Den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) steht ein Wechsel an der Unternehmensspitze bevor. Die Vorstandsvorsitzende Vera Gäde-Butzlaff hat am Mittwoch angekündigt, ihren Posten zum Ende kommenden Jahres aufgeben zu wollen. Diese Entscheidung werden viele in Berlin bedauern. Zum einen ist der Betrieb unter ihrer Leitung gut aufgestellt, zum anderen gilt sie geradezu als Paradebeispiel für Frauen in Führungspositionen.
Ihr Vertrag läuft noch bis Ende 2017, aber offenbar haben persönliche Gründe sie veranlasst, ihn vorzeitig aufzulösen. Der Zeitpunkt für einen Ausstieg sei günstig: Das Unternehmen sei geordnet und sie wolle sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen, hieß es. Es ist der politisch hervorragend vernetzten Macherin, die Ende kommenden Jahres ihren 60. Geburtstag feiert, zuzutrauen: Noch einmal durchstarten, wenn andere schon ihren Ruhestand planen. „Ich bedauere, dass Frau Gäde-Butzlaff das Unternehmen verlassen will. Wir haben gut zusammengearbeitet und den Vertrag mit ihr gerade erst verlängert. Ich respektiere aber ihre persönliche Entscheidung“, sagte Finanzsenator Ulrich Nußbaum, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der BSR ist.
Dem Vernehmen nach herrscht allerdings schon länger keine große Harmonie zwischen Vorstandschefin und Senator. Ihm wird nachgesagt, den Vertrag Ende vergangenen Jahres eher ungern verlängert zu haben. Der Zeitpunkt Ende 2014 scheint aber für den Abschied auch aus einem anderen Grund günstig: Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll es dann eine Pensionsregelung für die Chefin geben.
Vera Gäde-Butzlaff, verheiratet und Mutter einer Tochter, studierte an der Freien Universität Berlin Jura. Anschließend war sie als Richterin am Amtsgericht Tiergarten und am Berliner Verwaltungsgericht tätig. 1994 wurde sie Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder, 1998 wechselte sie ins Umweltministerium von Sachsen-Anhalt, zunächst als Ministerialdirigentin und dann als Staatssekretärin für Umwelt und Landwirtschaft. Im Januar 2003 wurde Gäde-Butzlaff Vorstandsmitglied der BSR und war zunächst für die Abfallentsorgung zuständig, seit 2004 dann auch für die Straßenreinigung. Im Februar 2007 rückte sie als Nachfolgerin von Gerhard Gamperl an die Vorstandsspitze.
Umstrittene Beraterverträge geschlossen
Gamperl war 2006 vom damaligen Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) fristlos entlassen worden. Er habe den Aufsichtsrat unvollständig informiert und sich nicht richtig um seinen Job gekümmert, hieß es zur Begründung. Später stellte sich heraus, dass Gamperl offenbar eine Vielzahl umstrittener Beraterverträge geschlossen hatte. Für die mehr als zehn Verträge während seiner zweijährigen Amtszeit sollen vom Unternehmen mehr als drei Millionen Euro gezahlt worden sein.
Gäde-Butzlaffs Amtsführung hingegen wird von allen Seiten gelobt. „Sie hat die BSR zum effizientesten kommunalen Entsorgungsunternehmen Deutschlands gemacht. Ihre Leistung verdient großen Respekt“, sagte der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, am Mittwoch.
„Langfristig niedrige Tarife haben für uns höchste Priorität. Berlin hält auch 2013/14 den Spitzenplatz der niedrigsten Gebühren bei Müllabfuhr und Straßenreinigung“, heißt es im Geschäftsbericht der BSR für das vergangene Jahr. Der Umsatz für 2012 wird mit 485 Millionen Euro angegeben, zwei Millionen weniger als 2011. Der Jahresüberschuss sank um 72 Prozent von 25 auf sieben Millionen Euro. Allerdings wurden 104 Millionen Euro investiert, im Vorjahr waren es lediglich 90 Millionen.
Das Eigenkapital stieg von 79 auf 86 Millionen Euro. Unter der Ägide der Vorstandschefin wurde nicht nur das Tarifsystem bei der Müllentsorgung neu geordnet und eine Öko-Gebühr eingeführt. Es gibt nun auch eine einheitliche Wertstofftonne, was einen jahrelangen Streit mit dem privaten Entsorger Alba beendete. Bei der Straßenreinigung sollen zwei neue Reinigungsklassen eingeführt werden, die vor allem im Zentrum, etwa am Kudamm, für mehr Sauberkeit sorgen sollen. Hierbei hat die BSR mit der AG City, dem Zusammenschluss der Geschäftsleute, kooperiert.





