Brandenburg-Statistik

Autodiebe setzen gern auf das „doppelte Lottchen“

Die Anzahl der Autodiebstähle in Berlin und Brandenburg steigt. Die Polizei registriert außerdem deutlich mehr Diebstähle von Nummernschildern. Damit decken die Täter Zigarettenschmuggel.

Foto: Jens Schierenbeck / picture alliance / dpa Themendie

In Brandenburg ist die Zahl der Autodiebstähle auch im laufenden Jahr erneut gestiegen. Im ersten Halbjahr 2013 registrierte die Polizei 1900 Delikte, im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 1818. Das ergebe eine Steigerung von 4,3 Prozent, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Schwerpunkte des organisierten Autoklaus sind einem aktuellen polizeilichen Lagebild zufolge das südliche Berliner Umland, die Stadt Potsdam und die Grenzregion zu Polen.

Die meisten Autos wurden südlich von Berlin im Landkreis Dahme-Spree (221) gestohlen. Aber auch in der Landeshauptstadt Potsdam (191) und Frankfurt (167) schlugen die Diebe häufig zu. Setzt sich der Trend des ersten Halbjahres fort, sind in diesem Jahr mehr Fälle zu verzeichnen als im Vorjahr (2012: 3355). Die Zahl würde dann an die von vor zwei Jahren (2011: 3963) heranreichen.

Auch die Kennzeichen-Diebstähle nehmen laut Statistik weiter zu. Hier hat die Polizei im ersten Halbjahr 2013 knapp 1690 Fälle erfasst. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (2012: 1626) seien dies 3,8 Fälle mehr, so der Sprecher. Schwerpunkte seien die Kreise Barnim (195), Potsdam-Mittelmark (137) und Teltow-Fläming (143).

Kennzeichen baugleicher Fahrzeuge

Dabei stoßen die Ermittler immer wieder auf Dublettenkennzeichen: „An soeben gestohlenen Fahrzeugen werden die Kennzeichen baugleicher Fahrzeuge angebracht, um sich möglichst ohne Kontrolle bewegen und das Auto ins Ausland bringen zu können“, erklärte der Sprecher den Hintergrund. Um unverdächtig zu erscheinen, werden gerne Kennzeichen aus der Grenzregion an Wagen aus entfernten Orten gebracht.

Das „doppelte Lottchen“, wie die Masche heißt, wird laut Polizei auch gerne genutzt, um mit dem eigenen Fahrzeug Straftaten zu begehen. Der Zoll beobachtete, dass in Polen zugelassene Autos mit gestohlenen deutschen Kennzeichen genutzt werden, um unverzollte Zigaretten über die Grenze zu schmuggeln.

Ende Oktober konnte der Zoll so einen Fall aufklären: Ein Fahrer war auf der Autobahn 2 bei Potsdam von einem nahezu identischen Wagen überholt worden. Das fremde Auto sah nicht nur aus wie sein Wagen, sondern hatte auch das gleiche Kennzeichen. Der Fahrer rief die Polizei. Beamte lotsten das verdächtige Fahrzeug auf einen Rasthof und fanden mehr als 500.000 geschmuggelte Zigaretten im Wagen.

Prenzlauer Berg und Friedrichshain besonders gefährdet

Auch in Berlin liegt die Zahl der gestohlenen Fahrzeuge seit Jahren auf einem hohen Niveau. Die Metropole gilt innerhalb Deutschlands seit langem als Hauptstadt der Autodiebe. Im Vergleich zu anderen Bundesländern wurden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GVD) im vergangenen Jahr in Berlin 3,2 von 1000 kaskoversicherten Wagen gestohlen. Das entspricht einer Gesamtzahl von 2892 entwendeten Fahrzeugen. Im Vorjahr waren es noch 3272. Weit hinter Berlin rangiert Hamburg mit 1,7 gestohlenen Autos auf 1000 versicherte Wagen auf Rang zwei, dann folgt Brandenburg mit 1,5 Taten auf 1000 Autos.

Die meisten Autodiebstähle registrierte die Berliner Polizei in den Stadtteilen Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Charlottenburg und Marzahn. Die meisten teuren Fahrzeuge mit einem Wert von mehr als 50.000 Euro wurden in Wilmersdorf, Charlottenburg und Schöneberg entwendet. Der Gesamtschaden durch Autodiebstahl lag laut Berliner Polizeistatistik in 2012 bei knapp 70 Millionen Euro. Für das ablaufende Jahr 2013 rechnet die Behörde mit ähnlich hohen Zahlen.

Diebesgut in nur einer Stunde im Ausland

Dass Berlin als Hochburg für Autoklau fungiert, führen die Ermittler auf die EU-Osterweiterung, den Wegfall der Grenzkontrollen ins nahe Ausland und die Lage der Hauptstadt zurück. Seit dem Fall der Mauer liege die Stadt im europäischen Zentrum zwischen Ost und West. Die Grenze zu Polen ist nahe. In nur einer Stunde könne Diebesgut im Ausland sein. Zudem biete die hohe Fahrzeugdichte den zumeist reisenden und professionell agierenden Banden reichlich Tatgelegenheiten.

In Berlin wie in Brandenburg arbeiten die Täter in der Regel in straff organisierten Banden mit großer Professionalität. Gestohlen wird nicht wahllos, vielmehr werden geeignete Fahrzeuge zuvor durch „Kundschafter“ gezielt ausspioniert. „Häufig werden die Fahrzeuge dann mit Handy-Kameras fotografiert und die Fotos sofort an die Hintermänner gesendet. Entscheiden die, dass das Fahrzeug geeignet ist, kommen die eigentlichen Autoknacker, den anschließenden Transport übernehmen dann wieder andere Bandenmitglieder“, erläutert ein szenekundiger Fahnder die Abläufe.

Auch Technik begehrt

Nicht nur Fahrzeuge, auch hochwertige Autotechnik, insbesondere Navigationsgeräte sind seit einiger Zeit in Berlin wieder begehrtes Objekt der Begierde von Straftätern. Die Polizei nimmt einen Fall vom ersten Weihnachtstag zum Anlass, Pkw-Besitzer um besondere Aufmerksamkeit zu bitten. Wie ein Sprecher mitteilte, wurden gegen 13 Uhr zwei Diebe in Charlottenburg festgenommen. Kurz zuvor hatte eine Anwohnerin beobachtet, wie die Männer bei einem am Stuttgarter Platz geparkten Pkw die Seitenscheibe einschlugen und ein installiertes Navigationsgerät entwendeten. Polizeibeamte konnten das Duo aufgrund der präzisen Personenbeschreibungen der Zeugin bereits kurze Zeit später noch in Tatortnähe festnehmen. Die beiden 36-Jährigen hatten in einer Tüte ein weiteres Gerät bei sich. Überprüfungen ergaben, dass es am selben Tag aus einem an der Rönnestraße geparkten Fahrzeug entwendet worden war.

Die Polizei rät in diesem Zusammenhang: „Entfernen Sie beim Verlassen Ihres Fahrzeugs mobile Navigationsgeräte und falls möglich auch deren Halterungen. Lassen Sie keine Wertsachen zurück. Schaffen Sie keine Anreize für potenzielle Diebe durch gut sichtbare Gegenstände im Fahrzeuginneren, auch wenn diese nach Ihrer Auffassung keine besonderen Werte darstellen.“ (