Kongresszentrum

Mehr als zehn Investoren haben Interesse an ICC-Sanierung

| Lesedauer: 6 Minuten
Jens Anker

Foto: Paul Zinken / dpa

Private Investoren wollen sich an einer Sanierung des ICC beteiligen - wenn im Vorfeld Probleme beseitigt werden. Ein Abriss würde eine monatelange Sperrung der Autobahn und S-Bahn bedeuten.

Für das ICC haben sich mehr als zehn Interessenten gemeldet, die das Kongresszentrum sanieren wollen. Nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) bewertet eine Expertengruppe derzeit die Gespräche mit den Investoren, um zu klären, was sinnvolle Konzepte für das ICC sein könnten. „Das Interesse potenzieller Investoren am ICC war insgesamt positiv“, bilanzierte Yzer in einem Bericht an den Hauptausschuss.

Bis zum Frühjahr kommenden Jahres werden nun die Konzeptideen der Investoren auf ihre Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit geprüft. Welche Ideen die Investoren bei den Gesprächen auf der Immobilienmesse Expo Real in München vorgestellt haben, sagte Yzer bei der Vorstellung des Berichts im Hauptausschuss nicht.

Trotz des Interesses der Investoren am ICC ist derzeit vollkommen unklar, wie es mit dem Kongresszentrum weitergeht. Der Bericht der Wirtschaftssenatorin weist auch auf Probleme hin, die eine Nutzung des ICC erschweren. „Kernproblem des ICC in seiner heutigen Form ist sein suboptimales Verhältnis zwischen Nutzfläche und Gesamtfläche“, heißt es in dem Bericht weiter.

Zudem erschwere das im Vergleich zu anderen Städten immer noch niedrige Mietniveau in Berlin die Refinanzierung von Investitionen. „Das beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit zahlreicher Nutzungskonzepte erheblich.“ Aus Sicht möglicher Investoren sei es vor allem notwendig, das Verhältnis von Nutz- und Gesamtfläche zu verbessern.

Mit dem Bericht der Wirtschaftssenatorin endet die erste Phase der Suche nach einem privaten Investor für das ICC. Im jahrelangen Streit um die Zukunft des ICC hat sich der aktuelle Senat darauf verständigt, dass aus Landesmitteln maximal 200 Millionen Euro zur Sanierung zur Verfügung gestellt werden. Einen Abriss des umstrittenen Gebäudes lehnt der Senat derzeit ab.

Der jetzige Zeitplan für das ICC sieht vor, dass es schließt, wenn der „City Cube“ öffnet, dem vorläufigen Ersatzbau für das ICC. Die erste Veranstaltung im neuen Kongresscenter am Messedamm/Ecke Jafféstraße plant die Messe Berlin am 10. Mai 2014. Dann soll der Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB dort tagen. Die Behörden haben die Laufzeit des ICC deshalb um drei Monate, bis Ende Juni 2014, verlängert. Eigentlich sollte dort schon Ende März kommenden Jahres Schluss sein. Jetzt ist geplant, dass die Hauptversammlung des Daimler-Konzerns am 9. April die wohl vorerst letzte Großveranstaltung im ICC ist.

Weniger Asbest als erwartet

Zuletzt hatten Experten in einer Studie die Schadstoffbelastung und den Zustand des Hauses untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das ICC weiter betrieben werden kann, weil die Asbestbelastung geringer sei als erwartet. Als Ersatzstoff sei damals Cafco verwendet worden. Dabei handele es sich um eine künstliche mineralische Faser in Bauteilen, die ebenfalls laut EU-Vorschrift bis spätestens 2023 entsorgt werden müsste. In gebundener Form, insbesondere wenn es sich um einwandfreie Oberflächen oder durch Bleche geschützte Bereiche handele, bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Die Zukunft des ICC ist in der Berliner Politik seit Jahren umstritten. Das Spektrum der Alternativen reicht von Abriss bis zur Sanierung um fast jeden Preis. Tatsächlich ist trotz zahlreicher Untersuchungen und Gutachten nicht klar, wie viel eine Sanierung des riesigen Gebäudes tatsächlich kostet. Die Zahlen variieren zwischen 200 und 600 Millionen Euro. Der Senat hat sich deshalb darauf verständigt, eine Sanierung anzustreben, selbst aber nur bis zu 200 Millionen Euro dafür beizusteuern. Den Rest müsste ein Investor übernehmen, den der Senat derzeit sucht.

Die Wirtschaftssenatorin will sich zu den Erfolgsaussichten öffentlich nicht äußern. Sie hat das mehrstufige Verfahren im vergangenen Jahr in Gang gesetzt. Eine internationale Firma für Projektentwicklung hat nach einer europaweiten Ausschreibung den Auftrag erhalten, ein Nutzungskonzept vorzulegen. Geplant ist eine Mischnutzung des ICC mit Veranstaltungen und Messegeschäft. Weil die Investorensuche aber schwierig ist, schlägt die CDU das ICC als Standort für die neue Landesbibliothek vor. Das jedoch lehnt die SPD ab – und hält an dem Plan fest, die Bibliothek auf dem Tempelhofer Feld zu errichten.

Ein Abriss wäre teuer und kompliziert

Sollte der Senat nach erfolgloser Investorensuche doch noch den Abriss des ICC beschließen, wird aber auch das sehr teuer. Ein erstes Gutachten aus dem Jahr 2005 kam zu dem Schluss, dass die Kosten 30 Millionen Euro betragen würden. Inzwischen geht Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) davon aus, dass sie bei mindestens 180 Millionen Euro lägen. Denn ein Abriss des ICC wäre äußerst kompliziert.

Das Gebäude liegt direkt an der Autobahn und am Verkehrsknotenpunkt Neue Kantstraße, Ecke Messedamm. So müssten allein für die Vorbereitungen des Abrisses sowohl die Autobahn als auch die S-Bahn und die umliegenden Straßen monatelang gesperrt werden.

Das silbern schimmernde Internationale Congress Centrum wurde 1975 bis 1979 von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte errichtet. Es spiegelt die Architekturkonzeption der High-Tech-Moderne wider. Im Inneren des Gebäudes, das zwei ineinandergeschobenen Schachteln gleicht, befinden sich mehr als 20.000 Sitzplätze in 80 Sälen.

Die Tagungen und Kongresse werden durch Pop-Konzerte, Bälle, Feiern und andere Veranstaltungen ergänzt. Allerdings ist ein Teil des Gebäudes, wie das Pullmann-Restaurant bereits seit Jahren gesperrt. Dennoch wird das ICC regelmäßig von Experten als eines der besten Kongresshäuser ausgezeichnet. In keinem anderen Gebäude in Berlin können Kongresse mit bis zu 10.000 Teilnehmern durchgeführt werden.