Mit einer Strukturreform will das Erzbistum Berlin seine Seelsorger entlasten und gleichzeitig auf schrumpfende Gemeinden reagieren. Von 2020 an soll es im gesamten Erzbistum nur noch 30 Pfarreien geben – unter deren Dach aber sollen die 105 Gemeinden in Berlin, Brandenburg und Vorpommern erhalten bleiben, wie Erzbischof Rainer Maria Woelki am Freitag mitteilte. So solle die katholische Kirche in ländlichen Regionen präsent bleiben.

Der Grundgedanke der Reform sei kein finanzieller, sondern ein geistlicher. Die Gemeinden sollen von Verwaltungs- und Finanzaufgaben entlastet werden und mehr Zeit für die eigentliche Seelsorge-Arbeit haben. Aufgabe der Gemeinden bleibe das liturgische Leben: die Gestaltung der Gottesdienste, caritative Arbeit, der Kontakt zu den Gläubigen.

Jede Pfarrei soll von einem Hauptpfarrer geleitet werden und ein gemeinsames Pastoralbüro für Verwaltungsaufgaben bekommen. Unterstützt wird der Pfarrer von weiteren Priestern, Pfarrvikaren, Diakonen, Gemeindereferenten und Mitarbeitern. Zusammen soll das Team je nach Region Schwerpunkte setzen und auch in Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäuser oder Altenheimen arbeiten.

Seelsorger sollen sich selbst zusammenfinden

Welche Gemeinden zu einer Pfarrei zusammengeschlossen werden, will Woelki nicht von oben herab bestimmen. Die Seelsorger vor Ort sollen sich in den kommenden Monaten selbst zusammenfinden. Im Erzbistum Berlin leben 400.000 Katholiken.

Woelki verteidigte die Reform. Es gehe nicht in erster Linie um die Gründung von Großpfarreien, sagte eer. Ziel sei vor allem eine bessere Weitergabe der christlichen Botschaft, betonte er bei der Vorstellung „Pastoraler Leitlinien“. Die bisherigen Gemeinden sollten vielmehr auch in der neuen Struktur erhalten bleiben.

Woelki räumte zugleich ein, die im vergangenen Dezember eingeleitete Reform werde „nicht überall richtig verstanden und aufgenommen“. Er spielte damit auf Kritik in den Gemeinden an, gewachsene Strukturen würden zerstört.

„Klare und schlanke Strukturen“

Das Ziel sei „nicht Abbau, sondern Investition“, betonte Woelki. „Je mehr und lebendigere Gemeinden es unter dem Dach der neuen Pfarreien gibt, umso besser“. Die Umstrukturierung solle „klare und schlanke Strukturen schaffen“ und die Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlasten. Die Bildung von Teams aus Priestern, Diakonen und Laientheologen könne auch der Vereinsamung von Pfarrern entgegenwirken. Die Kirchenmitglieder sollten sich weiter an der Umstrukturierung beteiligen, betonte Woelki. „Wir würfeln nicht einfach Gemeinden zusammen.“

Als einen Grund für die Reformen führte der Kardinal an, dass die Katholikenzahl wie die der Einwohner insgesamt vor allem in Brandenburg und Vorpommern stark zurückgeht. Dies mache neue pastorale Konzepte für die Gemeinden erforderlich, in denen viele Familien leben oder in denen sich viele Touristen aufhalten. Dabei sollten die Gemeinden verstärkt mit katholischen Schulen und Einrichtungen der Caritas zusammenarbeiten.

Anregungen aus mehr als 100 Informationsveranstaltungen

Wie der Stabsstellenleiter für die Reform, Markus Weber, erläuterte, greifen die neuen Leitlinien Anregungen und Kritik aus den bislang über 100 Informationsveranstaltungen auf. So sollen die unter dem Dach der Großpfarreien fortbestehenden Gemeinden ein eigenes finanzielles Budget erhalten.

Woelki stellte auch Prälat Stefan Dybowski (59) als neuen Bischofsvikar für die Reform vor. Der bisherige Seelsorgeamtsleiter hat den Auftrag, „den geistlichen Charakter des Prozesses herauszustreichen“. Ein Bischofsvikar ist ein hochrangiger Sonderbeauftragter für ein bestimmtes Aufgabengebiet. Dybowski kündigte an, ab November bistumsweit für die Ziele der Reform zu werben.