Den Ermittlern des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Berlin ist es gelungen, den Mordanschlag auf den 26-jährigen Tahir Ö. am 10. Januar 2014 in Berlin-Wedding weitgehend aufzuklären.
Sie informierten am Freitag über den aktuellen Ermittlungsstand und zeigten auch ein Video aus einer Überwachungskamera. In den Filmsequenzen ist zu sehen, wie 13 Rocker an jenem 10. Januar in ein Lokal marschieren, der erste im Hinterzimmer einen Mann erschießt und alle wieder verschwinden.
Gleichzeitig wies die Berliner Polizei Vorwürfe zurück, sie habe frühere Hinweise auf das geplante Verbrechen nicht ernst genommen. Der Chef des Landeskriminalamtes, Christian Steiof, sagte am Freitag, die Polizei sei den Hinweisen nachgegangen, das spätere Opfer solle sich damals aber im Ausland aufgehalten haben.
Im Zuge der Ermittlungen seien mittlerweile sechs Haftbefehle wegen Mordes beziehungsweise wegen Anstiftung zum Mord vollstreckt worden.
Sechs Kugeln trafen Tahir Ö. in den Oberkörper
Die Ermittlungen haben nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft ergeben, dass mutmaßlich aus Rache für eine tätliche Auseinandersetzung mit Türstehern vor einer Diskothek am Alexanderplatz in Mitte am 13. Oktober 2013 Mitglieder der Rockerszene beauftragt wurden, Tahir Ö. zu töten. Damals war ein Gast der Disko, der der Rockerszene zugehörig gilt, durch einen Messerstich verletzt worden.
Daraufhin soll der 29 Jahre alte Berliner Rockerführer Kadir P. „ihm ergebene Personen aus der Rockerszene beauftragt haben, den mutmaßlichen Angreifer vom 13. Oktober zu töten“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Am 10. Januar waren dann gegen 23 Uhr mindestens 13 teilweise maskierte Personen in das Wettbüro „expect.com“ an der Residenzstraße gestürmt. Einer der Täter gab laut Ermittlungsbehörden acht Schüsse aus einer Pistole ab. Davon trafen sechs Kugeln Tahir Ö. im Oberkörper und verletzten ihn tödlich.
Aufgrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse sei es den Beamten gelungen, die Beschuldigten überwiegend zu identifizieren.
Kadir P. soll sich aus taktischen Gründen gestellt haben
Nachdem die Polizei zunächst am 17. Januar 2014 zwei Beschuldigte festnehmen konnte, darunter den mutmaßlichen Schützen, gelang es in der Folgezeit aufgrund der fortgeschrittenen Ermittlungen am 20., 21. und 23. Januar 2014 vier weitere Tatverdächtige zu fassen. Darunter befand sich der mutmaßliche Auftraggeber des Mordes, Kadir P., Anführer des mittlerweile verbotenen Rockerklubs „Hells Angels MC Berlin City“.
Er hatte sich am frühen Donnerstagnachmittag den Behörden auf dem Polizeiabschnitt 36 in der Pankstraße gestellt. Am Abend verkündete ihm ein Richter einen Haftbefehl wegen Anstiftung zum Mord. Kadir P. war in Anwesenheit seines Rechtsanwalts ins Polizeirevier gekommen.
Die Ermittler vermuten, dass er sich aus taktischen Gründen gestellt hat. So könnten seine Rechtsanwälte argumentieren, es bestehe keine Fluchtgefahr, eben weil ihr Mandant schließlich freiwillig zur Polizei gekommen sei.
BM




