Im vergangenen Schuljahr hat die Zahl der Gewaltvorfälle an Berliner Schulen zugenommen. Dabei ging es meist nicht um schwere körperliche Gewalt, sondern um Beleidigungen und subtile Gemeinheiten. 1418 Fälle dieser Art weist die Statistik der Senatsbildungsverwaltung auf, 216 mehr als ein Jahr zuvor.

Gerade diese Vorfälle sind es, die das Klima an einer Schule stören, die aber auch schwer zu greifen sind, weil solche Quälereien oft im Verborgenen stattfinden. Im Schuljahr 2012/13 wurden insgesamt 2400 Gewaltvorfälle angezeigt. Tatsächlich könnten es aber noch deutlich mehr sein, weil Schulen nicht verpflichtet sind, Vorfälle des Gefährdungsgrads I, also Beleidigungen oder Tätlichkeiten, zu melden. Hier greift die Senatsverwaltung auch nicht ein, sondern die Schulen sind aufgerufen, hier selbst Lösungen zu finden.

Wie aus der Statistik weiter hervorgeht, wurden in 2002 Fällen Jungen als Tatverdächtige ausgemacht, Mädchen galten in 326 Fällen als Verursacher. Oft lässt sich der Täter aber gar nicht sicher ausmachen, weil es häufig auch Kinder gibt, die mitmachen oder einfach nur dabei sind und auch dadurch auf das Opfer Macht ausüben können.

Form des Mobbing verschiebt sich mit dem Alter

Mobbing gibt es in allen Altersklassen. Auffällig ist, dass sich auch immer mehr jüngere Kinder davon betroffen fühlen. Nach einer Umfrage der Universität Koblenz-Landau ist der Anteil der Schüler, die unter Mobbing leiden, sogar in den Klassen 1 bis 4 am höchsten, in den Klassen 11 bis 13 hingegen am niedrigsten.

Die Form des Mobbing verschiebt sich hingegen mit dem Alter der Kinder. Während Grundschüler vor allem noch unter Hänseleien leiden oder auf dem Schulhof ausgegrenzt werden, nimmt in den Oberschulen das Cyber-Mobbing immer größeren Raum ein. Wissenschaftler der Universitäten Münster und Hohenheim haben ermittelt, dass jeder dritte Schüler schon einmal betroffen war. Am häufigsten sind demnach beleidigende Nachrichten. Nach der Umfrage waren 15 Prozent der Schüler diesen schon mal ausgesetzt. Acht Prozent sagten, dass vertrauliche Informationen an Dritte weitergegeben wurden, zwei Prozent haben schon erlebt, dass Videos oder peinliche Bilder von ihnen bei Youtube hochgeladen wurden.

Die Opfer von Mobbing haben oft nicht den Mut, sich an Dritte zu wenden. Sie fühlen sich ausgegrenzt und ziehen sich zurück, anstatt sich zu wehren. Eltern merken oft erst, dass ihr Kind leidet, wenn es häufig Bauchschmerzen hat oder gar nicht mehr zur Schule gehen will. Hilfe bieten die schulpsychologischen Dienste. Schulangst und psychosomatische Beschwerden sind die häufigsten Gründe für Beratungen bei den Schulpsychologen.

aku/flo