Berüchtigte Berliner Rockerbanden nehmen Einfluss auf die Arbeit mit Jugendlichen, indem sie mit illegalem Geld Sportvereine finanzieren. Das geht aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervor, die der Morgenpost vorliegt.
Der Polizei sei bekannt, „dass es in mindestens einem Fall eine enge Verbindung zwischen Angehörigen einer Outlaw Motorcycle Gang und einem Sportverein“ gebe, schreibt Innensenator Frank Henkel (CDU). Bei dem Sportclub soll es sich um einen Fußballverein handeln.
Die Polizei will künftig aktiv gegen solche Entwicklungen vorgehen. Es werde „ein Präventionskonzept erarbeitet, das sich insgesamt mit der Problematik der Einflussnahme von Outlaw Motorcycle Gangs auf Jugendliche beschäftigt“.
Schreiber sagte, auch in anderen Sportarten wie Boxen und Kampfsport versuchten die Rocker über Sponsoring, Jugendarbeit oder das Stellen von Wachleuten, Einfluss zu nehmen. Das sei „hochgefährlich“. Die Vereine müssten sich klar darüber sein, dass das Geld aus kriminellen Geschäften stamme. Schreiber forderte eine Zusammenarbeit mit dem Landessportbund und der Senatsjugendverwaltung, um die Rocker zurückzudrängen. Die gefährlichen Gruppierungen würden ihr zweifelhaftes Engagement zunehmend als Türöffner nutzen, um Nachwuchs zu rekrutieren.
Rocker versuchen Jugendliche durch Sportvereine zu beeinflussen
„Ich wollte, dass solche Entwicklungen nicht nur zur Kenntnis genommen werden, sondern dass die Behörden für die Problematik sensibilisiert werden“, sagte Schreiber am Mittwoch der Berliner Morgenpost. Den Versuchen von Rockergruppen, auf Jugendliche Einfluss zu nehmen, müsse frühzeitig und entschlossen begegnet werden, dies sei Aufgabe aller Senatsverwaltungen, betonte der SPD-Innenexperte.
Schreiber bemängelt wie andere Experten, dass Rocker in der öffentlichen Wahrnehmung häufig noch unterschätzt werden. Dass es sich bei diesen Gruppen um hoch kriminelle Organisationen handelt, zeigen die vielen Festnahmen nach dem Mord an einem 26-Jährigen in einer Reinickendorfer Spielhalle. Hintergrund der Tat soll ein Streit rivalisierender Rockerbanden sein.
„Task Force Rocker“ bekämpft in Berlin Rockerkriminalität
In der Anfrage geht es darüber hinaus auch um die Bewertung der zur Bekämpfung der Rockerkriminalität eigens gegründeten „Task Force Rocker“. Die Ermittlergruppe hat laut Antwort auf die Anfrage seit ihrer Gründung bei der Staatsanwaltschaft im Juli 2012 etwa 280 Ermittlungsverfahren im Bereich der Rockerkriminalität geführt. Mehr als 30 Personen aus der Szene seien in Haft genommen worden. In den seit dieser Zeit geführten Hauptverhandlungen seien in mehr als 25 maßgeblichen Verfahren Verurteilungen zu zum Teil langjährigen Freiheitsstrafen erreicht worden.
Weitere bedeutende Verfahren würden derzeit verhandelt. Der ernorme Ermittlungsdruck habe außerdem dazu geführt, dass vermehrt Beschuldigte und Zeugen aus der Rockerszene zur Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden bereit seien und belastbare Aussagen über ihre eigene Tatbeteiligung hinaus machen würden.
dpa/ur/hhn





