Wie sich die Zeiten ändern. Als vor fünf Jahren ein 21 Jahre alter Student eine Anwendung für Smartphones entwickelte, mit der man von unterwegs passende Verbindungen von Bahnen und Bussen finden konnte, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das umgehend verboten: Sie sahen das Copyright ihres Streckennetzes verletzt.
Am Mittwoch hat das landeseigene Unternehmen nun eine eigene, offizielle Anwendung vorgestellt. Darin steckt auch Technologie, die der 21-Jährige damals entwickelt und später an eine Firma verkauft hat, die längst für die Verkehrsbetriebe arbeitet.
So entstand zunächst die beliebte App „Fahrinfo“ des VBB: Diese wurde nun erweitert, mit gelbem BVG-Logo versehen, daran erkennt man sie auch im App-Store. Sie ist kostenlos für iOS- oder Android-Betriebssystem erhältlich.
Aus der Idee des Studenten ist damit ein wichtiger Teil des Zukunftskonzeptes des Unternehmens geworden. Neu ist: Die passende Fahrkarte für die Route kann direkt per Smartphone gekauft werden, per Kreditkarte. Dafür muss man sich registrieren, dabei hatte der Autor dieses Artikels prompt technische Probleme.
Das digitale Ticket ist auf den Namen des Käufers ausgestellt, es ist nur kombiniert mit einem Ausweis gültig. Auch mehrere Tickets für Mitreisende könne auf einem Gerät gekauft werden, die Gruppe muss dann aber zusammen fahren. Tickets vom Handy, das kann Hektik am Automaten ersparen.
35.000 Euro Kosten
Der Ticketkauf ist der deutlichste Vorzug der offiziellen BVG-App gegenüber inoffiziellen Angeboten, von denen es – inzwischen von der BVG geduldet – einige im Netz gibt. Personalisierte Tickets, das dürfte die Augen in der BVG-Chefetage leuchten lassen, werden doch trotz Verbotes täglich Tickets über Zwischenhändler weiter verkauft. Digital geht das nicht – oder jedenfalls nicht so einfach.
Zudem hat die Entwicklung der App laut Unternehmen rund 35.000 Euro gekostet. Dafür kann die BVG gerade mal einen einzigen Fahrkartenautomaten aufstellen. Doch auch wenn die BVG mit Hundertausenden Nutzern der App rechnet, hat das Management in diesem Punkt ein bescheidenes Ziel gesetzt: Zunächst ein Prozent der verkauften Fahrkarten sollen digital werden.
Die Bedienung der App gelingt intuitiv, bei guter Internetverbindung läuft sie flüssig und schnell. Der Trend geht von der Fahrplanauskunft hin zu einem Kompass für Mobilität in der Großstadt. Neben Bussen und Bahnen zeigt eine Karte verfügbare Wagen des Carsharing-Anbieters „Car2go“ an. Es sollen weitere Anbieter eingebunden werden, für Autos wie für Fahrrad-Leihstationen. Um ein Auto zu buchen, verlinkt die BVG-App mit der Car-Sharing-App. Als Spielerei bietet sie auch „Augmented Reality“: Man schaut sich die Umgebung durch die Kamera des Smartphones an, in dem Bild ploppen Infos etwa zu Haltestellen auf. Das ist schick.
Allerdings hat Begeisterung für solche Technik auch Grenzen. Zur Debatte über Datenschutz sagte BVG-Finanzvorstand Henrik Falk, man nehme das „sehr ernst“ und speichere selbstverständlich keine Bewegungsdaten. Allerdings ist die Ortungsfunktion unerlässlich für viele Funktionen. Einfache Auskünfte, von Ort zu Ort, gibt es aber auch ohne sie.
Klare Schwäche: Verspätungen und geänderte Abfahrtszeiten werden bisher nicht angezeigt. Diese Funktion soll in den kommenden Monaten nachgerüstet werden. Die BVG ist Kritik ihrer Kunden gewohnt, man gesteht ein, dass die App „nur zu 90 Prozent“ fertig sei und nun Anregungen der Nutzer umgesetzt würden. Für Beschwerden über die App bietet sie auch einen Knopf.





