An der Poelchau-Oberschule in Charlottenburg gibt es viele offene Fragen: Eltern fragen sich, wer die Verantwortung dafür trägt, dass am Donnerstag drei Schüler durch ein herabfallendes Fenster im Klassenraum verletzt wurden. Ingenieure suchen nach der Ursache dafür, dass das Fenster aus den Angeln stürzen konnte. Die Polizei ermittelt, ob hier möglicherweise der Tatbestand einer fahrlässigen Körperverletzung vorliegt.

Am frühen Freitagmorgen war Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) vor Ort und wies zunächst die Lehrer an, Schüler bis zur zur abgeschlossenen Überprüfung der Fenster nicht in die Nähe der Fenster zu setzen. Außerdem sollten Fenster nur noch von Lehrkräften und nicht von Schülern geöffnet werden.

Prüfung der Fenster wird am Wochenende fortgesetzt

Anschließend begannen Tischler der Immobilienverwaltung BIM und Ingenieure des Arbeitsschutzes, alle 480 Fenster des 1973 erbauten Gebäudes zu überprüfen. Auch an der benachbarten baugleichen Anna-Freud-Schule, dem Oberstufenzentrum für Sozialwesen, wurden die Fenster in Augenschein genommen. Die Prüfung soll am Wochenende fortgesetzt werden.

„Wenn die Experten schadhafte Stellen entdecken, sollen diese noch an diesem Wochenende repariert werden“, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung. Sollte das bis Montag nicht geschafft sein, werde der Unterricht in andere Räume verlagert.

Am Donnerstag waren wie berichtet drei Siebtklässler verletzt worden, nachdem ein 35 Kilogramm schweres Fenster in den Klassenraum fiel. Ein Schüler mit einer Platzwunde am Kopf musste im Krankenhaus genäht werden, ein zweiter Schüler kam mit einem Schock ins Krankenhaus. Der dritte verletzte Schüler erlitt Prellungen, er konnte ambulant behandelt werden. Die drei Jugendlichen sind inzwischen wieder zu Hause.

Maroder Gesamtzustand des Schulgebäudes

Nach Angaben der Bildungsverwaltung soll Materialermüdung dazu geführt haben, dass die Aufhängung eines Fensters abbrach, als es von einem Schüler geöffnet wurde. Einige Eltern und Schüler machen den maroden Zustand des gesamten Schulgebäudes für den Unfall verantwortlich. „Seit ich auf die Schule gekommen bin, wird hier über Erneuerungen diskutiert“, sagte Jessica Schröter.

Die 18-Jährige besucht seit sechs Jahren die zentral verwaltete Eliteschule des Sports. Auch der 17 Jahre alte Schüler Joel Buchholz erzählte, dass teilweise Klassenräume wegen des schlechten Zustandes gesperrt seien. „Die Schülervertretung setzt sich seit Jahren bei der Senatsverwaltung für Bildung für eine Verbesserung des Zustandes ein“, sagte Joel Buchholz. Doch das sei immer wieder am fehlenden Geld gescheitert.

Eltern wollen Ersatzgebäude

„Die Fenster sind nicht das einzige Problem“, sagte Carola Kolbeck, Elternvertreterin der Klasse. Die Schule sei asbestverseucht, die Deckenplatten würden teilweise wackeln, und in einigen Räumen gebe es Schimmel. Fenster in einigen Räumen seien schon länger vernagelt. Im Jahr 2015 soll die Eliteschule des Sports auf das Olympiagelände umziehen.

Vor wenigen Wochen wurde der Grundstein gelegt. Doch die Elternvertreterin findet es nicht mehr zumutbar, dass die Kinder bis dahin weiter in die Schule gehen sollen. Sie forderte, dass vorübergehend ein mobiler Container aufgestellt am neuen Standort am Olympiagelände aufgestellt wird, bis das neue Gebäude fertig ist.

Die Sicherheit der Kinder stehe an erster Stelle, sagte Matthias Rösner, Leiter der Oberschule. „Der Vorfall ist ein großes Unglück, und wir sind dabei, das Problem zu lösen“, so der Schulleiter. Eine Sperre soll künftig verhindern, dass Fenster die zwischen Kippe und geöffnetem Zustand aus den Angeln gehoben werden kann. „Wir wollen wieder Ruhe einkehren lassen“, sagt der Schulleiter.

Oberstufenzentrum ist asbestbelastet

Für einige Eltern ist das offenbar nicht so einfach. „Wir wollen raus aus diesem Gebäude“, sagte Elternvertreterin Carola Kolbeck, die noch am Donnerstag bei der Polizei einen Bericht über den Unfallhergang abgab. Die Polizei ermittelt nun nach Angaben eines Sprechers wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen Unbekannt.

Siegmar Alex ist Schulleiter an der benachbarten Anna-Freud-Schule. Er bestätigte, dass auch die Fenster des Oberstufenzentrums mit 1300 Schülern begutachtet wurden. Erkennbare Schäden seien dabei nicht gestellt worden. Dennoch seien auch diese Fenster zum Teil marode, sagte Alex. Sie seien undicht.

Genau so wie die benachbarte Poelchau-Oberschule ist auch das Oberstufenzentrum asbestbelastet. Eine Sanierung komme deshalb nicht mehr in Frage. Ein Umzug in ein anderes Gebäude würde zwar diskutiert, anders als bei der Poelchau-Schule gebe es aber bisher keine konkreten Planungen.