Unis und Schulen

Berlin investiert 455 Millionen Euro in Bildungsbauten

Im Doppelhaushalt stehen rund 455 Millionen Euro für Berlins Lehranstalten zur Verfügung. Auch Projekte, die aus Kostengründen immer wieder aufgeschoben wurden, sollen jetzt endlich angegangen werden.

Foto: Ernst Busch Schule / Ernst Busch Schule/ O&O Baukunst

Marode Schulen, fehlende Kitas und überfüllte Hörsäle: Der Investitionsbedarf in Berliner Bildungsbauten ist bekanntermaßen groß. Doch wenn tatsächlich alle im Doppelhaushalt 2014/2015 eingestellten Finanzmittel auch ausgegeben werden, können viele undichte Dächer und leckende Leitungsrohre schon bald der Vergangenheit angehören: Nach Auskunft von Bausenator Michael Müller (SPD) stehen insgesamt rund 455 Millionen Euro für Berlins Lehranstalten zur Verfügung. Auch Projekte, die aus Kostengründen seit Jahren immer wieder aufgeschoben wurden, sollen jetzt endlich angegangen werden.

Sarrazin stoppte Planungen aus Kostengründen

Prominentestes Beispiel: „2014 werden wir mit dem Neubau der Schauspielschule Ernst Busch beginnen“, versprach Müller. Im Herbst vergangenen Jahres hatten das Land Berlin und der Bund nach langen Verhandlungen einen Vertrag zum Bau der Schauspielschule an der Chaussee- Ecke Zinnowitzer Straße in Mitte geschlossen: Demnach zahlt Berlin knapp 34 Millionen Euro, der Bund übernimmt 850.000 Euro. Mit dem neuen Gebäude im ehemaligen Werkstattgebäude der Staatsoper Unter den Linden entsteht für die Schauspielschule ein neuer zentraler Campus. Damit soll das seit nunmehr zwei Jahrzehnten andauernde Provisorium der auf vier Standorte verteilten Hochschule, die von Stars wie Nina Hoss, Corinna Harfouch, Devid Striesow oder Henry Hübchen absolviert wurde, endlich beendet werden. Das Hauptgebäude in Niederschöneweide ist ohnehin längst marode. Doch 2006/2007 stoppte der damaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin aus Kostengründen die Planungen.

Erst 2011 wurde das Verfahren dann erneut gestartet. Das Berliner Büro Ortner & Ortner gewann den Wettbewerb für den Um- und Neubau der ehemaligen Opernwerkstätten zur Schauspielschule in Mitte. Zwischenzeitlich sah es aber so aus, als würde der Bau erneut verschoben. Hochschulstudenten hatten deshalb 2012 aus Protest das Areal besetzt, in Zelten campiert und dort ihre Seminare abgehalten. „Die Bauarbeiten starten im Juni, und wir rechnen mit einer Bauzeit von 30 Monaten“, sagte Müller jetzt. Damit könnte der neue Campus 2017 tatsächlich bezogen werden.

Ein großzügiger Freizeitbereich

2012 fiel auch die Entscheidung im Wettbewerb um den Neubau des neuen Oberstufenzentrums für Chemie, Physik und Biologie, Lise Meitner. Dieses soll nun in diesem Jahr nach dem Entwurf des Berliner Büros Numrich, Albrecht, Klumpp in unmittelbarer Nähe zur heutigen Lise-Meitner-Schule in Neukölln errichtet werden. Es entstehen knapp 190 Labor-, Übungs-, Unterrichts- und Funktionsräume um einen Innenhof sowie eine Mensa und ein großzügiger Freizeit- und Aufenthaltsbereich im Erdgeschoss.

Auch eine Sporthalle sowie Sport- und Freizeitflächen im Außenbereich, Open-Air-Klassenräume und ein Biotop für naturwissenschaftliche Untersuchungen sind vorgesehen. Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben des Senators auf knapp 53 Millionen Euro. Die Ausschreibung starte im März, und der Baubeginn solle spätestens im November erfolgen, so Müller weiter.

Die 455 Millionen Euro, die insgesamt für die Bildungsbauten zur Verfügung stehen, speisen sich aus unterschiedlichen Töpfen: Über die verschiedenen Programme der Städtebauförderung des Bundes wie Soziale Stadt, Stadtumbau Ost und Stadtumbau West stehen laut Müller 71 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen der Senat nicht nur Problemkieze, sondern auch marode Bildungseinrichtungen vor dem Verfall bewahren soll. Dazu kommen ein 384 Millionen Euro schweres Investitionsvolumen, das Berlin für Hochbaumaßnahmen bereitstellt.

Mobile Klassenzimmer an sieben Standorten

Unter diese Definition fallen allerdings auch sogenannte mobile Klassenzimmer. So sollen 2014 an sieben Standorten der Stadt Schulcontainer aufgebaut werden (rund 21 Millionen Euro). In Bezirken mit stark wachsender Einwohnerzahl wie beispielsweise in vielen Gebieten Pankows sollen sie die Platznot schneller lindern, als dies durch Baumaßnahmen, die von der ersten Planung bis zur Fertigstellung mindestens drei Jahre dauern, möglich wäre.

Auch der Neubau der Poelchau-Oberschule in Charlottenburg steht auf der Liste. Die Eliteschule des Sports will ihr altes, marodes Gebäude, das zuletzt im Dezember für Schlagzeilen sorgte, weil eine Fensterscheibe ins Klassenzimmer stürzte, schon lange verlassen. Der Neubau auf dem Gelände des Olympiaparks wurde im November begonnen. 2015 sollen die 500 Schüler umziehen.

Auch der Sanierungsstau an den Universitäten soll abgebaut werden. Das Institut für Chemie der Freien Universität in Dahlem soll nach langem Aufschub endlich saniert werden, und die Beuth-Hochschule in Wedding, bei der die energetische Sanierung der Fassade im November begonnen hat, soll ab April mit neuen Dächern und Fluchttreppenhäusern ausgestattet werden (13,5 Millionen Euro).