Filmproduzent

Ermittlungen gegen Artur Brauner wegen Steuerhinterziehung

Artur Brauner steht unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung. Sein Name soll auf einer Steuer-CD aufgetaucht sein. Der Berliner Filmproduzent widerspricht den Vorwürfen und droht mit einer Klage.

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Gegen den prominenten Berliner Filmproduzenten Artur Brauner ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Das wurde der Berliner Morgenpost aus Kölner Justizkreisen bestätigt. Zuvor hatte „Spiegel online“ berichtet, Brauners Name sei auf einer Schweizer Steuer-CD mit Daten der Bank Leumi aufgetaucht. Diese CD hatte die nordrhein-westfälische Finanzverwaltung angekauft. Leumi ist die traditionsreichste israelische Bank, die Verfahren wegen Steuerhinziehung betreffen mehr als 100 deutsche Kunden der Bank.

In Brauners Fall soll es sich laut „Spiegel online“ um Vermögen im „hohen zweistelligen Millionenbereich“ handeln. Die Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen hätten den Verdacht, dass es sich um unversteuertes Geld handele. Vor Weihnachten hätten Steuerfahnder mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss Brauner bereits aufgesucht.

Artur Brauner wies die Darstellung zurück. Die Steuer-CD würde nur eine Seite der ihn betreffenden Daten abbilden, nämlich die Haben-Seite, sagte der 95-Jährige der Berliner Morgenpost. Einem Guthaben über mehrere Millionen Euro stünden Verbindlichkeiten bei der Bank in gleicher Höhe gegenüber. Von einem Vermögen könne also keine Rede sein. Zudem sei „alles versteuert von A bis Z“. Brauner bestätigte den Besuch der Steuerfahnder. „Zwölf Personen waren zusammen mit meinem Steuerberater im Büro“, erklärte er. Sie hätten verschiedene Unterlagen geprüft, alles sei in Ordnung gewesen. Es sei nichts durchsucht worden. Er arbeite seit mehr als 50 Jahren mit der Schweizer Tochter der Bank Leumi zusammen, es sei immer alles ordnungsgemäß gewesen.

Der Produzent erklärte, er erwäge eine Klage gegen das Finanzministerium in Nordrhein-Westfalen. Er habe wegen des Bekanntwerdens der Ermittlungen einen Imageschaden erlitten. Nun bange er um Kredite für neue Filmproduktionen. Am Montag werde er dazu mit seinem Rechtsanwalt sprechen. Er habe in mehr als 67 Jahren wirtschaftlicher Tätigkeit mehr als 100 Millionen Steuern gezahlt, noch heute begleiche er Steuern in Millionenhöhe – für Gewinne aus Lizenzgebühren, weil seine Filme im Fernsehen liefen. Brauner betonte, er habe niemals Steuern hinterzogen.

Hat Berlin auf Steuern verzichtet?

„Spiegel online“ berichtete zudem unter Berufung auf die Steuerfahnder, dass die Berliner Finanzverwaltung bei Brauner auf Steuerzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe verzichtet habe. Die Verwaltung gab dazu keinen Kommentar ab. Zu persönlichen Steuerangelegenheiten äußere man sich nicht, sagte Kathrin Bierwirth, Sprecherin von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD). Aus Kölner Justizkreisen verlautete gegenüber dieser Zeitung, mögliche Verzichtsvereinbarungen seien nicht Gegenstand der Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung. Rechtlich, so bestätigen Steuerexperten, sei ein Verzicht der Finanzverwaltung auf Steuereinnahmen grundsätzlich möglich, dem seien aber enge Grenzen gesetzt.

Artur Brauner sprach in diesem Zusammenhang von „Verdrehungen“. Mehrere Jahre sei er ohne eigenes Verschulden nicht in der Lage gewesen, Bilanzen zu erstellen. Daraufhin sei seine Steuerschuld zunächst geschätzt worden. Tatsächlich sei sie dann aber wesentlich geringer ausgefallen. Daraus ergebe sich eine Differenz in Millionenhöhe. Die Verwaltung habe also nur deshalb auf Zahlungen verzichtet, weil sie falsch geschätzt habe. Brauner wies auch die Behauptung von „Spiegel online“ zurück, er besitze ein Milliardenvermögen. „Sind die verrückt?“, lautete sein Kommentar.

Große Erfolge

Artur „Atze“ Brauner wurde 1918 im polnischen Lodz geboren. Brauner und seine Familie wurden als Juden von den Nationalsozialisten während der Besetzung Polens verfolgt. Ihm gelang die Flucht in die Sowjetunion, dort konnte er sich verstecken. Nach dem Krieg kam er nach West-Berlin und feierte große Erfolge als Filmproduzent. Er baute die CCC-Film mit Studios in Spandau auf und produzierte mehr als 500 Filme. Gleichzeitig wurde er eine feste Größe der Berliner Gesellschaft, gemeinsam mit seiner Frau Maria besuchte er unzählige Galas und Empfänge. Seine Gewinne legte er in seinen Filmateliers, aber vor allem in Immobilien an

Die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuervergehen in Berlin hat sich nach Angaben der Finanzverwaltung im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht. Bis zum 31. Dezember meldeten sich insgesamt 966 Bürger freiwillig beim Finanzamt – 2012 waren es 303 gewesen. Dies könnte durch den „Fall Uli Hoeneß“ verursacht sein. Auffällig ist der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal 2013. Die Zahl der Selbstanzeigen stieg von 118 auf 267. Der Verdacht auf Steuerhinterziehung gegen Hoeneß wurde Ende März bekannt. Im dritten Quartal offenbarten sich 310 Berliner dem Fiskus, im letzten Viertel des Jahres folgten weitere 271. Berlin liegt mit einer Verdreifachung der Selbstanzeigen im bundesweiten Durchschnitt.

Seit die Behörden 2010 die ersten CDs mit Daten von Steuerhinterziehern in der Schweiz und Liechtenstein erwarben, haben sich 2316 Steuerpflichtige bei den Berliner Finanzbehörden selbst angezeigt. Insgesamt flossen so laut Senatsfinanzverwaltung etwa 136 Millionen Euro in die Staatskasse. Wie viel Geld 2013 zusammengekommen ist, steht noch nicht fest. 2012 waren es 22 Millionen Euro.

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