Der Name ist poetisch, der Anspruch hoch: Mit dem Auenflügel im Nordosten Lichtenbergs soll von Juni an die größte aus einer Hand geplante Eigenheimsiedlung Berlins entstehen. Zwischen 850 und 1000 Häuser will die CD Deutsche Eigenheim AG aus Schönefeld dort errichten. Den eröffnenden Bauabschnitt könnten im Sommer 2015 die ersten Hausbesitzer oder Mieter beziehen.

Das architektonische Konzept für das 27,5 Hektar große Areal an der Ahrensfelder Chaussee im Ortsteil Falkenberg, bekannt durch Berlins Tierheim, stammt von der Architekten-Gemeinschaft Graft. Vier Gebäudetypen entwarfen die Berliner, welche unterschiedlichen Nutzern gerecht werden und das Ensemble strukturieren sollen.

So teilt sich die Anlage in eine Stadtkante entlang der Ahrensfelder Chaussee, hinter der sich zwei „Flügel“ genannte ringförmige Siedlungsabschnitte bis zum Gehrensee erstrecken. Häusergruppen arrangieren sich um zwei Stadtplätze, die auch als gesellschaftliche Zentren dienen sollen.

Wohnungsprojekt Auenflügel: 250 Millionen Euro sind veranschlagt

Auf rund 70.000 bis 90.000 Quadratmeter Gesamtwohnfläche könnte die Großsiedlung am Ende kommen. Der erste Bauabschnitt an der Stadtkante umfasst etwa 10.000 Quadratmeter, 28 Millionen Euro investiert die Deutsche Eigenheim hier. Der Finanzaufwand für das bis 2019 projektierte Vorhaben ist mit 250 Millionen Euro veranschlagt.

Eine Ausdehnung seiner Siedlungsfläche in den Regionalpark Barnim hinein wünscht der Bezirk Lichtenberg seit mehr als einem Jahrzehnt. Ab 2001 entstand unter Federführung der Wohnungsbaugesellschaft Howoge die Eigenheimsiedlung Falkenwiese.

2005 hatte die Howoge auch das angrenzende Gelände gekauft und wollte dort, wo sich zu DDR-Zeiten ein Arbeitslager für politische Häftlinge befand, rund 600 Einfamilien- und Reihenhäuser errichten. Entlang der Ahrensfelder Chaussee waren Gewerbe und Handel vorgesehen. Doch das Projekt stagnierte, die Falkenberger Auen lagen brach. 2007 erwarb sie die Deutsche Eigenheim, spezialisiert auf die Entwicklung ganzer Baugebiete im Speckgürtel deutscher Großstädte.

Vorbild sind Berliner Großsiedlungen von Bruno Taut

Vom 2007 noch vorgesehenen Geschosswohnungsbau ist in den aktuellen Plänen nichts übrig. „Das war eine eher monotone Anlage“, sagt Günter Minge, Vorstand der Deutschen Eigenheim. Stattdessen sollen jetzt variantenreiche Fassaden und die Kombination der verschiedenen Haustypen den Auenflügel zur Architektursiedlung machen.

Kleine Brötchen backen will die Deutsche Eigenheim nicht: In der Tradition der Berliner Großsiedlungen von Architekten wie Bruno Taut sehe man das Projekt, so Minge. Dafür wurde bei der Konzeption ein Ansatz verfolgt, der ausgehend von der Grünanlagenplanung durch das Hamburger Büro WES LandschaftsArchitektur die Baukörper erst im zweiten Schritt ins Grün integrierte.

Sämtliche Häuser verfügen über Gärten von 100 bis 300 Quadratmetern. Ein Gartenkonzept etwa für die Wahl der Heckenpflanzen oder die Anlage der Terrassen soll den Gesamteindruck des Ensembles sichern. Die geschlossene Stadtkante entlang der Ahrensfelder Chaussee, bestehend aus zwei- bis dreigeschossigen Patiohäusern mit Lichthöfen und Dachterrassen, wird den Innenraum des Quartiers abschirmen.

