Mit Julius Dahms, Sprecher der Initiative für das Volksbegehren „100 Prozent Tempelhofer Feld“ sprach Morgenpost-Mitarbeiterin Florentine Anders

Berliner Morgenpost: Herr Dahms, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg. Wie geht es jetzt weiter?

Julius Dahm: Unter anderem steht jetzt an, dass der Termin für den Volksentscheid festgelegt wird. Wir wünschen uns bekanntlich, dass die Abstimmung mit der Europawahl am 25. Mai zusammengelegt wird. Und es gab ja diesbezüglich schon positive Signale von Innensenator Frank Henkel. Vorher wird das Abgeordnetenhaus das Thema Tempelhofer Feld in den Debatten aufnehmen. Hoffentlich gibt es dann im Rahmen einer intensiven Diskussion auch konkrete Informationen über den Kostenrahmen für die Pläne des Senats. Wichtigste Aufgabe für uns wird sein, die Berliner weiter über den Gesetzesentwurf, der dem Volksentscheid zugrunde liegt, zu informieren und welche positiven Entwicklungsmöglichkeiten der Gesetzesentwurf für das Feld bietet.

Wie wollen Sie die den Volksentscheid nötigen 25 Prozent der Bevölkerung von Ihrem Anliegen überzeugen? Zu den Unterzeichnern des Volksbegehrens gehörten ja vor allem Menschen, die im Umfeld des Tempelhofer Feldes wohnen.

Das stimmt, aber das liegt nicht daran, dass die Menschen in den Bezirken, die weiter weg sind, gegen unsere Initiative sind. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass sich auch die Bewohner zentrumsferner Regionen für das Tempelhofer Feld begeistern, sie sind nur weniger informiert über die konkreten Pläne. Es geht also vor allem weniger darum, die Menschen zu überzeugen, als darum, sie zu mobilisieren.

Glauben Sie, dass jedes Bauvorhaben am Tempelhofer Feld verhindert werden muss?

Nein, so sieht unser Gesetzesentwurf gar nicht aus. Wir sind nicht gegen eine Entwicklung des Geländes, nur soll es mehr im Sinne der Freizeit- und Erholungsgestaltung sowie unter ökologischen Aspekten entwickelt werden. Eine Bebauung in kleinem Maßstab, also eine Kita oder beispielsweise eine Senioreneinrichtung, könnte es in diesem Rahmen geben, nur eben nicht auf den Wiesen und in viel kleinerem Maßstab als es vom Senat vorgesehen ist. Die Bürger wollen vor allem mitreden können. Mit dem Volksentscheid wollen wir ihnen eine Stimme geben.