Camp auf Oranienplatz

Bezirksamt warnt vor Krankheitserregern durch Rattenbefall

Infektionsgefahr im Kreuzberger Flüchtlingscamp: Der Aufenthalt auf dem Oranienplatz kann gesundheitsschädigend sein. Das geht aus einem Schreiben an die Berliner Polizei hervor.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Das Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg ist offenbar so stark von Ratten befallen, dass der Aufenthalt dort gesundheitsschädigend sein kann. Das geht aus einem Schreiben der Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) an die Berliner Polizei hervor. Die Polizeibehörde rät deshalb ihren Mitarbeitern nun, bei möglichen größeren Einsätzen in dem Camp Handschuhe und Staubschutzmasken zu tragen.

Die Polizei selbst hatte sich nach eigenen Angaben Ende 2013 an den Bezirk gewandt, um eine Beurteilung des hygienischen Zustandes im Flüchtlingscamp zu erhalten. Anlass dafür seien Sorgen einiger Mitarbeiter um ihre Gesundheit im Falle eines Einsatzes auf dem Oranienplatz gewesen, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich der Berliner Morgenpost.

Bezirksbürgermeisterin Herrmann informierte die Behörde daraufhin am 18. Dezember 2013 per E-Mail über die Einschätzung des bezirklichen Gesundheitsamtes. Wegen der Krankheitserreger, die von Ratten übertragen werden können, wird darin empfohlen, bei Tätigkeiten im Camp Handschuhe, festes Schuhwerk und gegebenenfalls Atemschutz zu tragen.

„Aufgrund des Rattenbefalls muss mit dem Vorkommen von Rattenkot und -urin auf dem gesamten Areal, auch unter den Zelten, gerechnet werden. In den Ausscheidungen können unter Umständen Krankheitserreger wie Leptospiren, Salmonellen, Hantaviren, Coxiellen etc. vorhanden sein, die bei Menschen Infektionen auslösen können“, heißt es in dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost in Auszügen vorliegt. Auch der Betriebsarzt solle zu Fragen des Arbeitsschutzes einbezogen werden, rät demnach das Kreuzberger Gesundheitsamt.

Empfehlungen für Polizisten

Anfang Januar habe der Arbeitsschutz der Berliner Polizei Handlungsempfehlungen für mögliche Einsätze auf dem Oranienplatz entworfen, sagte Polizei-Sprecher Redlich. Bei Einsätzen, bei denen Staub aufgewirbelt werden könnte, wie etwa beim Abbau von Zelten, sollen Polizisten demnach mit Einmalhandschuhen, Staubschutzmasken und Hautdesinfektionsmittel ausgestattet werden. Dienstkleidung und Fahrzeuge sollen nach einem Einsatz gewaschen werden, die Polizeiwagen „sind auch innen mittels Wischdesinfektion zu reinigen“.

In dem Camp schlafen derzeit rund 30 bis 40 Menschen pro Nacht, besucht von Dutzenden Unterstützern.

Auch wenn die Hygiene-Einschätzung aus dem Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksamt kam, wies dessen Sprecher Sascha Langenbach am Mittwoch den Eindruck zurück, am Oranienplatz gebe es eine „Ratteninvasion“. Ratten seien in einer Großstadt nichts Ungewöhnliches, sagte auch Monika Herrmann. Wenn eine Behörde tätig werden wolle, sei es Pflicht des Bezirksamtes, entsprechende Sicherheitshinweise zu geben. Ein Schädlingsbekämpfer sei eingeschaltet, um das Problem am Oranienplatz einzudämmen. Anwohnerproteste in diesem Zusammenhang gebe es nicht, so Langenbach. Es handele sich um allgemeine Vorsichtsmaßnahmen, wie sie auch an anderen Orten der Stadt üblich seien.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit verwies auf die Zuständigkeit des bezirklichen Gesundheitsamtes. Ein Hilfsangebot der Senatsverwaltung für mehr Hygiene auf dem Platz hatte die Bürgermeisterin im Juli abgelehnt.