Messe Berlin

Neue Kongresshalle „City Cube“ wird Ende April fertig

Gute Nachrichten für den „City Cube“: Nachdem die neue Kongresshalle der Messe Berlin zunächst nicht wie geplant Ende 2013 fertiggestellt werden konnte, ist jetzt ein neuer Termin in Aussicht.

Foto: Glanze / Sergej

Die Arbeiten für den „City Cube“, die neue Kongresshalle der Messe Berlin, sind wieder im Zeitplan. Das sagte Messe-Sprecher Michael Hofer. In den Weihnachts- und Neujahrsferien seien Sonderschichten mit etlichen Gewerken vereinbart worden. Diese seien erfolgreich gewesen, nach jetzigem Kenntnisstand könnten die Bauarbeiten spätestens Ende April abgeschlossen werden.

Im vergangenen Jahr hatten vor allem Witterungseinflüsse und die Insolvenz einer Baufirma für Verzögerungen gesorgt. Ursprünglich war einmal vorgesehen, den Neubau bis zum Jahresende 2013 fertigzustellen. Als erste Tagung im Neubau ist vom 11. Mai 2014 an der Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vorgesehen.

Von außen ist der Baufortschritt derzeit kaum sichtbar: Noch fehlt die in hellem Beige gehaltene Textilfassade. Die Montage sei sehr kompliziert, erläuterte Wolfgang Wagner, Pressesprecher der Messe für Kongresse und Gastveranstaltungen. Insbesondere sei eine stabile Temperatur von mehr als zehn Grad plus notwendig. Eine Spezialfirma aus der Schweiz reise dann an, um die 5500 Quadratmeter umfassenden Textilbahnen anzubringen. Dies nehme mehrere Wochen in Anspruch. Im Innern der Halle seien derzeit 300 Arbeitskräfte diverser Gewerke tätig, sagte Wagner.

Der „City Cube“ sei in seinem ersten Jahr fast vollständig belegt, teilte Michael Hofer mit. Ende Juni werde dort beispielsweise der „Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit“ veranstaltet, im Juli eine Geodäsie-Tagung. Im Oktober stehen große Kongresse zur Orthopädie und zur Psychopharmakologie statt, im November zur Psychiatrie und Psychotherapie. Hofer betonte, die Messe Berlin sei Weltmarktführer bei medizinischen Großkongressen.

Und noch etwas soll Geld bringen im „City Cube“: der Name. Messe-Sprecher Hofer bestätigte, dass über eine Vermarktung der Namensrechte diskutiert werde, das sei auch „prinzipiell ein vernünftiger Gedanke“. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat ein weltbekannter südkoreanischer Elektronikkonzern zumindest gute Karten bei der Rechtevergabe. In Berlin ist ein solches Verfahren vor allem durch die O2 World bekannt geworden.

Mischung aus Shopping Mall, Hotel und Kongressfläche

Die Kosten für die künftige Kongresshalle auf dem Messegelände am Funkturm werden inzwischen auf 83 Millionen Euro geschätzt. Erst Ende 2013 hatte der Aufsichtsrat der Messegesellschaft weitere drei Millionen Euro für den Bau bewilligt. Beim Beginn der Planungen 2010 hatte die Messegesellschaft die Kosten mit 71,5 Millionen Euro einschließlich des Abrisses der alten Deutschlandhalle angegeben. 1,3 Millionen Euro der zusätzlichen Mittel waren für die Beschleunigung des Baus zum Jahreswechsel eingeplant. Die restlichen 1,7 Millionen Euro sind eine Risikovorsorge, falls etwa schlechtes Wetter oder Baufehler die Fertigstellung behindern.

Wenn der „City Cube“ in Betrieb gegangen ist, soll das Internationale Congress Centrum vorübergehend geschlossen und saniert werden. Geplant ist, dass ein Investor den Bau übernimmt und sich das Land Berlin mit bis zu 200 Millionen Euro an einer Sanierung beteiligt. Derzeit führt die Senatswirtschaftsverwaltung ein Markterkundungsverfahren durch, die Ergebnisse sollen im Frühjahr veröffentlicht werden. Es gebe rund ein Dutzend ernstzunehmender Interessenten. Erwartet wird eine Mischung aus Shopping-Mall, Hotel sowie Flächen für Kongresse. Die Betriebsgenehmigung des TÜV für das ICC läuft am 30. Juni 2014 aus.

Michael Hofer betont, die Sanierung des ICC sei Sache des Eigentümers, also des Landes Berlin. Die Messe sei dort lediglich Mieter. Sie sei aber interessiert daran, dass dort wieder Kongress-Kapazitäten geschaffen werden. „Wenn bei uns Bedarf besteht, und davon ist auszugehen, würden wir diesem Bedarf entsprechend Flächen anmieten“, sagte Hofer. Je mehr Flächen eine Messegesellschaft anbieten kann, desto mehr Veranstaltungen könne sie an Land ziehen.

Modernisierung als Alternative zur Schließung

Zwei Experten fordern, das ICC nicht zu schließen, sondern bei laufendem Teilbetrieb zu sanieren und zu modernisieren. Es handelt sich um den Diplom-Ingenieur und Sachverständigen für Gefahren am Bau, Rainer Tepasse, und um Jürgen Nottmeyer, bis 1979 in der Senatsbauverwaltung für das ICC verantwortlich. Der bauliche und konstruktive Zustand des Kongresszentrums sei „gut bis sehr gut, gepflegt und insgesamt voll funktionsfähig“. Die technische Ausrüstung sei allerdings überholungsbedürftig. Das Haus müsse den Berlinern und Berlin-Besuchern zugänglich gemacht werden.

Zudem solle das Pullman-Restaurant wieder geöffnet werden, im Zwischengeschoss könne als Ergänzung eine Bar oder ein Club eingerichtet werden. In der Eingangsebene seien Läden, vor allem mit Angeboten für Touristen, möglich. Der Vorplatz solle zu einer Vorfahrt für Taxis und Busse umgestaltet werden, das Parkhaus Süd müsse renoviert oder die Fläche neu genutzt werden. Der Dachgarten sei für open-air-events ideal. „All diese Investitionen rechnen sich“, ist Tepasse überzeugt.

Die Senatswirtschaftsverwaltung lehnt eine Sanierung im laufenden Betrieb allerdings ab – wegen der Kosten und aus Gründen der Praktikabilität, sagte Sprecher Alexander Dennebaum.