Wenige Tage ist es her, dass Charité-Chef Karl Max Einhäupl eine engere Zusammenarbeit zwischen dem renommierten Universitätsklinikum und dem nicht weniger anerkannten Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) angekündigt hatte. Nun steht für diese Kooperation auch eine Personalie im Raum: Der deutsche Herzchirurg Volkmar Falk soll voraussichtlich vom Universitätsspital Zürich als Professor an die Charité wechseln. Zugleich ist er als Nachfolger von Roland Hetzer als Leiter des Herzzentrums im Gespräch. Hetzer wird am 17. Januar 70 Jahre alt und scheidet deshalb aus seinem Amt.
Bestätigen will man die Personalie zwar weder bei der Charité noch im DHZB. Dass Berufungsverhandlungen laufen, ist allerdings unbestritten. Falks schon früher durchgesickerte Bewerbung nach Berlin bestätigte der Tagesanzeiger in Zürich im Herbst 2013 und nannte den Posten als Leiter des Herzzentrums einen „der prestigeträchtigsten im deutschsprachigen Raum“. „Es ist noch gar nichts spruchreif, auch nicht, was die Kooperation angeht“, sagte dagegen Charité-Sprecher Uwe Dolderer am Mittwoch. Über mögliche Formen der Zusammenarbeit werde derzeit noch nachgedacht. Von der Berliner Politik wurde stets die Zusammenarbeit zwischen der Charité und dem Klinikkonzern Vivantes gelobt. Beide Einrichtungen unterhalten ein gemeinsames Labor und haben ihren Einkauf zusammengefasst. Das brachte jährliche Einsparungen von über 35 Millionen Euro.
Über die Berufung Volkmar Falks müsste in letzter Konsequenz Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) entscheiden. Der Vorstandsvorsitzende der Charité Einhäupl hatte im Interview erklärt, wenn der „hervorragende Kandidat“ für den Doppelposten gewonnen werden könne, sei das „für Berlin und die gesamte Herzmedizin ein großer Schritt nach vorn“. Der 48-jährige Falk bringt für die avisierte Aufgabe tatsächliche beste Voraussetzungen mit. Seit 2009 lehrt er an der Universität Zürich und leitet dort parallel die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitätsspitals.
Möglicher Hetzer-Nachfolger Falk gilt als anerkannter Spezialist
Als Experte von internationalem Ruf gilt er insbesondere auf dem Gebiet der minimal-invasiven Herzchirurgie sowie bei kathetergestützten operativen Verfahren. Zu seinen Spezialgebieten zählt zudem Robotik im Operationssaal. Studiert hatte Falk in Bonn, die Promotion legte er in Göttingen ab. Er absolvierte Auslandsaufenthalte an Kliniken in London, Paris und Stanford in Kalifornien, wo er an der Universität auch über robotergesteuerte Operationsverfahren forschte. Vor der Berufung in die Schweiz arbeitete er am Herzzentrum in Leipzig. Bereits in Zürich hatte sich Volkmar Falk für eine enge fachliche wie institutionelle Zusammenarbeit zwischen der universitären Medizin in Zürich sowie verschiedenen Schweizer Spezialkliniken eingesetzt.
Reputation wird ein künftiger Leiter des Berliner Herzzentrums dringend benötigen. Denn Roland Hetzer, gern als „König der Herzen“ tituliert, hinterlässt große Fußstapfen. 1986 hatte er das DHZB aufgebaut und als Ärztlicher Direktor dessen Weltruf begründet. Das Zentrum ist als eines der größten Transplantationszentren für Herz und Lunge sowie für Kunstherzen bekannt. Jährlich werden hier allein mehr als 2500 Operationen am offenen Herzen durchgeführt. 2001 zählte der ehemalige russische Präsident Boris Jelzin zu Hetzers Patienten. Vorreiter ist die Klinik auch bei der Operation angeborener Herzfehler unter anderem bei Säuglingen und Kindern.
DHZB verabschiedet sich mit internationalem Symposium von Hetzer
Das Herzzentrum ist auf dem Campus des Rudolf-Virchow-Klinikums in Wedding angesiedelt, das zur Charité gehört. Eine engere Zusammenarbeit scheint somit durchaus naheliegend. Als Schwierigkeit hatte der Charité-Vorstandsvorsitzende allerdings die unterschiedliche Gesellschaftsform der beiden Institutionen benannt. So ist die Charité eine Körperschaft Öffentlichen Rechts. Das Herzzentrum wird als Stiftung geführt und beschäftigt 1200 Mitarbeiter. Gegenüber Europas größter Uniklinik mit 13.000 Mitarbeitern, 3200 Betten und 7000 Studenten ist es somit fast ein Zwerg – wenn auch ein international anerkannter.
Von Roland Hetzer, der das Haus insgesamt 28 Jahre leitete, verabschiedet sich das DHZB unter anderem mit einem internationalen Symposium über angeborene Herzfehler am 18. und 19. Januar in Mitte.





