Rekordzahlen

Berlin ist bei Touristen beliebt wie nie zuvor

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Florentine Anders

Foto: Stefan Beetz/sbeetz.com

Mehr als eine Million Gäste kamen im Oktober in die deutsche Hauptstadt, zeigen neue offizielle Zahlen. Das ist ein neuer Rekordwert. Jeder Zweite kommt wegen des Kulturangebots nach Berlin.

Der Zustrom von Touristen nach Berlin lässt nicht nach. Die neuesten Daten des Statistischen Landesamts zum Berlin-Tourismus zeigen ein weiteres Wachstum. Demnach waren im Oktober fast 1,1 Millionen Gäste aus dem In- und Ausland in Berlin. Die Hotels zählten 2,6 Millionen Übernachtungen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der Gäste damit um 3,1 Prozent gestiegen, bei den Übernachtungen beträgt die Steigerung sogar knapp acht Prozent. Die Bettenauslastung der Hotels lag im Oktober bei 63,1 Prozent.

Am größten fiel der Anstieg bei den Gästen aus Deutschland aus mit 3,6 Prozent. Die Zahl der Besucher aus dem Ausland stieg um 2,3 Prozent. Vor allem bei den Touristen aus Russland wird Berlin ein immer attraktiveres Reiseziel. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Gäste aus Russland um 18,5 Prozent gestiegen. Auch die Besucher aus der Schweiz sind deutlich mehr geworden. Die größte Touristengruppe aus dem Ausland kommt aus Großbritannien mit 39.800 Gästen. Zurückgegangen um acht Prozent ist die Besucherzahl aus den Vereinigten Staaten.

Mehr als die Hälfte der Besucher von Kultureinrichtungen sind Touristen

Ein wichtiger Anlass für Berlin-Besuche aus dem In- und Ausland sind Museen, Theater, Orchester und Gedenkstätten. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Kulturmonitoring hervor. Nach der Befragung sind mehr als die Hälfte der Besucher (59 Prozent) in den Berliner Kultureinrichtungen Touristen. Am höchsten ist der Anteil der Touristen mit 90 Prozent in Gedenkstätten. Vor allem ausländische Besucher machen dort mit 59 Prozent die größte Gruppe aus. Viele Touristen gaben in der Befragung den Besuch einer Kultureinrichtung sogar als alleinigen Grund für die Berlin-Reise an. Für ein Drittel der in- und ausländischen Gäste auf den Konzerten beispielsweise war die Aufführung der hauptsächliche Anlass für den Berlin-Aufenthalt.

Nicht nur für die Kultureinrichtungen, auch für die Hotels sind die kulturinteressierten Gäste ein besonders interessantes Klientel. Die Dauer des Aufenthalts ist bei den Kulturtouristen doppelt so lang wie bei dem durchschnittlichen Berlin-Besucher. Die befragten Besucher der Museen und Gedenkstätten blieben im Durchschnitt 4,2 Tage. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in allen Hotels beträgt 2,4 Tage. „Kultur ist ein Touristenmagnet“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer des Tourismusgesellschaft Visit Berlin. Die Besucher würden vor allem in Berlin Schauplätze der Geschichte suchen und finden, so Kieker. Für das Kulturmonitoring wurden 50.000 Besucherinterviews in 22 Einrichtungen aller kulturellen Sparten geführt.

Vor allem die Mauerreste locken Touristen

Über die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße können sich die Besucher per Smartphone führen lassen. Den Audioguide auf der mobilen Internetseite hat die Stiftung Berliner Mauer entwickelt, um den vielen ausländischen Besuchern auf Englisch und Deutsch ein Angebot zu machen.

Denn wie der am Dienstag veröffentlichte Jahresbericht Kulturmonitoring zeigt, sind 90 Prozent der Besucher in den Gedenkstätten Touristen, die meisten von ihnen kommen aus dem Ausland. „Die größten Besuchergruppen an der Bernauer Straße kommen aus Großbritannien, aus den USA, aus Frankreich und aus Skandinavien“, sagte Hannah Berger, Sprecherin der Stiftung Berliner Mauer.

Die Mauer-Gedenkstätte war eine der insgesamt 22 Einrichtungen die für das Kultur-Monitoring befragt wurden. Ziel der Erhebung ist es, den Kultureinrichtungen die Möglichkeit zu geben, noch gezielter bestimmte Besuchergruppen anzusprechen und neue Zielgruppen zu erschließen. Das Durchschnittalter der Besucher in den kulturellen Einrichtungen beträgt 47 Jahre. Am jüngsten sind laut Erhebung die Besucher der Gedenkstätten mit 40 Jahren. Allerdings wurden bei der Befragung keine Gruppen wie Schulklassen einbezogen. Überdurchschnittlich ist bei den Gedenkstätten die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen vertreten. Sie macht einen Anteil von 26 Prozent aus. Bei den Bühnen- und Orchesterveranstaltungen dagegen sind die über 60-Jährigen stark vertreten – mit 24 Prozent.

Berliner gehen gern in die Oper und ins Theater

Auch bei der Herkunft der Besucher in den kulturellen Einrichtungen gibt es laut Studie große Unterschiede. Während bei den Orchestern, Opern und Theatern die Mehrheit aus Berlin kommt, machen die Besucher aus der eigenen Stadt in den Museen und Gedenkstätten die Minderheit aus. Bei den Museen sind es 16 Prozent, bei den Gedenkstätten sogar nur neun Prozent. Überrepräsentiert sind mit 59 Prozent in den Gedenkstätten die Besucher aus dem Ausland. In den Sprechtheatern stammen nur sechs Prozent der Besucher aus dem Ausland.

„Wir haben sehr viele Besucher aus aller Welt, weil unsere Gedenkstätte an der Bernauer Straße schon als Ort an sich wirkt“, sagte Hannah Berger von der Stiftung Berliner Mauer. Auch Menschen, die kein Englisch sprechen und Erklärungen nicht lesen können, würden deshalb gerade an die Bernauer Straße kommen. Die Stiftung versuche aber auch durch besondere Veranstaltungsprogramme, mehr Berliner zu erreichen. In der Veranstaltungsreihe Zeitzeugen-Café beispielsweise würden immer zwei Personen im Dialog über ein bestimmtes Thema wie etwa Fluchtversuche reden.

Im kommenden Jahr, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, sollen diese Programme noch verstärkt angeboten werden. Auch spezielle Angebote für Familien soll es geben. Die Schulen sollen durch Fortbildungsprogramme für Berliner und Brandenburger Lehrer erreicht werden. „Die Angebote werden von den Lehrern gut angenommen“, sagte Hannah Berger.

Auch Brandenburg zieht mehr Besucher an

Auch Brandenburg setzt auf Zuwächse beim Tourismus. Nach einer angespannten Situation im Sommer – vor allem wegen des Hochwassers – hoffen die Hotels und Dienstleistungsunternehmen auf mehr Touristen in den kommenden Monaten. Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam gehen fast 90 Prozent der befragten Betriebe der Region von einer günstigen Geschäftslage aus. In der Reisebranche zeigten sich vier von fünf Betrieben mit dem Verlauf des Gastgewerbes zufrieden. Auch bei den Hoteliers und Gastronomen in Ostbrandenburg ist die Stimmung positiv. Trotzdem will rund jeder vierte Betrieb in Brandenburg im kommenden Jahr die Preise erhöhen. Als Ursachen werden steigende Energiekosten und die neuen Gema-Tarife genannt. Die Reisebüros in der Region klagten über zurückgehende Buchungen.