Graffiti & Co.

BVG kämpft mit Blümchenmustern gegen Vandalismus

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Thomas Fülling

Foto: Massimo Rodari

Immer mehr Farbschmierereien an Fliesen und Kacheln, die landeseigenen Verkehrsbetriebe kommen mit dem Reinigen nicht mehr nach. Nun klebt die BVG den ersten Bahnhof mit Blümchenfolie zu.

Mit Schutzfolien versuchen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Folgen von Vandalismus wenigstens einzudämmen. Das Verfahren hat das landeseigene Verkehrsunternehmen jetzt erstmals am Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park an der U-Bahn-Linie 2 (Pankow–Ruhleben) versuchsweise angewandt. Dunkle Folien mit Blümchenmuster sollen die vielen Farbschmierereien an den Bahnhofswänden überdecken. Das besondere Problem der Station in der Nähe des Potsdamer Platzes: Die Wandfliesen sind aus Naturstein, wegen dessen poröser Oberfläche dringen die Farbpigmente besonders tief ein.

„Die Schmierereien lassen sich mit normalen Mitteln nicht beseitigen“, räumte BVG-Sprecherin Petra Reetz ein. Für neue Fliesen hat die BVG kein Geld. „Der Bahnhof wurde erst 1998 eröffnet, andere Bahnhöfe stehen weiter oben auf unserer Renovierungsliste“, so Reetz. Auch bei anderen verunstalteten Stationen könnten Blümchenfolien zum Einsatz kommen, etwa am U-Bahnhof Pankow. „Eine Entscheidung darüber ist aber noch nicht getroffen“, sagte die BVG-Sprecherin.

Erfahrungen mit Anti-Scratching-Folie

Mit Schutzfolien hat die BVG bereits gute Erfahrungen im Kampf gegen den Vandalismus gesammelt. Um das ständige Zerkratzen der Scheiben – das sogenannte Scratching – zu verhindern, sind seit etwa drei Jahren die Fenster der U-Bahn-Wagen mit einer durchsichtigen Folie beklebt, auf der das Brandenburger Tor vielfach aufgedruckt ist. Fahrgastvertreter beschwerten sich zwar über die eingeschränkte Sicht. So könnten Reisende schlechter als zuvor erkennen, an welchem Bahnhof der Zug gerade hält. Durchaus ein Manko, zudem der Stationsname bei der U-Bahn anders als bei der S-Bahn und der Straßenbahn nicht innerhalb des Wagens optisch angezeigt, sondern nur durchgesagt wird.

Die BVG konstatierte durch den Folieneinsatz jedoch einen deutlichen Rückgang an zerkratzten Scheiben und hält an dem Verfahren fest. Zur Beseitigung von Vandalismusschäden in Fahrzeugen und Haltestellen muss das landeseigene Verkehrsunternehmen jedes Jahr rund sieben Millionen Euro aufwenden. Mit diesem Geld könnte die BVG sieben neue Aufzügen in ihren Bahnhöfen einbauen lassen.

Zum Schutz von Bahnhofswänden setzt die BVG indes auch auf andere Methoden. So wurden bei der Sanierung von Stationen an der U5 (Hönow–Alexanderplatz) Fliesen durch emaillierte Bleche ersetzt. Deren Oberflächen lassen sich am besten und kostengünstigsten von Graffitischmierereien befreien.