Vandalismus

Kita in Berlin-Marzahn verwüstet - Zukunft ungewiss

Zertrümmerte Möbel, durchnässte Wände: Randalierer haben in der Silvesternacht Räume einer Kita in Marzahn verwüstet. Noch ist nicht klar, wie stark die Schäden an dem Gebäude wirklich sind.

Foto: Steffen Pletl

Am Abend, als Anke Ulbricht, die Chefin der Kita im Vereinshaus „Kiek in“ in Marzahn, noch einmal den Tag durchgeht, fällt ihr Jasminchen ein. Jasminchen, die Sechsjährige, wurde gerade erst eingeschult, das Mädchen hatte ihre ersten Jahre hier in der Kita verbracht: von den ganz Kleinen (Bereich „Kaspar“) über die Drei- bis Vierjährigen (Bereich „Frösche und Schmetterlinge“) bis hin zu den „Bären“, denen, die „schon groß“ sind. „Jasminchen wurde von der Mutter mit dem Brüderchen mitgebracht, der jetzt hier in die Kita geht“, sagt Anke Ulbricht, „und da stand Jasminchen hier im ersten Stock und weinte.“ Überall sei Chaos gewesen, und gestunken habe es. „Doch dann hat jemand von uns das Kind an die Hand genommen und gesagt, dass alles bald wieder sauber und in Ordnung kommen werde. „Du wirst sehen, wir machen das wieder schön.“

Wände sind stark angegriffen

In der Nacht zu Neujahr wurde in der Kita mitten in Marzahn eingebrochen, mehrere Teile des Gebäudes wurden verwüstet. Ein düsteres Datum in der Vereinsgeschichte von „Kiek In“: Am 7. Dezember 1992 wurde der Verein gegründet, am 30. August 2008 wurde die Kita feierlich eröffnet, und am 31. Dezember 2013 wurde das Gebäude so überflutet, dass es nicht klar ist, ob es jemals wieder in Ordnung kommt.

Das Wasser stand mehrere Zentimeter hoch in mehreren Etagen des Kindergartens, die Wände sind stark angegriffen, die Böden durchweicht. Vor allem der Bereich der Jüngsten, der Bereich „Kaspar“, ist so stark zerstört, dass die Kinder in den kommenden Wochen zunächst umziehen werden müssen. Am 2. und 3. Januar konnten die Kinder zunächst in der anderen Zweigstelle in der Dessauer Straße untergebracht werden.

Freiwillige richten Kita provisorisch wieder her

Birke Stahl ist jemand, den so schnell nichts erschüttern kann. Die 38 Jahre alte Bereichsleiterin Kinder- und Jugendhilfe im „Kiek in“ läuft am 3. Januar energisch durch die verschiedenen Bereiche, kennt die freiwilligen Helfer alle persönlich. Mehrere Damen vom Verein „Vision“ kratzen die Tapete von den Wänden („Das geht aber schwer von der Wand!“), ein Elektriker-Vater kümmert sich darum, dass die Kabel sicher sind („Hallo, Frau Stahl, das wird wieder!“), und ein Papa eines Kita-Kindes leitet ein Umzugsunternehmen und konnte mit starken Händen zupacken.

Birke Stahl kann schon wieder lächeln. „Den rund 40 freiwilligen Helfern ist es zu verdanken, dass wir jetzt schon so weit sind, am Montag wieder provisorisch die Kita öffnen zu können.“ Das sei am 1. Januar, morgens zwischen 2 und 3 Uhr, noch nicht absehbar gewesen. Da nämlich schlug das Mobiltelefon des Hausmeisters Frank Schwarz Alarm. Es hatte offenbar einen Kurzschluss gegeben.

Noch keine Spur von den Tätern

Kurz nach Silvester also ging der 54 Jahre alte Mann nach dem Rechten sehen und fand ein verwüstetes Haus vor. „Der Schaden war schon wirklich schlimm“, sagt er, „ich hätte eigentlich einen Regenschirm gebraucht.“ Er erzählt von dem Gestank von verschüttetem Joghurt und Quark, der an die Wand geschmiert und mit Feuerlösch-Pulver besprüht wurde. Laut Carsten Müller von der Berliner Polizei wurden inzwischen Ermittlungsverfahren wegen Einbruchs, Vandalismus und Hausfriedensbruchs eingeleitet. Bislang gebe es aber noch keine Spur zu den Tätern, auch Zeugen haben sich noch nicht gemeldet. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Abgetretene Wasserhähne

Doch erste Erkenntnisse der Polizei haben ergeben, dass die Täter offenbar durch zwei Küchenfenster in den zweiten Etagen einstiegen. Sie traten die Wasserhähne in den Waschräumen ab, stellten die Duschen an und legten die Brause neben die Duschkabinen. Erst eine weitere Untersuchung am Mittwoch wird zeigen, ob das Haus durch die Nässe noch stärkere Schäden davongetragen hat, die eventuell nicht reparabel sind.

Gabriele Geißler, 51, Geschäftsführerin von „Kiek in“, berief am 1. Januar eine Krisensitzung ein. „Das war ein Anschlag auf den Kita-Betrieb“, sagt sie. Bereits im Jahr 2009 habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben. „Danach hatten wir die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, leider hat dies offenbar nicht ausgereicht.“ Sie spricht von einem Schaden, der wahrscheinlich in sechstelliger Höhe liegen wird.

Gabriele Geißlers Mann und auch ihr Sohn, dessen Sohn wiederum diese Kita besucht, packten mit an – wie viele andere Eltern und Angehörige.

Auch deshalb schaut Bereichsleiterin Birke Stahl nach vorn. „Ich möchte nur, dass die Täter gefasst werden“, sagt sie. Nicht nur, weil auch ihr Büro komplett verwüstet wurde, sondern weil dieser Anschlag gegen die Kleinsten ging. „Wer bitte zerstört denn mutwillig einen Kuschel- und Bewegungs-Raum?“

>> Berliner helfen e.V., der Verein der Berliner Morgenpost, wird die Kita unterstützen

Foto: Steffen Pletl