Flüchtlingsunterkunft

Angolaner vor besetzter Berliner Schule niedergestochen

Vor einem von Flüchtlingen besetzten Gebäude in Kreuzberg ist am Montagabend ein Mann schwer verletzt worden. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen fest. Sie musste mit einem Großaufgebot anrücken.

Foto: Steffen Pletl

Erneut hat es in der vergangenen Nacht an der Flüchtlingsunterkunft in einer ehemaligen Kreuzberger Schule einen Polizeieinsatz nach einer Messerstecherei gegeben.

Nach ersten Informationen der Polizei kam es gegen 22 Uhr an der Ecke Ohlauer Straße/Reichenberger Straße zu einer Auseinandersetzung zwischen fünf Männern. In Folge des Streits soll ein 23-Jähriger mit einem Messer einen 39-Jährigen aus Angola am Oberkörper verletzt haben.

Nach von der Polizei noch unbestätigten Angaben soll der Täter daraufhin in die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule geflüchtet sein, in der seit Monaten eine Notunterkunft für Flüchtlinge untergebracht ist. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot von rund 150 Polizisten an. Neben Einsatzhundertschaften wurde auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) hinzugezogen. Die Schule und ihre Bewohner wurden durchsucht und überprüft, auch Polizeihunde waren im Einsatz.

Der 23-jährige Mann aus dem Tschad wurde mit nicht lebensbedrohlichen Schnittverletzungen zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Danach wurde er festgenommen.

Polizeibeamte entdeckten Blutspuren und ein Messer, das als mögliches Tatwerkzeug sichergestellt wurde. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags übernommen.

Ob der 23-Jährige oder der andere Verletzte überhaupt Bewohner der Flüchtlingsunterkunft ist, war zunächst unklar.

Worum es bei dem Streit mit insgesamt fünf Beteiligten an der Ecke Ohlauer/Reichenberger Straße ging, muss noch geklärt werden. Die 5. Mordkommission ermittelt.

Unterstützer glaubten an Räumung der Schule

Die Lage in der Nacht gestaltete sich äußerst unübersichtlich. Auf den Polizeieinsatz in Kreuzberg reagierten einige Anwohner und Unterstützer der Flüchtlinge mit einer spontanen Demonstration.

Während des Polizeieinsatzes versammelten sich etwa 100 Sympathisanten der Flüchtlinge und behinderten teilweise die Arbeit der Polizei. Es gab mehrere Anzeigen wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte, Beleidigung und Körperverletzung.

Die Versammelten kritisierten in Sprechchören den Einsatz. Offenbar nahmen viele der Demonstranten fälschlicherweise an, die Schule solle geräumt werden. Erklärungen des Polizeieinsatzleiters, um welchen Sachverhalt es sich handele, wurde zunächst offenbar kein Glauben geschenkt.

Auch Politiker fanden sich an der Schule ein. So twitterte der Piraten-Abgeordnete Oliver Höfinghoff in der Nacht mehrere Stunden vom Geschehen an der Schule. Auch der Bezirksstadtrat Hans Panhoff (Grüne) kam und versuchte, die Lage zwischen Demonstranten und Polizei zu deeskalieren.

Mitte November hatte es am Flüchtlingsheim schon einmal eine Messerattacke und einen anschließenden Großeinsatz der Polizei gegeben. Ende November konnte die Polizei in dem Zusammenhang einen 18-Jährigen Tatverdächtigen festnehmen, der einen 20-Jährigen hinterrücks mit dem Messer angegriffen haben soll.