Schüsse in Pankow

Mordopfer ließ Prostituierte in der City West arbeiten

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Michael Behrendt und Steffen Pletl

Foto: Steffen Pletl

Ein 46-Jähriger ist am späten Donnerstagabend vor seinem Haus in Rosenthal erschossen worden. Er soll der Rotlicht-Szene angehören. Der Täter ist flüchtig. Die Polizei bittet um Mithilfe.

Ein brutaler Mord beschäftigt das Landeskriminalamt (LKA): Ein 46 Jahre alter Mann ist am Donnerstag in den späten Abendstunden vor seinem Haus im Pankower Stadtteil Rosenthal durch mehrere Schüsse niedergestreckt worden.

Er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen, die Mordkommission übernahm noch in der Nacht die Ermittlungen. Ob er vor seinem Tod noch Angaben zu dem Täter machen konnte oder diesen gar kannte, ist noch unklar.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll das Opfer in der Berliner Rotlichtszene aktiv gewesen sein. Die Fahndung nach dem Täter läuft auf Hochtouren. Bis Redaktionsschluss war der gesuchte Mann allerdings flüchtig. Wegen der zu erwartenden Gefährlichkeit wurde auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) über den Vorfall und die Ermittlungen informiert, dessen speziell ausgebildeten Polizisten für das Ergreifen von Bewaffneten zuständig sind.

Täter flüchtet zu Fuß

Ersten Erkenntnissen nach hatte Rene K. gegen 22 Uhr im Garten seines Einfamilienhauses an der Dietzgenstraße eine bislang nicht eindeutig identifizierte Person beobachtet und war durch die Haustür ins Freie gegangen.

Der Mörder hatte dort offenbar auf ihn gewartet und schoss unvermittelt auf sein Opfer. Nach Aussagen von Zeugen sei er anschließend zu Fuß in Richtung Französisch Buchholz geflüchtet. Dort verlor sich jedoch seine Spur, auch eine Sofortfahndung der alarmierten Polizei blieb erfolglos.

Zur selben Zeit kämpfte ein Notarztteam der Feuerwehr um das Leben des Niedergeschossenen. Die Hilfe kam allerdings zu spät, Rene K. erlag noch auf seinem Gartengrundstück den schweren Verletzungen, die die Schüsse verursacht hatten. Die Streifenpolizisten informierten das LKA, die in der Nacht zuständige 1. Mordkommission übernahm den Fall. Die Dietzgenstraße wurde im Anschluss für mehrere Stunden in beiden Richtungen für den Fahrzeugverkehr gesperrt, auf dem Grundstück selbst und auch auf dem Gehweg davor wurden zahlreiche gelbe Markierungsschilder aufgestellt.

Mordopfer ließ Prostituierte in Bordellen für sich arbeiten

Wie die Berliner Morgenpost aus Ermittlerkreisen erfuhr, ließ das Mordopfer in der Vergangenheit in der City West Prostituierte in verschiedenen Bordellen für sich arbeiten. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der Täter ebenfalls im Rotlichtmilieu aktiv gewesen ist und dass es in diesem Zusammenhang zu Streitigkeiten gekommen ist. Aber auch ein Konflikt um eine Frau komme einem Ermittler zufolge in Betracht. Fest steht: Im Haus von Rene K. hatte sich zum Zeitpunkt des Mordes eine Frau aufgehalten, die dort polizeilich nicht gemeldet ist. „Es sieht im Moment danach aus, dass das spätere Opfer ein Verhältnis mit ihr hatte und ihr bisheriger Lebensgefährte deswegen wütend war“, sagte ein Ermittler.

Der Gesuchte müsse explizit mit dem Ziel nach Pankow gefahren sein, seinen Nebenbuhler zu töten. Ob er seine Wut auch an der Frau auslassen wollte, ist noch unklar. Sie war zum Zeitpunkt der Schüsse im Haus und blieb unverletzt. Am Tatort wurden mehrere Patronenhülsen gesichert und zur Analyse zur Kriminaltechnik transportiert. Weil Hülsen ausgeworfen wurden, steht fest, dass der Schütze keinen Revolver, sondern eine Pistole für den Mordanschlag benutzt hat. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Rene K. bereits vor zehn Jahren zusammen mit anderen Männern am Stuttgarter Platz von einer Personengruppe angegriffen worden sein, damals war ein Mann durch Messerstiche schwer verletzt worden. Die Angreifer sollen demnach niemals gerichtsverwertbar ermittelt worden sein. Ob der Täter von der Dietzgenstraße am Donnerstagabend auch damals bei dem Übergriff involviert war, könnte durch die Untersuchungen der Mordkommission ans Licht kommen.

Die Beschreibung des gesuchten Mannes ist dürftig

Anwohner berichteten vor Ort, dass Rene K. auch Kontakte zur Rockerszene gehabt haben soll. Die Polizei bestätigte dies offiziell zunächst nicht, einem Ermittler zufolge gebe es aber Ansatzpunkte für Ermittlungen in diese Richtung. Konkrete Hinweise liegen aber nicht vor, auch das zuständige Dezernat des Landeskriminalamtes hat keine Erkenntnisse zu einer Verbindung von Rene K. zu Rockern.

Die Beschreibung des gesuchten Schützen ist dürftig: Die Freundin von Rene K. skizziert ihn als großen und kräftigen Mann. Er soll dunkel gekleidet gewesen sein. Die Kriminalpolizei sucht in diesem Zusammenhang Zeugen, die in der Zeit zwischen 21.30 und 22.15 Uhr etwas Verdächtiges im Bereich der Anschrift Dietzgenstraße 175 bemerkt haben, und bittet diese dringend, sich bei den Ermittlungsbehörden zu melden. Hinweise nehmen die 1. Mordkommission in der Keithstraße 30 im Stadtteil Tiergarten unter der Telefonnummer 030/46 64 91 11 11 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen. Die Hinweise werden auf Wunsch auch vertraulich behandelt.