Wieder klebt eine lange, schmale Anzeige auf dem Bahnsteig der Berliner U1 am Bahnhof Kurfürstendamm. Wieder ist in der rechten Ecke der Anzeige ein Foto von einem Japaner zu sehen, hinter dessen Brillengläsern ein Auge von einem dicken Verband verklebt wird. Daneben ein Text, die erste Zeile: „Liebe Berliner, liebes Deutschland: Danke!“
Das öffentliche Dankeschön kommt von Hitoshi Yamauchi. Der 43 Jahre alte Ingenieur hatte bereits vor ein paar Wochen für Aufmerksamkeit gesorgt, als er per Anzeige am U-Bahnhof den Mann suchte, der ihn vergangenes Jahr angegriffen und rassistisch beleidigt hatte.
Yamauchi wollte den Mann finden, um ihm einen Job zu geben und ihn so vielleicht von seinem Hass zu heilen. Yamauchi wollte, dass der Mann, der ihn im September am Kurfürstendamm schwer am Auge verletzt hatte, dabei hilft, Lernmaterialien für ein Bildungsprojekt für Kinder zusammenzustellen.
Den Angreifer vom Hass heilen
Viele Menschen hätten ihn nach seiner ersten Anzeige kontaktiert, verschiedene Medien über seine ungewöhnliche Suche berichtet, erzählte Yamauchi am Freitag. „Ich habe also jetzt noch eine Anzeige gebucht, um Danke zu sagen für die Aufmerksamkeit. Außerdem wollte ich den Berlinern erzählen, wie die Geschichte ausgegangen ist.“ Der Mann habe nicht geantwortet, heißt es in dem Text der Anzeige weiter. „Aber dafür meldeten sich andere. Ich habe jetzt sieben Mitarbeiter, neue Freunde und Unterstützung nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Hamburg, Stuttgart und Dresden! Ich glaube, das Projekt ist ein Erfolg.“
Künstler, Studenten und eine Hausfrau würden ihn nun bei seiner Arbeit für die Khan Academy unterstützen, sagte Yamauchi. Die Organisation bietet online Lernhilfen an, erstellt von Akademikern. Diverse Fragen von Informatik bis Chemie werden erklärt, kostenlos und jederzeit verfügbar. Hitoshi Yamauchi, der seit 2006 in Wilmersdorf lebt und als Software-Entwickler arbeitet, bearbeitet vor allem Mathematik-Themen ehrenamtlich für die Lern-Plattform.
Seine erste Aktion habe nicht nur positive Reaktionen gebracht sagte Yamauchi. Viele Leute hätten nicht verstanden, dass er dem Gewalttäter helfen wollte. „Diesen Leuten würde ich nun gern zeigen, dass die Aktion trotz allem erfolgreich war.“ Man brauche jeden denkenden Kopf, um die Probleme der Welt zu lösen. „Rassismus ist Selbstmord der Menschheit.“ Deshalb sei Bildung mit Zugang für jeden wichtig.
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