Die dahinter liegenden Flügelringe weisen zur Stadt hin schlichte, Richtung Landschaftspark stark strukturierte Fassaden mit Vorsprüngen und Erkern auf, sollen aber durch Wiederholung der Elemente jeden Flügel als Einheit ausweisen. Die Feldbebauung im Inneren der Gebäuderinge besteht aus Häusergruppen mit markanten Dächern. Die jeweils 1400 Quadratmeter großen Quartiersplätze mit Wasserbecken im Zentrum der Flügel flankieren sogenannte Platzhäuser mit auffälligen Giebelformen. Außerdem soll es je ein Gemeinschaftshaus geben.

Künftige Bewohner: Senioren, Singles, Familien

Ein am Rande der Siedlung gelegener Lebensmitteldiscounter wird durch weiteren Gewerberaum ergänzt, darunter ist eine Markthalle für Bauern aus der Region. Auch eine Kita und Spielplätze sind geplant. „Ein modernes Großquartier braucht ein soziales Gefüge statt Vermassung“, sagt Günter Minge.

Als künftige Bewohner der zwischen 89 und 154 Quadratmeter großen Wohneinheiten würden Senioren ebenso wie Singles und Familien angesprochen. Gespräche gibt es bereits mit institutionellen Anlegern, aber auch den Direktverkauf an Endnutzer schließt Minge nicht aus. Um die 2500 Euro je Quadratmeter könnte der Wohnraum dann kosten.

Während der erste Bauabschnitt planungsrechtlich gesichert ist, erwarte er die Planreife für den Rest Mitte des Jahres. Bis dort die Bagger anrollen, könnten Kräutergärten, Bolz- oder Spielplätze als Zwischennutzung dienen. Wie ernst es der Deutschen Eigenheim mit ihrem Slogan „eine Adresse zwischen Stadt und Natur“ ist, soll auch das „Hühnerstallprojekt“ zeigen: „Wir schenken jedem Hauseigentümer einen kleinen Hühnerstall“, sagt Minge.

Ob die Aussicht auf Eier plus Gegacker eher lockt oder abschreckt, wird gerade in der TelTown probiert: Auch die Erwerber der 93 Häuser im vierten Bauabschnitt der Teltower Neubausiedlung können mit Starthilfe des Projektentwicklers Deutsche Eigenheim Hühnerhalter werden.

Wohnungsbau hat Priorität in Berlin

Der Wohnungsbau hat höchste Priorität in der Stadt. Das ist auch in den Bauämtern der Bezirke angekommen, die Anträge auf Wohnungsneubau inzwischen schneller bearbeiten. Durchschnittlich brauchen sie jetzt nur noch zwei Monate, vorher waren es etwa vier Monate.

Im Bezirk Mitte hat die Bearbeitung vorher mit 89 Tagen fast drei Monate gedauert, jetzt sind es 55 Tage. „Das könnte daran liegen, dass wir einfachere Bauvorhaben und die Architekten bessere Pläne eingereicht hatten“, sagt Tanja Lier, Leiterin der Bauaufsicht im Bezirk Mitte. Gute, kleine Anträge ließen sich eben schneller bearbeiten. Tatsächlich vermutet sie aber, dass sich die Bearbeitung auch aufgrund schnellerer Zuarbeiten verbessert hat.

Lichtenberg hatte schon vorher mit 58 Tagen Bearbeitungsfrist ein gutes Ergebnis und konnte sich noch einmal steigern. Jetzt sind es nur noch 40 Tage für die Genehmigung. Wilfried Nünthel (CDU), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, führt das darauf zurück, dass großes Gewicht auf die Beratung von Bauherren vor der Antragstellung gelegt wird.

„Sind die Unterlagen vollständig und inhaltlich abgestimmt, verkürzt sich die Genehmigungsfrist.“ Denn es gebe weniger Aufwand mit der Nachbereitung. Die Beratung stemmt Nünthel aus dem vorhandenen Personalbudget. „Wir haben den Schwerpunkt auf den Wohnungsbau gelegt“, sagt der Stadtrat. Mit kürzeren Wegen im Haus sei das Verfahren noch einmal optimiert worden.