Recycling

Mülltrennung der Berliner ist für die Tonne

Die Berliner produzieren im Bundesvergleich mit insgesamt 14,3 Millionen Tonnen pro Jahr zwar wenig Abfall, sortieren diesen aber besonders schlecht. Nur beim Altpapier ist die Quote hoch.

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Die Berliner produzieren deutlich weniger Abfall als die Bürger der meisten deutschen Bundesländer – und sind zugleich auffallend faul, was die Trennung ihres Mülls angeht. 429 Kilogramm Haushaltsabfall pro Einwohner fielen in der Hauptstadt 2011 an. Das waren insgesamt 14,3 Millionen Tonnen. Damit belegt Berlin den vierten Platz in Sachen Müllvermeidung.

Noch besser steht Brandenburg da, wo mit 405 Kilogramm pro Einwohner die zweitniedrigste Müllmenge im bundesdeutschen Vergleich abgefahren werden musste. Bei der Mülltrennung nach Wertstoffen dagegen rangiert Berlin auf dem viertletzten Platz, Brandenburg kommt immerhin an siebter Stelle.

Tatsächlich stellt die Statistik den Berlinern ein denkbar schlechtes Zeugnis aus, was den Umgang mit den Überbleibseln des täglichen Lebens angeht. Selbst die relativ niedrige Abfallgesamtmenge taugt kaum, um die Hauptstädter in besserem Licht dastehen zu lassen: Wissenschaftliche Erklärungen für solche Phänomene gebe es zwar nicht, sagt der Branchenexperte und frühere Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, Karsten Hintzmann. Das Einkommensniveau in Berlin spiele aber hierbei eine Rolle. „In München wird einfach mehr konsumiert und damit auch mehr Müll produziert“, so Hintzmann. Im Klartext: Berlin punktet in Sachen Müllvermeidung auch deshalb, weil es arm ist.

Brandenburger zahlen nur 48 Euro pro Jahr an Müllgebühren

Umso erstaunlicher, dass die Berliner nicht wenigstens fleißig versuchen, ihre Entsorgungskosten durch akkurate Mülltrennung zu reduzieren. Immerhin liegen die Abfallgebühren mit 77 Euro pro Kopf und Jahr über dem Bundesdurchschnitt (73,5 Euro). Ein Vier-Personen-Haushalt zahlt im Jahr in Berlin 307 Euro für die Abfuhr seiner Haushaltsabfälle.

Entgeltfrei ist dagegen die gelbe oder orangefarbene Wertstofftonne, in der Verpackungen und andere Gegenstände aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoff, allerdings keine Elektrogeräte, verschwinden dürfen. Sie ersetzte Anfang 2013 den gelben Sack respektive die gelbe Tonne, in der mit Einführung des Dualen Systems 1990 reine Verpackungsmaterialien, gekennzeichnet zunächst mit einem grünem Punkt, gesammelt wurden.

Allerdings: Mit 65 Kilogramm aussortierten Verkaufsverpackungen pro Kopf im Jahr 2011 sind die Berliner Vorletzte unter den deutschen Ländern. Jeder Brandenburger steckte 87 Kilogramm in die gelben Säcke, das entspricht dem dritten Platz nach Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Und das, obwohl Brandenburg mit 48 Euro pro Kopf und Jahr bundesweit die niedrigsten Müllgebühren erhebt.

Hohe Recyclingquote von Altpapier in Berlin

Und auch was die Gesamtheit der Wertstoffe inklusive Schrott, Papier oder Holz angeht, tun sich die Hauptstädter keineswegs als Sammler hervor. Lediglich 125 Kilogramm Wertstoffe entsorgte 2011 jeder Bürger Berlins pro Jahr gesondert in Extratonnen oder direkt bei Abgabestellen der Berliner Stadtreinigung (BSR). Insgesamt kamen in der Hauptstadt 4,16 Millionen Tonnen zusammen.

Der Bundesdurchschnitt lag bei 150 Kilogramm je Einwohner. Am schlechtesten schnitt Hamburg ab (113 Kilogramm). Den Spitzenplatz belegte Rheinland-Pfalz (175 Kilogramm), die Brandenburger sortierten pro Kopf immerhin 142 Kilogramm Wertstoffe aus und belegten damit den siebten Platz.

Flächendeckend erfolgreich ist in Berlin wenigstens die Sammlung von Altpapier: Zwar lägen keine Statistiken für die gesamte Hauptstadt vor, weil sich zehn konkurrierende Unternehmen den Markt aufteilen, sagt Branchenexperte Hintzmann. „Aber es gibt keine weißen Flecken, und die Recyclingquote ist hoch.“

Alba und BSR kümmern sich um das Recycling

Weniger gut sieht es unter anderem bei ausgedienten Elektrogeräten aus. Hier entgehe der Recyclingwirtschaft ein erheblicher Anteil, weil illegale Unternehmen oder deren Hilfskräfte per Posteinwurf oder vor den Wertstoffhöfen Geräte annähmen und oftmals ins Ausland brächten. „Tatsächlich“, so Hintzmann, „gehören Altmetall oder Elektroschrott rein rechtlich den Kommunen, die Müllentsorgung als Daseinsvorsorge betreiben.“

Eine Unterscheidung der Mülltrennungsquoten nach Berliner Bezirken existiere nicht. Erfahrungen zeigten aber, dass in Siedlungsgebieten die Recyclingquote tendenziell höher ausfalle als in den Großsiedlungen, so Hintzmann. Für die produzierende Wirtschaft ist diese Quote nicht unwichtig: Schon heute ist jede siebte verarbeitete Tonne Rohstoff in Deutschland Sekundarrohstoff, entstammt also dem Recycling.

Welchen Fortschritt die Wertstofftonne gebracht hat, die helfen soll, diese Ressourcen möglichst umfassend wieder dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen, wird nach der ersten Jahresbilanz feststehen. Den Service teilen sich das Entsorgungsunternehmen Alba, das 88 Prozent der Wertstoffe sammelt, und die BSR. Die Branche verspricht sich hierdurch ein Plus an recyclingfähigen Materialien von sieben Kilogramm.