Das Universitätsklinikum Charité und das Deutsche Herzzentrum Berlin wollen künftig enger kooperieren. Das hat der Charité-Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl im Gespräch mit der Berliner Morgenpost angekündigt. „Wir führen intensive Gespräche. Es ist vernünftig, wenn Charité und Herzzentrum mehr zusammenarbeiten“, sagte Einhäupl. Rahmen und Intensität der Kooperation seien zwar noch nicht geklärt und Gegenstand von Verhandlungen, der Wille auf beiden Seiten sei aber uneingeschränkt vorhanden.
Es gibt auch bereits gemeinsame Aktivitäten. „Wir berufen zurzeit gemeinsam einen Leiter der Herzchirurgie“, teilte Einhäupl mit. Der berufene Kandidat verhandele jetzt mit beiden Institutionen. „Er wird Professor der Charité sein und seine medizinische Funktion am Herzzentrum wahrnehmen. Wenn wir diesen hervorragenden Kandidaten bekommen können, ist das für Berlin und die gesamte Herzmedizin ein großer Schritt nach vorne“, so der Charité-Chef.
Darüber hinaus würden zwei weitere Kardiologen berufen. Der Prozess der intensiveren Zusammenarbeit sei allerdings nicht einfach, denn das Herzzentrum sei eine Stiftung, die Charité eine Körperschaft öffentlichen Rechts. „Das erschwert viele Dinge. Wir sind aber gerade dabei, die Probleme zu erfassen und zu durchleuchten.“
Das Deutsche Herzzentrum Berlin wurde 1986 eröffnet. Unter Leitung seines Ärztlichen Direktors, des Herzchirurgen und Transplantationsspezialisten Roland Hetzer, erreichte die Klinik internationale Geltung als Behandlungszentrum für Herz-, Lungen- und Gefäßerkrankungen. Pro Jahr werden dort in neun OP-Sälen mehr als 2500 Operationen am offenen Herzen und 2000 weitere Herz- und Gefäßoperationen durchgeführt. Hetzer wird am 17. Januar 70 Jahre alt und will einem Jüngeren Platz machen.
Standort des Herzzentrums ist der Campus Virchow-Klinikum der Charité, was natürlich die Zusammenarbeit erleichtert. Im Vergleich zum Uni-Klinikum ist es mit fast 1200 Mitarbeitern klein. Die rund 160 Betten sind allerdings stets ausgelastet, zu den Patienten aus aller Welt zählte auch der frühere russische Präsident Boris Jelzin. Zum Vergleich: Mit 13.000 Mitarbeitern, 3200 Betten und 7000 Studenten ist die Charité das größte Uni-Klinikum Europas.
Im Mittelpunkt der Infrastrukturprojekte an der Charité steht derzeit die Sanierung und Modernisierung des Bettenhochhauses am Standort Mitte. Eigentlich sollte bis Jahresende 2013 mit den Arbeiten begonnen werden, doch Probleme bei der Ausschreibung des Bauvorhabens haben den Start verzögert. Der soll nun in diesem Monat erfolgen, die Mittel für die Sanierung des markanten Turms wurden vom Senat um 17,5 Millionen auf 202,5 Millionen Euro aufgestockt. „Wir haben derzeit keinerlei Indizien dafür, dass wir damit nicht zurechtkommen“, sagte Einhäupl.
Allerdings berge jedes Bauprojekt Risiken. Die Charité habe aber durchaus gezeigt, dass sie realistisch planen könne. Sowohl beim Bau des Lehr- und Forschungszentrums Charité Cross-Over als auch beim Laborgebäude, das Teil der Kooperation mit dem landeseigenen Klinikkonzern Vivantes ist, seien die Finanzpläne eingehalten worden. Einhäupl widersprach damit Vorwürfen, das Uni-Klinikum könne nicht wirtschaften, wie sie auch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) erhoben hatte.
Am Charité-Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz wird ebenfalls gebaut. Die Sanierung der Versorgungsstränge ist dort weitgehend abgeschlossen, mit der Generalüberholung der zehn OP-Säle wurde bereits begonnen. Sie soll etwa zwei Jahre dauern. Noch nicht terminiert und auch noch nicht finanziert ist ein weiteres Großprojekt der Charité: Am Standort Rudolf Virchow in Wedding sollen die chirurgische und die internistische Rettungsstelle konzentriert sowie Intensivstationen zusammengefasst werden. „Das würde Wege verkürzen und erhebliche Einsparungen bringen“, sagte Einhäupl.




