Kreuzberg

30 Menschen erinnern an erschossenen Burak B.

Mit einer Mahnwache haben am Sonntag Menschen an den Tod eines 22-Jährigen erinnert, der vor knapp zwei Jahren in Neukölln erschossen worden war. Sie glauben an einen rassistischen Hintergrund.

Foto: Steffen Pletl

Mit einer Mahnwache am Kottbusser Tor in Kreuzberg ist am Sonntagnachmittag an den Tod von Burak B. erinnert worden. Der 22-Jährige war vor knapp zwei Jahren vor einem Krankenhaus in Neukölln erschossen worden. Mit der Veranstaltung wollte die "Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B." darauf aufmerksam machen, dass der Fall nach wie vor nicht aufgeklärt ist. Fragen stehen wie "Was war das Motiv?" oder "Warum interessiert sich die Öffentlichkeit kaum?" standen auf den Transparenten, die die rund 30 Teilnehmer mitbrachten.

Die Initiatoren der Mahnwache vermuten, dass der Mord einen rassistischen Hintergrund gehabt haben könnte und Burak B. als "Todesopfer rechter Gewalt" einzuordnen sei. Die Ermittlungen müssten in diese Richtung vorangetrieben werden, forderte Helga Seyb von der Initiative am Sonntag.

Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte der Berliner Morgenpost, dass es trotz intensiver Ermittlungsarbeit keine neuen Ergebnisse gebe. Burak B. war am 5. April 2012 erschossen worden. 15.000 Euro Belohnung sind für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, in Aussicht gestellt worden. Doch bislang gibt es keine heiße Spur.

Unbekannter eröffnet das Feuer auf die Gruppe

Milek und Ahmet, die Eltern des getöteten jungen Mannes, wollen endlich wissen, wer ihnen den Sohn genommen hat. Und warum. Ihr ältester Sohn Burak war an dem besagten Tag mit vier Freunden unterwegs. Seine Eltern kennen die Freunde, es seien gute Jungs, versichern sie, unterschiedlichster Herkunft. Sie stammen aus der Türkei, aus Arabien und Russland.

Zunächst feiern die jungen Männer gemeinsam in einem Klub, danach sitzen sie noch auf einem Geländer an der Rudower Straße, direkt vor dem Krankenhaus Neukölln. Sie unterhalten sich, vielleicht sind sie etwas zu laut, von Grölerei könne aber keine Rede gewesen sein, wie Anwohner später berichten. Kurz nach ein Uhr taucht plötzlich ein Unbekannter auf und eröffnet unvermittelt das Feuer auf die Gruppe. Zuerst fallen drei Schüsse, dann noch einmal zwei. Burak B. liegt sterbend auf der Fahrbahn, seine beiden Freunde auf dem Gehweg. Ein Augenzeuge wird später bei der Polizei von einer regelrechten Hinrichtung sprechen. Burak kommt sofort in das gegenüberliegende Krankenhaus. Dort stirbt der 22-Jährige kurz darauf noch auf dem Operationstisch.

In einer groß angelegten Aktion hatte die Polizei auch noch Wochen nach der Tat die Anwohner des angrenzenden Wohngebietes nach Hinweisen auf den möglichen Täter befragt. Wenige Tage nach der Tat hatten Hunderte Berliner bei einer Demonstration durch den Bezirk des Ermordeten gedacht. Noch heute erinnern an der Rudower Straße vis à vis der Einfahrt zum Vivantes-Klinikum Blumen, Bilder und Texte an den ungeklärten Mordfall.

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