Ab dem kommenden Herbst soll in Berlin der erste Jahrgang eines neuen Ausbildungsberufs starten: Voraussichtlich 40 Auszubildende im Jahr sollen künftig zum Notfallsanitäter geschult werden. Das sagten Landesbranddirektor Wilfried Gräfling und der Ärztliche Leiter Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr, Stefan Poloczek, der Berliner Morgenpost. Der Notfallsanitäter soll mehr Kompetenzen erhalten und viele Notarzteinsätze überflüssig machen.
Der neue Ausbildungsberuf wird nach und nach einen anderen ersetzen, denn die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Rettungsassistenten zu machen, läuft Ende 2014 aus. Hintergrund für die Umstellung, die tiefgreifende Auswirkungen auf den Rettungsdienst haben wird, ist ein neues Bundesgesetz, das mit dem neuen Jahr deutschlandweit in Kraft getreten ist. Mit dem neuen Notfallsanitätergesetz soll laut Bundesgesundheitsministerium der Beruf inhaltlich aufgewertet und modernisiert werden. Das bisher geltende Rettungsassistentengesetz stammt aus dem Jahr 1989.
Sogenannte Notkompetenz wird zur Regel
Das neue Bundesgesetz beschreibt nun nicht nur neue Aufgaben für die künftigen Notfallsanitäter, es erweitert damit auch die Ausbildung deutlich. Wurden die Auszubildenden bisher in zwei Jahren zum Rettungssanitäter geschult, dauert die Ausbildung zum Notfallsanitäter drei Jahre. Die Ausbildung sei im Aufbau nun viel stärker an anderen Berufen der Gesundheitsbranche wie der Krankenpflege angelehnt, sagte Landesbranddirektor Gräfling.
Rettungsassistenten dürfen bei einem Einsatz bestimmte Maßnahmen nur in Ausnahmesituationen selbst ergreifen: Nur wenn es keine andere Möglichkeit gibt, darf ein Rettungsassistent etwa einen Zugang für Medikamente beim Patienten legen. Diese sogenannte Notkompetenz wird jetzt durch die „Regelkompetenz“ des Notfallsanitäters ersetzt: Er muss solche invasiven Eingriffe selbst erledigen. „Bisher hatte der Rettungsassistent immer die Schwierigkeit zu entscheiden, ob er eine Maßnahme durchführt, um Leben zu retten, obwohl er den Eingriff eigentlich nicht machen darf“, erklärte Stefan Poloczek.
Feuerwehr verspricht sich weniger Notarzteinsätze
Eine Reihe von Maßnahmen, für die bisher ein Notarzt hinzugezogen werden musste, soll ohne ihn erledigt werden können. „Wir können künftig mit der Ressource Notarzt besser umgehen, wenn wir die Notfallsanitäter gut einsetzen“, sagte Landesbranddirektor Gräfling, in dessen Zuständigkeit auch der Rettungsdienst der Feuerwehr fällt. „Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Folgen für die Zahl der Rettungseinsätze ist das sehr wichtig“, so Gräfling.
Im Jahr 2012 zählte die Feuerwehr in der Hauptstadt mehr als 292.000 Rettungseinsätze, allein zum Vorjahr war das ein Plus von rund 5000. 18 Notarztfahrzeuge und zwei Rettungshubschrauber mit Notärzten sind derzeit in Berlin im Einsatz. Ein Rettungswagen ist bisher in der Regel mit einem Rettungssanitäter, meist als Fahrer, und einem Rettungsassistenten besetzt. Notärzte werden zusätzlich alarmiert. Die Kritik, das neue Notfallsanitätergesetz diene dazu, künftig Notarztstellen abzubauen, wiesen Gräfling und Poloczek zurück. „Wir werden Notärzte weiterhin für Einsätze brauchen“, sagte Poloczek. Nur gezielter als bisher.





