Für den ersten Termin gibt er alles. Frank Ketterer hat den „Vollbart“ abrasiert, „Givenchy Gentleman“ auf- und einen seiner acht Anzüge angelegt. Grinsend steht er eine knappe Stunde nach Verabredung in der Lobby seines neuen Arbeitsplatzes. Am Freitagmittag, mitten im Urlaub. Erst kommenden Donnerstag startet er hier.

Doch Frank Ketterer freut sich. Das dürfen, das sollen alle sehen. Schon vor Dienstantritt. „Was Besseres hätte mir doch gar nicht passieren können“, sagt der 45-Jährige. „Und ich durfte zwei Monate nichts verraten!“ Dann greift er seinen Mantel und läuft zwei Schritte Richtung Fahrstuhl. Ob man zuerst in die Suite wolle? Er hält an. Oder doch lieber in die Bar? Er schaut zurück. „Ach, die Bar“, sagt er, „die kenne ich noch von früher.“

Frank Ketterer wird am 2. Januar 2014 als neuer Direktor des „Esplanade Grand Hotels Berlin“ am Lützowufer in Berlin-Tiergarten beginnen. Er löst Jürgen Gangl ab, der sich nach sechs Jahren auf seine Aufgabe als Direktor des „Park Inn“ am Alexanderplatz sowie auf jene als Area Manager der Event Hotel-Gruppe („Westin Grand Berlin“, Mercure Potsdam“, „Park Inn Berlin“) konzentrieren möchte.

Bereits seit Frühjahr 2013 hatte es Gerüchte um den Wechsel gegeben, die Gangl stets pflichtgemäß kommentiert hatte: „Davon wüsste ich, ich bleibe.“ Und tatsächlich wurde der Vertrag von Frank Ketterer erst im November unterschrieben, nach Anfrage im Juli. „Ich habe ihn selbst eingestellt“, sagt Jürgen Gangl. „Für dieses Hotel braucht es einen Direktor, der sehr gut mit der Stadt vernetzt ist.“

Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen

Erst dieses Jahr hat das Esplanade sein Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen gefeiert. 2006 von der amerikanischen Unternehmensgruppe Blackstone übernommen, zum Lifestyle-Hotel umgestaltet und von den Event Hotels mit Sitz in Köln gemanagt läuft das Fünf-Sterne-Haus mit 354 Zimmern und 40 Suiten auf hohem Niveau. 75 Prozent Durchschnittsbelegung, rund 20 Millionen Euro Umsatz - das sind gute Zahlen für die Hotelstadt Berlin. Doch obwohl es regelmäßig Veranstaltungen wie die „Duftstars“, die „Ladies Time“ oder das Get together zur ITB bietet, hat es in den vergangenen Jahren an Position innerhalb Berlins verloren.

Die starke, neue Konkurrenz in der Bar-Szene Berlins sowie der Verlust des einstigen Sternerestaurants „Harlekin“ haben es mehr und mehr zu einem Geschäfts-Hotel für externe Gäste werden lassen. Und obwohl unter Jürgen Gangl wichtige Neuerungen vorgenommen wurden, konnte er sich nie einzig und voll auf das Haus am Lützowufer konzentrieren, wie er selbst sagt. „Frank Ketterer soll das Haus noch besser positionieren, noch mehr Marketing betreiben“, sagt Jürgen Gangl.

Ketterers Lieblingsplatz ist die Panorama-Suite

Frank Ketterer zeigt an diesem Tag zunächst den Lieblingsplatz in seinem neuen Haus. Den er schon bei seinem ersten Rundgang mit Gangl vor einem Monat ausgemacht hat. Die Panorama-Suite, siebter Stock, zwei Schlafzimmer, Kamin und Berlin-Blick. „Da brauche ich nur rüberschauen, zur KPMG, zur CDU - und schon fallen mir viele Kontakte ein, die man zum Haus knüpfen sollte“, sagt er. Und dass er in seinem Akazienkiez, aber auch insgesamt in Berlin viele Freunde mit guten Verbindungen, wie zu Mercedes, habe. „Und alle, die mich kennen, kennen mich als perfekten Gastgeber“, sagt Frank Ketterer.

Für den gebürtigen Reuschenberger (Neuss bei Düsseldorf) bedeutet der Wechsel nach neun Jahren im Hôtel Concorde Berlin, welches ab Februar 2014 von „Sofitel Luxury Hotels“ geführt werden wird, erstmals die Position des General Managers. Bei Carsten Colmorgen war er Stellvertreter im Concorde, mit Personalnummer eins, vom Tag der Eröffnung in 2005 dabei. „Seine fröhliche Art werden wir vermissen“, sagt sein Ex-Direktor.

Nach Stationen im „Savoy London“, mehreren „Dorint“-Hotels sowie dem „Ritz“ in Paris kam Ketterer 1999 nach Berlin. „Schweizerhof“, „Schlosshotel im Grunewald“ und Concorde folgten. Als sein Headhunter das Esplanade vorgeschlagen habe, habe er sofort ‚ja‘ gedacht, sagt er. In dem Haus, das für ihn Synonym des erstes Grand Hotels des Westens nach Mauerfall sei, wolle er nun für „Film, Mode, Fashion“ sorgen. Gespräche mit Designern anlässlich der bevorstehenden Fashion Week habe er schon geführt. „Mehr verrate ich aber nicht“, sagt Ketterer. Dann grinst er wieder. Er hält vor dem Kamin der Panorama-Suite an. Drei Speckstein-Schalen in mausgrau stehen sinnfrei verteilt davor, eine mit Blume, zwei verwaist. „Das hier müsste man anders arrangieren“, sagt Frank Ketterer. Dann beugt er sich hinunter, schiebt die Schalen zum Trio. „Feintuning. Aber wenn ich was mache, dann gebe ich alles.“