Der Berliner Fußball-Verband will Kinder und Jugendliche künftig noch besser vor sexuellem Missbrauch schützen. Mit Flyern und Plakaten startet er eine neue Präventionskampagne unter dem Motto „Hier endet das Spiel“, teilte der Verband am Donnerstag mit.
Pro Monat ein Fall von sexueller Belästigung
Pro Monat werde im Berliner Amateurfußball durchschnittlich ein Fall von sexueller Belästigung angezeigt, sagte Sprecher Jan Scharlowsky. Die Dunkelziffer liege jedoch höher. Am Freitag will der Verband seine neue Kampagne bei einer Pressekonferenz vorstellen. Die Plakate sollen künftig in allen Umkleidekabinen hängen – und zwar ganz bewusst in Augenhöhe der Kinder.
Der jüngste Anlass für die Kampagne war ein Trainer, der allein mit einem neunjährigen Jungen in die Kabine ging, um eine Verletzung zu behandeln. Er cremte aber nicht nur die Leiste des Kindes ein, sondern auch den Penis. Da sich der Junge später seinem Vater anvertraute, kam der Übergriff zur Anzeige.
Die Kampagne, die Fußballstandards wie die „Rote Karte“ aufgreift, wolle vor allem das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen stärken, erläuterte Scharlowsky. Dazu zählen zum Beispiel Merksätze wie „Mein Körper gehört mir“, „Ich entscheide, welche Berührungen mir angenehm sind“ und „Ich bin nicht schuld, wenn mir Gewalt angetan wird“. Bundesligist Hertha BSC, der FC Union und der Landessportbund Berlin unterstützen die Kampagne des Fußball-Verbandes.
Besondere Aufmerksamkeit im Sport gefordert
„Das Thema wird in deutschen Fußballvereinen erst seit wenigen Jahren angepackt“, sagte Jens Wagner, Sprecher des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ an der Berliner Charité. „Es gibt regelmäßig sexuelle Übergriffe. Aber Berlin ist bei der Prävention weit vorn“, ergänzte er. Gerade im Sport komme es ganz automatisch zu einem engen Kontakt zwischen Trainern und Kindern. Deshalb sei besondere Aufmerksamkeit gefordert, wie ein Trainer ein Kind tröste, auf den Arm nehme oder ob er allein mit ihm in eine Kabine gehe.
Die neue Kampagne sei ein klares Statement, dass der Berliner Fußball-Verband noch mehr hinsehen wolle, urteilte Wagner. Der Verband überprüft nach eigenen Angaben bereits seit Mai 2010 die persönliche Eignung aller ehrenamtlichen Helfer durch ein erweitertes Führungszeugnis.
Bei dem Charité-Projekt „Kein Täter werden“ können sich Männer melden, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, aber noch keine Straftat begangen haben. Sie lernen dort zum Beispiel in einem Verhaltenstraining, ihre Neigung zu kontrollieren. Pädophilie gilt als angeborene sexuelle Störung.




