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Kältewelle in Berlin - Schlafplätze für Obdachlose fehlen

Berlin zittert bei zweistelligen Minusgraden. Obdachlose suchen Schutz. Doch es fehlt an Schlafplätzen, in der Innenstadt wird es immer enger. Die Kältehilfe befürchtet eine Verschärfung des Problems.

Foto: Massimo Rodari

Für Obdachlose fehlt es nach Einschätzung der Berliner Kältehilfe an Schlafplätzen in der Innenstadt. Einige Quartiere seien restlos überfüllt. „Die Notunterkunft in der Lehrter Straße ist zur Zeit zu 200 Prozent ausgelastet“, sagte Lina-Antje Gühne von der gemeinnützigen Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser. Statt 60 Menschen stünden bei Eis und Schnee abends mehr als 120 vor der Tür. Die Lage werde sich weiter verschlechtern, wenn Ende Januar eine Notübernachtung an der Prenzlauer Allee schließen müsse, warnte Gühne. „Da fehlen dann 17 Plätze.“ Den Betreibern sei der Mietvertrag für die Räume nahe dem S-Bahnhof Prenzlauer Allee gekündigt worden.

Die Kältewelle im Januar lasse deutlich mehr Obdachlose Schutz suchen als im November und Dezember, berichtete Gühne. Bereits im Dezember seien die Quartiere jedoch zu 103 Prozent ausgelastet gewesen. Zeitweise kamen 512 Menschen pro Nacht; insgesamt wurden 15 164 Übernachtungen gezählt. Um es nicht zu eng werden zu lassen, werden Obdachlose wie im vergangenen Jahr aus der Innenstadt mit Bussen in weiter entfernte Quartiere gefahren.

Die Zahl der Obdachlosen wird in der Hauptstadt auf 600 bis 1000 geschätzt. 16 Notübernachtungen bieten seit Anfang November im Durchschnitt rund 430 Schlafplätze pro Nacht. Je nach Andrang werden mehr Nachtlager bereitet, dann wird es aber für alle enger. Darüber hinaus gibt es zwei Kältebusse, die Obdachlose nachts von der Straße holen, Arztmobile und Obdachlosen-Praxen.

Immer mehr Hilfesuchende aus Osteuropa

Die Verelendung von Menschen auf der Straße hat nach Einschätzung der Sozialverbände zugenommen. Das liege auch daran, dass immer mehr Hilfesuchende aus Osteuropa kommen. Die Caritas-Praxis am Bahnhof Zoo besuchen nicht nur Menschen mit Läusen und Krätze. Ärzte behandeln dort auch Hepatitis B und C, offene Tuberkulose und hochansteckende Hautkrankheiten. Dazu kommen Suchtprobleme. Bei Alkoholmissbrauch reichen die Erkrankungen bis hin zu Leberversagen.

Die Unterstützung der Kältehilfe durch die Bevölkerung ist laut Gühne groß. „Unser ausdrücklicher Dank gilt vielen Berlinern, die Kleidung oder Geld spenden.“ Berlin hat seit 1889 ein geregeltes System, wenn es um Hilfe für Obdachlose geht. Kirchliche und soziale Träger und viele ehrenamtliche Helfer haben sich dafür zusammengeschlossen. Über die Bezirke gibt es Finanzspritzen vom Land. Ein bewilligter Schlafplatz wird mit rund 15 Euro pro Person und Nacht erstattet.

>> „Berliner helfen“, die Initiative der Berliner Morgenpost, unterstützt die Kältehilfe

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