Asylbewerber

Zentraler Dienst soll künftig Flüchtlinge in Berlin impfen

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Joachim Fahrun

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Die Berliner Bezirksämter bestätigen Probleme beim Gesundheitsschutz von Flüchtlingen: Eine zentrale Impfung soll nun Abhilfe schaffen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten verhindern.

Ein Vorstoß mit Folgen: Der Vorschlag des Spandauer Bezirksbürgermeisters Helmut Kleebank (SPD), einer zentralen Impfung von Flüchtlingen, wird von vielen Kollegen begrüßt. „Zentrales Impfen würde sehr helfen“, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes Lichtenberg, Anke Elvers-Schreiber. Könnte man alle Asylbewerber gleich bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Lageso gegen Masern, Windpocken und andere Infektionskrankheiten immunisieren, wäre das „hervorragend, und wir hätten kein Problem mehr mit der Ausbreitung dieser Krankheiten“, sagte die Expertin.

Kleebank will die in Berlin unterzubringenden Flüchtlinge künftig von einem zentralen Dienst unter der Regie des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) impfen lassen. Spandaus Bürgermeister Kleebank hatte wie berichtet im Dezember in einem Brandbrief an Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und seine Bürgermeister-Kollegen in den anderen Bezirken vor der Gefahr gewarnt, dass sich Seuchen ausbreiten könnten, weil die Gesundheitsämter mit der hygienischen und gesundheitlichen Betreuung der Flüchtlinge überfordert seien.

Kleebank sprach von Masern und Windpocken, aber auch von Tuberkulose und Kinderlähmung, die durch syrische Flüchtlinge eingeschleppt werden könnte. Wenn sich nichts ändere, sei der Gesundheitsschutz für die Bevölkerung gefährdet. Die Senatsgesundheitsverwaltung geht derzeit von keiner konkreten Gefahr für die Berliner aus. Mitte Februar soll ein Gespräch mit Bezirken und Lageso über die hygienische und gesundheitliche Lage von Flüchtlingen in Berlin stattfinden. Spandau ist besonders belastet, weil im Bezirk zwei große Erstaufnahmeheime stehen. Dort ist die Fluktuation besonders groß.

Ämter mit Unterbringung der Flüchtlinge überlastet

Auch in Lichtenberg gibt es eine Erstaufnahmeeinrichtung mit 350 Plätzen, die zurzeit von 361 Menschen belegt sind. Das Gesundheitsamt in diesem Bezirk kann nach den Worten seiner Leiterin Elvers-Schreiber mit seinem Personal eine Impfung aller Flüchtlinge nicht gewährleisten. Zumal derzeit die Einschulungsuntersuchungen für die künftigen Erstklässler liefen. Sie habe eine Ärztin als Honorarkraft angeheuert und einen niedergelassenen Arzt für die Impfungen gewonnen, sagte die Chefin des Gesundheitsamts. „Es gelingt nur mit zusätzlichem Personal“, bestätigte sie die Aussagen des Spandauer Bürgermeisters.

Lageso-Präsident Franz Allert sagte, er nehme die Hinweise aus dem Spandauer Brief sehr ernst. Er wies aber darauf hin, dass es auch früher Ausbrüche von Masern oder Windpocken gegeben habe, und zwar nicht nur in Flüchtlingsheimen, sondern auch in Kitas und Schulen. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass viele Menschen sich und ihre Kinder nicht mehr impfen ließen.

Das Lageso, das für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, kennt die Nöte einiger Bezirke, die besonders viele Flüchtlinge betreuen müssen. Deswegen sei es nötig, die Asylbewerber besser zu verteilen. Die bisher wenig geforderten Bezirke Neukölln, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf sollen stärker beteiligt werden am Aufbau der 2800 zusätzlichen Plätze, die der Gesundheitssenator vorsieht. Nach Stand vom 7. Januar bietet Berlin laut Lageso 8046 Plätze für Flüchtlinge, registriert sind aber 8181. Einige Einrichtungen sind überfüllt, viele Asylbewerber wohnen in Hostels.