Der plötzliche Wintereinbruch mit Glatteis und Schneefall hat am Dienstag ein Todesopfer gefordert. In Neukölln stürzte ein Dachdecker von einem vereisten Hausdach. Wie das Landesamt für Arbeits- und Gesundheitsschutz mitteilte, starb der Mann noch am Unfallort. Wie es zu dem tödlichen Arbeitsunfall des 1971 geborenen Handwerkers kommen konnte, wird nun untersucht.
Nach gefrierendem Regen am Vortag setzte am Dienstagmorgen in Berlin Schneefall ein. Die Verschnaufpause für die Feuerwehr dauerte nur wenige Stunden. Nach dem Abflauen der Noteinsätze in den Nachtstunden – nur 132 Einsätze wurden gezählt – musste die Feuerwehr um 8.24 Uhr wieder den Ausnahmezustand ausrufen, weil die Einsatzzahlen in die Höhe schnellten.
Erst um 15 Uhr wurde der Ausnahmezustand wieder beendet. Zuvor musste die Feuerwehr zu 820 zusätzlichen Einsätzen ausrücken, 13 zusätzliche Rettungswagen seien dafür eingesetzt worden, hieß es. Am häufigsten verunglückten Fußgänger, die auf vereisten, ungestreuten Gehwegen und Plätzen zu Fall kommen, sagte ein Sprecher. Besonders in den Außenbezirken waren auch Nebenstraßen durch den Sprühregen oft spiegelglatt.
In der Nacht zu Dienstag zählte die Polizei 138 Unfälle auf Berlins Straßen. Auch am Dienstag waren die Ambulanzen der Krankenhäuser voll mit Berlinern, die auf den glatten Wegen gestürzt waren. In nur vier Stunden verzeichnete allein das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn 150 Patienten mit Sturzverletzungen. Menschen aller Altersgruppen mit verschiedensten Wunden und Brüchen seien eingeliefert worden, so eine Sprecherin.
Generell zeigte sich jedoch am Dienstag, dass die Stadt nach dem Chaos durch das Blitzeis am Montag besser auf die Wetterlage vorbereitet war. Die Berliner Stadtreinigung ist nach Angaben eines Sprechers seit Beginn des Wintereinbruchs mit rund 2100 Mitarbeitern und 480 Fahrzeugen im Einsatz, um die Glättebildung zu bekämpfen. Besonders kümmert sich die BSR um Hauptverkehrsstraßen, Straßen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Stadtautobahnen. Hier wird mit Feuchtsalz gestreut. Auf Fußgängerüberwegen, Haltestellen, in Fußgängerzonen und auf einigen Plätzen wird Splitt verwendet.
Keine Probleme bei der BVG
Die BVG hatte am Dienstag keinerlei Probleme zu melden und freute sich über einen störungsfreien Verkehrsablauf. Vereinzelte Verspätungen seien dem normalen Verkehrsbetrieb geschuldet, hieß es. Mit Schnee gebe es meist keine Probleme, plötzlicher Bodenfrost aber treffe auch die BVG unvorbereitet. „Blitzeis ist Blitzeis, da haben unsere Busse dieselben Probleme wie andere Fahrzeuge auch“, so ein Sprecher. Bei der S-Bahn wurden ebenfalls keine wetterbedingten Störungen bekannt. Man sei jedoch in Bereitschaft, falls sich die Wetterlage verschärfen sollte, sagte ein Sprecher der S-Bahn. „Unsere Koordinationszentrale läuft in Stand-by.“
Innensenator Frank Henkel (CDU) appellierte an die Berliner, hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. „Gerade kranke oder ältere Menschen, die sich derzeit nicht auf die Straße trauen, können darauf angewiesen sein, dass sie jemand bei dringenden Erledigungen unterstützt“, sagte Henkel und sprach allen Einsatzkräften seinen Dank aus. Als positiv bezeichnete Flughafensprecher Lars Wagner am Dienstag die Situation in Tegel und Schönefeld. „Wir haben die Lage an beiden Standorten im Griff. Verzögerungen haben wir allenfalls im Minutenbereich, wenn die Rollbahnen zwischenzeitlich geräumt werden.“ Er sei froh, dass die Passagiere dafür großes Verständnis zeigen würden. Die Kollegen bei den Räum- und Enteisungsdiensten beider Flughäfen hätten einen guten Job gemacht.
Auch für den Berliner Einzelhandel führte das Wetterchaos während der vergangenen zwei Tage zu Einbußen. Am Backstand eines Bio-Supermarktes an der Schönhauser Allee blieben am Abend viele Brote liegen. Das kam den Kunden zugute, die Eis und Schnee trotzten und sich über die 50 Prozent Feierabend-Rabatt freuten.




