Bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität melden Polizei und Justiz Erfolge: Die Zahl der jugendlichen Intensivtäter in Berlin sinkt. Führte die Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren noch 546 Intensivtäter in ihrer Statistik, so sind es Ende 2013 noch 486.
Gleichzeitig nimmt die Zahl der Schwellentäter ab. Das sind junge Mehrfachtäter, die vor dem weiteren Abrutschen in die Kriminalität bewahrt werden sollen. Hier ist die Zahl von 138 vor zwei Jahren auf 87 gesunken. Zu Spitzenzeiten standen mehr als 200 solcher Täter in der Datei der Staatsanwaltschaft. „Jugendliche Mehrfachtäter werden früher gestoppt“, sagt Niels Müllensiefen, zuständiger Referent für Jugendkriminalität in der Justizverwaltung.
Die Intensivtäterdatei der Berliner Staatsanwaltschaft besteht seit 2005. Sie wurde eingerichtet, nachdem mehrere Fälle von jugendlichen Serientätern öffentlich wurden, die trotz zahlreicher Verfahren nicht von der Justiz verfolgt worden waren.
Justiz änderte Kriterien für Aufnahme in Intensivtäterdatei
Tatsächlich ist die Zahl der Intensivtäter sogar noch stärker gesunken. In diesem Jahr hat die Justiz die Kriterien für die Aufnahme geändert. Anders als bisher werden nicht nur Serientäter aufgenommen, sondern auch Einzeltäter, die besonders schwere Taten begehen. „Die sich wandelnde Praxis der Staatsanwaltschaft kann als Erfolg der Intensivtäterverfolgung gewürdigt werden“, sagt Müllensiefen.
Dank des frühzeitigen Eingreifens der Ermittlungsbehörden gebe es kaum noch Täter mit Dutzenden offenen Strafverfahren. „Heute werden zunehmend Täter aufgrund der Schwere einzelner Straftaten oder aufgrund von zehn Straftaten aus einem gemischten Deliktspektrum registriert“, sagt Müllensiefen.
Zu Letzteren gehört jetzt auch der Alex-Schläger Onur U., der zunächst nicht in der Kartei auftauchte, weil er bis zur Tat auf dem Alexanderplatz nur wenige geringfügige Taten verübt hatte. Bei Einführung der Statistik wurden lediglich Täter aufgenommen, die zehn oder mehr Straftaten derselben Art verübt hatten. Auf Wunsch der Polizei werden nun auch Täter registriert, die Straftaten unterschiedlicher Art verübt haben. Erstmals wurde die Datei in diesem Jahr um diejenigen Täter bereinigt, die das 24. Lebensjahr beendet haben. Dennoch sind mittlerweile mehr als 60 Prozent der Täter älter als 21 Jahre (313). 141 Intensivtäter sind zwischen 18 und 21 Jahre alt, 66 sind jünger. Bislang wurden Täter nur aus der Statistik gestrichen, die ein Jahr nach Verbüßung der Haftstrafe oder nach der Aussetzung auf Bewährung straffrei geblieben sind.
Täter schlagen nach wie vor vor allem in Krisenstadtteilen zu
Keine Änderung hat sich bei der ethnischen Zusammensetzung der Intensivtäter ergeben. 43 Prozent sind arabischer Herkunft, 32 Prozent türkischer Herkunft, das restliche Viertel stammt aus anderen Ländern oder ist deutscher Herkunft. Die Täter schlagen nach wie vor vor allem in den Krisenstadtteilen Neukölln, Wedding und Kreuzberg zu. In den letzten Jahren stieg der Anteil in den Bezirken Reinickendorf und Spandau an.
Berlin gilt bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität bundesweit als Vorreiter. Neben der Intensivtäter- und der Schwellentäterdatei verfolgt die Polizei gezielt so genannte kiezorientierte Mehrfachtäter. Das sind meist Jugendliche, die in engem Umkreis ihres Wohnortes wegen kleiner Taten auffallen. Hier versuchen die Beamten gezielt auf die Familien einzuwirken, um ein weiteres abrutschen in die Kriminalität möglichst früh zu stoppen. Die Staatsanwaltschaft verfügt nicht über ein entsprechendes Pendant.
Die Jugendkriminalität in Berlin geht zurück
Die Jugendkriminalität insgesamt ist in Berlin seit Jahren rückläufig. Allerdings steigt die Zahl der Überfälle auf Straßen, Wegen oder Plätzen. Täglich verzeichnen die Ermittler mehr als sechs Fälle von Straßenraub auf Berlins Straßen. Im kommenden Jahr will die Justiz den Kampf gegen die Jugendkriminalität weiter modernisieren. Dabei sollen vor allem die Ursachen für die hohe Rückfallquote von Mehrfachstraftätern untersucht und die Quote nach Möglichkeit gesenkt werden.
Bislang fehlen Untersuchungen darüber, welche Sanktionen gegen junge Täter Erfolge erzielen und welche nicht. Künftig soll die Justiz sehr viel früher als bislang eine Prognose über die soziale Entwicklung von Straftätern erstellen und daraus entsprechende Schlüsse ziehen.
Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund, deswegen ist die Haftstrafe als letzte Sanktionsform nur für Ausnahmefälle gedacht. Davor gibt es eine Reihe von Einwirkungsmöglichkeiten, wie das Ableisten von Sozialstunden oder Wochenendarresten. Bei Intensivtätern sieht es anders aus. Seit Gründung der Intensivtäterabteilung ist bislang in 3502 Verfahren gegen 5470 ermittelt worden. In 4206 Fällen ergingen Gerichtsurteile, dabei wurde in jedem zweiten Fall eine Haftstrafe verhängt. Zum Stichtag 30. Juni 2013 saßen 186 registrierte Intensivtäter in Untersuchungs- oder Strafhaft.





