In Berlin hat „Xaver“ Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt, den Flug- und Bahnverkehr teilweise zum Erliegen gebracht und die Feuerwehr in Atem gehalten. Jetzt hat sich das Sturmtief verlagert. Doch die Wetterlage bleibt gefährlich.

Erwartet werden heftige Schnee- und Graupelschauer sowie Schneeregen und Glatteis auf den Straßen. Es muss in den kommenden Tagen immer wieder mit Glätte durch überfrierende Nässe gerechnet werden. Auf seinem Weg durch Europa war das Sturmtief „Xaver“ für etwas mehr als 24 Stunden auf Stippvisite in Berlin.

Von Donnerstagnachmittag bis zum späten Freitagnachmittag galt die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes. Es sei mit orkanartigen Böen mit mehr als 100 Stundenkilometern (Windstärke 11) sowie mit Behinderungen durch Schnee und Schneematsch zu rechnen, lautete die Warnung noch am Freitagnachmittag.

Das Fazit fiel zu diesem Zeitpunkt weniger schlimm aus als befürchtet. „Xaver“ hinterließ zwar deutliche Spuren in Berlin, die Feuerwehr rückte zu 440 Einsätzen aus, verletzte Menschen gab es aber nicht. Um 16.40 Uhr wurde die Unwetterwarnung aufgehoben, der Deutsche Wetterdienst warnte lediglich vor „markantem Wetter“. „Wir haben mit Schlimmerem gerechnet, sind aber mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Feuerwehrsprecher Sven Gerling. Ein Großteil der Einsätze seien reine Aufräumarbeiten gewesen.

Nach 150 Einsätzen in der Nacht musste die Berufsfeuerwehr mit der Unterstützung von sechs Freiwilligen Feuerwehren bis zum Freitagnachmittag rund 280 Einsätze fahren. Erst gegen Abend wurde es ruhiger.

175 Kinder in Sicherheit gebracht

An der Wilskistraße in Zehlendorf drohte in den Mittagsstunden eine rund 25 Meter hohe entwurzelte Kiefer auf das Dach eines der Gebäude einer Kindertagesstätte zu fallen. Die Feuerwehr brachte nach Angaben von Augenzeugen 175 Kinder aus dieser Kita in Sicherheit. Sie wurden in ein anderes, sicheres Gebäude gebracht. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers bestand auch die Gefahr, dass dieser Baum auf die unmittelbar hinter der Kita verlaufenden oberirdischen Gleise und die Stromschiene der U-Bahn-Linie 3 hätte stürzen können. Der U-Bahn-Verkehr war deshalb zwischen Breitenbachplatz und Krumme Lanke für mehrere Stunden gesperrt.

Die Feuerwehr ließ den Baum an Seilwinden kontrolliert umstürzen. Die zersägten Baumteile wurden schließlich mit einer Arbeitslore der BVG auf den Schienen abtransportiert. Mit vier Bussen und vier Großraumtaxis hatte die BVG einen Ersatzverkehr zwischen den Stationen Krumme Lanke und Breitenbachplatz eingerichtet.

Die S-Bahn konnte vorübergehend zwischen Wannsee und Zehlendorf nicht fahren, da die Gleise blockiert waren. Verspätungen gab es bei einigen Regionalzügen aufgrund von Schneeverwehungen und einer beschädigten Stromleitung.

In Tegel 30 Landungen und Abflüge gestrichen

Bahn- und Flugreisende bekamen die Auswirkungen des Sturmes ebenfalls mit. Auf dem Flughafen Tegel wurden bis zum Mittag je 30 Landungen und Abflüge gestrichen. Kurzzeitig war auch die Bahnverbindung zwischen Berlin und Hamburg unterbrochen. Ein umgestürzter Baum blockierte die Gleise. Fahrgäste wurden mit Bussen nach Hamburg gebracht. Nach Angaben eines Bahnsprechers hätten sich viele Züge verspätet, da sie wegen der Windböen nicht so schnell wie sonst fahren konnten.

Auf dem Potsdamer Platz wurde eine große Werbewand so stark vom Sturm beschädigt, dass sie abgenommen werden musste. Meterlange Bauzäune wurden vom Sturm umgerissen und schwankende Baugerüste mussten gesichert werden. Der Sturm ließ in Berliner Wohnungen auch das Licht flackern. Grund dafür waren Spannungsschwankungen im lokalen Stromnetz, sagte Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann. Überlandkabel wurden durch den Strom so stark zum Schwingen gebracht worden, dass sie sich berührten.

Prominentester Baum der Republik gefällt

Den wohl prominentesten Baum der Republik erwischte „Xaver“ vor dem Schloss Bellevue, dem Amtssitz von Bundespräsident Joachim Gauck. In der Nacht zu Freitag hatte eine heftige Windböe den Weihnachtsbaum, eine 13 Meter hohe Tanne, umgerissen. Im Stadtgebiet wurden dutzende Straßenbäume entwurzelt, sie stürzten gegen Hauswände und auf Autos. Es entstand Sachschaden. In den Berliner Wäldern hat das Orkan-Tief vereinzelt Bäume entwurzelt und zu Brüchen von Baumkronen geführt, lautet die erste Bilanz der Berliner Forstbetriebe am Freitagnachmittag. „Beim Betreten des Waldes ist besondere Vorsicht geboten. Es geschieht auf eigene Gefahr", sagt Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten. „Wir weisen darauf hin, dass beim Betreten der Wälder am kommenden Wochenende und nächste Woche besondere Aufmerksamkeit wegen möglicherweise herabstürzender Äste und Baumteile notwendig ist.“ Die Forsten raten dringend, auf das Tragen von Kopfhörern zu verzichten, damit warnende Geräusche nicht überhört werden.

Eine erste Schadensbilanz für Brandenburg fällt ebenfalls besser aus, als gedacht: abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume, vom Sturm verwehte Busse und Lkw, aber keine Verletzten. Bis Freitagmittag meldeten die fünf Regionalleitstellen der Feuerwehr rund 500 Einsätze.