Hochkultur und ein gutes Verhältnis zu den Akteuren im Bund, denn von dort kommen Jahr für Jahr zig Millionen Euro für die Hauptstadt-Kultur.
André Schmitz hat das alles vereint, er war für diesen Posten eine Idealbesetzung. Sucht Wowereit auf dieser Ebene, dann könnte Hortensia Völckers eine Kandidatin sein. Die künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes ist gut vernetzt, weltgewandt, mit einem Faible fürs Zeitgenössische – und kennt Berlin. Seit 2002 macht sie ihren Job – da könnte ein Wechsel reizvoll sein.
Sollte bei der Suche das Parteibuch im Mittelpunkt stehen, wäre Oliver Scheytt eine Möglichkeit. Der Kulturmanager war SPD-Kandidat für den Posten des Kulturstaatsministers im Schattenkabinett von Peer Steinbrück. Martin Hoffmann, Intendant der Berliner Philharmoniker, wurde in den vergangenen Tagen ins Spiel gebracht. Zuletzt war Wowereit aber verärgert bei den Jubiläums-Feierlichkeiten im Herbst wegen der Platzierung der Berliner Politiker – die saßen nicht so mittig wie die Kollegen vom Bund, obwohl das Land das Orchester finanziert. Eine Petitesse, aber so etwas vergisst Wowereit nicht.
Momentan kümmert sich der der Chef der Senatskanzlei, der Wowereit-Vertraute Björn Böhning (SPD), um die Kultur. Er hat sich am Mittwoch bei der Kulturverwaltung vorgestellt. Am Freitag gab es eine erste Runde mit den Referatsleitern, um Termine abzuklären und einen Überblick darüber zu bekommen, was auf der Agenda steht. Unter anderem die Suche nach drei Intendanten: Volksbühne und Berliner Ensemble brauchen 2016 neue Chefs, die Nachfolge für Staatsopern-Intendant Jürgen Flimm steht 2017 an, muss aber auch bald entschieden werden, weil Opernhäuser frühzeitig planen, sonst sind die großen Sänger schon anderswo verpflichtet.
Die Suche nach hochkarätigen Kandidaten wird dadurch erschwert, dass die Legislaturperiode nur noch zwei Jahre dauert, falls es nicht sogar zu Neuwahlen kommt. Deshalb könnte Wowereit eine schnelle, interne Lösung vorziehen: Vielleicht die Chance für Moritz van Dülmen, den Chef der Kulturprojekte GmbH, die auch für das gefeierte Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ zuständig war. Es wäre ein rasanter Aufstieg.





