Die vor zwei Monaten weitgehend eingestellten Arbeiten an der sogenannten Kanzler-U-Bahn werden in Kürze wieder aufgenommen. Das ist das Ergebnis eines Krisentreffens zwischen der BVG-Chefin Sigrid Nikutta und dem Vorstandsvorsitzenden des Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, am Freitag.

Allerdings ist der Zeitverzug bei dem nach dem Flughafen BER zweitwichtigsten Infrastrukturprojekt der Stadt bereits auf mehr als ein halbes Jahr angewachsen. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), die das 525 Millionen Euro teure Großprojekt im Auftrag des Senats realisieren, ist man dennoch optimistisch, den für Herbst 2019 geplanten Eröffnungstermin für die U-Bahn-Strecke der verlängerten Linie 5 durch Berlins historische Mitte halten zu können.

Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz haben sich die BVG und Bilfinger am Freitag auf eine rasche Wiederaufnahme der wegen erheblicher Grundwasserprobleme unterbrochenen Arbeiten an der Tunnelröhre zwischen Rotem Rathaus und Brandenburger Tor geeinigt. Danach soll am 27. Januar damit begonnen werden, in die bis zu 40 Meter tiefe Baugrube für den künftigen U-Bahnhof Museumsinsel eine Betonsohle einzubauen. Ende März, spätestens Anfang April soll die Tunnelvortriebsmaschine „Bärlinde“ ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Erhebliche Probleme mit dem Grundwasser

Das Graben für die unterirdischen Betonröhren war Ende Oktober 2012 gestoppt worden, weil es im Bereich der Baugrube für die neue U-Bahn-Station erhebliche Probleme mit dem Grundwasser gibt. Der Bahnhof Museumsinsel soll – teilweise unter dem Kupfergraben liegend – zwischen Schloßplatz und Zeughaus entstehen. Dem Baukonzern Bilfinger, der die beiden Tunnelröhren für die U-Bahn und zwei neue Bahnhöfe im Rohbau erstellt, war ein Weiterbau unter diesen Bedingungen zu riskant.

BVG und Bilfinger beauftragten daraufhin zur Gefahreneinschätzung unabhängig voneinander zwei Sachverständige. Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz haben beide Gutachter jetzt grünes Licht für einen Weiterbau der Kanzler-U-Bahn gegeben. „Das ist eine richtig gute Nachricht“, sagte Reetz am Freitag. Nach Ansicht der Gutachter sei die gewählte Bauweise die richtige, die Stabilität der Schlitzwände für die Baugrube werde als ausreichend eingeschätzt. Auch der durch den hohen Grundwasserstand bedingte vergleichsweise starke Zufluss in die Baugrube liege nach Einschätzung der beiden Experten in einem vertretbaren Bereich. Ein Weiterbau sei daher möglich.

Betrieb soll im Herbst 2019 aufgenommen werden

Dass die Tunnelvortriebsmaschine frühestens Ende März wieder zum Einsatz kommen kann, hängt laut der BVG-Sprecherin mit den vorher notwendigen technologischen Schritten zusammen. „Zunächst muss auf der gesamten Fläche der Baugrube ein Aussteifungsgerüst aus Stahl eingebaut werden, dann erst wird betoniert“, so Reetz. Anschließend müsse der Beton aushärten, bevor die Tunnelbohrmaschine durch die Baugrube für den Bahnhof fahren kann. Seit Baubeginn im Juni 2012 hat „Bärlinde“ erst 427 Meter bis unter den Schlossplatz zurückgelegt. Insgesamt ist die Strecke bis zum Bahnhof Brandenburger Tor jedoch rund 1600 Meter lang. Nach dem bisherigen Stand der Bauplanung soll die Bohrmaschine die Strecke bis Ende 2014 für die beiden geplanten Tunnelröhren sogar zweimal zurücklegen. Dieser Termin ist nach Einschätzung von Experten nicht mehr zu halten.

Bei der BVG hofft man dennoch, dass der Betrieb auf der verlängerten U-Bahn-Linie 5 wie vorgesehen im Herbst 2019 aufgenommen werden kann. Dies soll unter anderem durch eine Umorganisation der Bauabläufe erreicht werden.