Klassenräume fehlen

Bildungsnotstand - Container ersetzen in Berlin Schulen

| Lesedauer: 5 Minuten
Florentine Anders

Foto: Rainer Burmeister

Die Schulräume für die Erstklässler reichen in vielen Berliner Bezirken nicht aus. Deshalb werden allein 2014 an sieben Standorten mobile Klassen aufgebaut – für eine dauerhafte Nutzung.

In den meisten Bezirken fehlen Klassenzimmer für die wachsende Zahl neuer Erstklässler. Bereits im kommenden Schuljahr sollen deshalb Container aufgestellt werden. Erstmals liegen jetzt genaue Planungsdaten für die mobilen Unterrichtsräume vor, die die steigende Zahl der Grundschüler aufnehmen sollen.

Im Jahr 2014 sollen an sieben Standorten der Stadt Schulcontainer aufgebaut werden. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Vorhaben teurer wird als bisher geplant. Das geht aus einem Bericht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an den Hauptausschuss im Abgeordnetenhaus hervor.

Allein für 2014 werden 21,3 Millionen Euro für die sieben Container benötigt. Eingeplant waren bislang 16 Millionen für 2014 und 9,7 Millionen für 2015. Das wird nun nicht mehr ausreichen, denn fünf weitere mobile Unterrichtsräume sollen 2015 folgen, und im Durchschnitt kostet so ein Pavillon rund 2,5 Millionen Euro.

Fast die Hälfte der mobilen Klassenzimmer ist für den Bezirk Pankow vorgesehen, denn hier steigen die Schülerzahlen besonders rasant, und vorhandene Schulgebäude sind bereits bis auf den letzten Platz ausgelastet.

In Pankow fehlen 2017 rund 6000 Plätze

Die Raumnot in Berlins Schulen ist groß. Auf lange Sicht fehlen in ganz Berlin Schulplätze. Nach der Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werden im Jahr 2030 in Berlin 65.000 mehr Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren leben als heute. Deshalb benötigt die Stadt in den kommenden Jahren etwa 60 neue Schulen. Allein in Pankow fehlen schon bis 2017 nach Berechnungen des Bezirks 6000 Schulplätze, von denen viele in Containern entstehen sollen.

Die nun bekannt gewordenen Pläne der Senatsstadtentwicklungsverwaltung sehen vor, dass in Pankow schon im kommenden Jahr die Mendel-Grundschule, die Grundschule am Wasserturm und die Grundschule Wilhelmsruh zusätzliche Klassenräume erhalten werden. Im Jahr darauf sollen Container für die Rudolf-Dörrier-Grundschule, die Schule an der Strauchwiese und die Klecks-Grundschule folgen.

Für 2016 ist dann neben Zusatzräume für die Elisabeth-Shaw-Grundschule sogar eine komplette dreizügige Container-Grundschule in Weißensee geplant. Lichtenberg braucht bis 2017 fünf neue Schulen, um alle Kinder unterbringen zu können. Im nächsten Jahr sollen die Karlshorster-Grundschule und die Brodowin-Grundschule deshalb jeweils einen doppelten Containerbau erhalten.

Die einfache Ausführung der Container hat zwölf Klassenräume mit bis zu 65 Quadratmetern. In der großen Variante sind es 24 Räume. Hinzu kommen kleine Ergänzungsräume und Toiletten. Die Kosten betragen etwa zehn Millionen Euro. Hinzu kommt ein Fertigbau an der Richard-Wagner-Grundschule.

Auch Reinickendorf soll an zwei Standorten zusätzliche Räume erhalten: 2014 für knapp 2,5 Millionen Euro an der Hausotter Grundschule und 2015 an der Kolumbus Grundschule. Hier sind die genauen Kosten noch nicht ermittelt. Ein weiterer Pavillon ist an der Grundschule am Bürgerpark in Marzahn-Hellersdorf geplant. Der Senat begründet den Containerbau auch mit den Kosten. Sie sind niedriger als ein Neubau oder die Sanierung von Schulen. Zum Vergleich: Die Sanierung des Gymnasiums an der Pasteurstraße in Prenzlauer Berg soll 30 Millionen Euro kosten.

Die Container sollen alles andere als ein Provisorium sein. Auch das geht aus dem Bericht an den Hauptausschuss hervor. „Die zu errichtenden Schulergänzungsbauten sind für die dauerhafte Nutzung vorgesehen“, heißt es da. Und weiter: Die theoretische Nutzungsdauer betrage 50 Jahre.

Zahl der mobilen Unterrichtsräume könnte noch steigen

Die betroffenen Bezirke sind allerdings zufrieden mit der Lösung. „Neubauten würden Planungszeiten von sechs bis zehn Jahren benötigen. So viel Zeit haben wir nicht“, sagt Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), Schulstadträtin von Pankow. Die Stadträtin geht davon aus, dass die jetzt genehmigten Container für die kommenden Jahre nicht ausreichen werden.

Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland, geht davon aus, dass sich die Zahl mobiler Unterrichtsräume noch erhöht. Schließlich sei man jetzt sicher, dass sie nach den anfänglichen Vorbehalten als dauerhafte Lösungen gewollt seien. In der Qualität der Räume gebe es keinen Unterschied zu Neubauten. Die Bauzeit für neue Unterrichtsräume werde mit der mobilen Lösung erheblich verkürzt. „Gegebenenfalls muss der Titel im Haushalt verstärkt werden“, sagt sie.

Für die ersten sieben sei jedenfalls das Geld im Haushalt gesichert. Dass die konkreten Planungen teuer werden, sei nicht so ungewöhnlich. Schließlich würde man noch nicht so viel Erfahrung mit den Modulen haben. Auch jetzt könnten sich die Zahlen noch verändern, denn die definitiven Kosten wisse man erst, wenn die Ausschreibungen beendet seien, so die Sprecherin.