Nachbarn im Wohnhaus an der Schulstraße hatten einen lauten Streit wahrgenommen. Ein Anwohner will auch Schüsse gehört haben. Am nächsten Tag fanden Feuerwehrleute die Leiche von Saim K. in seiner Wohnung. Dass es sich bei der Auseinandersetzung der beiden Männer um ein Eifersuchtsdrama handelte, ist erst am Freitag bekannt geworden. Am späten Donnerstagnachmittag haben Ermittler der Polizei den mutmaßlichen Täter verhaftet. Die Beamten hatten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Berlin bereits zuvor einen Haftbefehl wegen Totschlags gegen den 42 Jahre alten Verdächtigen erwirkt.

Der Leichnam von Saim K. wies Schussverletzungen im Oberkörper auf. Als sicher gilt inzwischen, dass der 55-Jährige bereits einen Tag vor dem grausamen Fund von seinem Widersacher niedergeschossen und tödlich verletzt worden war. Die Anwohner waren schockiert, sie hatten berichtet, dass Saim K. unauffällig und sehr zurückgezogen in dem Miethaus gelebt habe.

Saim K. arbeitete in einem Imbiss. Eine Kollegin hatte vergeblich versucht, den 55-Jährigen zu erreichen, nachdem dieser nicht an seiner Arbeitsstelle erschienen war. Die Frau rief um 20.24 Uhr die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte fanden den Mieter in der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der dritten Etage leblos am Boden liegend. Kriminaltechniker der Spurensicherung hatten am Tatort Patronenhülsen sicherstellen können.

Fehde im Rockermilieu

Vom 9. bis zum 17. Januar wurden in Berlin vier Menschen Opfer von Tötungsdelikten. Drei Männer wurden erschossen, eine Frau erstochen. Und in allen Fällen konnte die Polizei Fahndungserfolge erzielen. Der spektakulärste Fall ereignete sich am 10. Januar in einem Wettbüro in Reinickendorf. 13 Rocker der Hells Angels stürmten in das Geschäft und erschossen Tahir Ö. in einem Hinterzimmer. Als Motiv wird eine Bestrafung vermutet. Tahir Ö. soll im vergangenen Jahr bei einem Streit vor einer Diskothek einen Türsteher mit einem Messer verletzt haben. Der Verletzte soll ein Gefolgsmann des bereits verhafteten Rockerchefs Kadir P. sein. Er steht unter dem dringenden Tatverdacht, Auftraggeber für den Anschlag zu sein. Der mutmaßliche Schütze befindet sich ebenfalls in Untersuchungshaft.

Rund drei Wochen nach dem Mord ist am Freitagvormittag der achte Tatverdächtige, ein 27-Jähriger, in der Müllerstraße in Wedding verhaftet worden. Erst am Mittwoch hatten Spezialeinsatzkräfte einen siebten verdächtigen Rocker gefasst.

Die Ermittlungen im Pankower Mordfall hatten erst am vergangenen Dienstagvormittag in Heinersdorf zur Festnahme eines per Haftbefehl gesuchten 49-Jährigen geführt. Er steht unter dem dringenden Tatverdacht des Totschlags. Beamte des Mobilen Einsatzkommandos nahmen den Mann gegen 10.20 Uhr an der Romain-Rolland-Straße fest. Er soll am 9. Januar gegen 22 Uhr in der Dietzgenstraße einen 46-Jährigen in dessen Vorgarten erschossen haben.

Nur wenige Stunden nach der Tat konnten Ermittler der 4. Mordkommission am 17. Januar einen 42 Jahre alten tatverdächtigen Mann festnehmen. Er soll am Tag zuvor eine 52 Jahre alte Frau in einem Wohnheim in Lichtenberg erstochen haben. Der Festgenommene lebte mit dem Opfer zusammen in einer Wohngemeinschaft und ist geständig.

Da der jetzt gefasste Tatverdächtige im Fall des toten Saim K. aus Wedding nicht geständig ist, bitten die Ermittler weiter um Hinweise. Die 1. Mordkommission nimmt diese unter 4664 911 111 entgegen. Auch jede andere Polizeidienststelle steht zur Verfügung.