Die Öffnung der Friedrichstraße in Berlin-Mitte droht immer mehr zur Posse zu werden. Anfang Dezember und damit ein halbes Jahr eher als zuvor gesagt, werde die seit 18 Monaten für den Autoverkehr gesperrte Nord-Süd-Verbindung wieder freigegeben, so hat es Verkehrssenator Michael Müller (SPD) Mitte November stolz verkündet.
Sozusagen ein kleines Weihnachtspräsent für die Händler an der beliebten Einkaufsstraße. Doch bis heute können Autos den gesperrten Abschnitt zwischen Mittelstraße und Behrenstraße nicht passieren.
Kein Wunder: War doch Müllers Ankündigung weder mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), die den U-Bahn-Bau in diesem Bereich managen, noch mit der Verkehrslenkung Berlin (VLB) in der eigenen Behörde zuvor abgesprochen. Letztere hatte einem Veranstalter auf der gesperrten Straße einen Glühweinausschank mit Eisbahn bis zum 31. Dezember 2013 genehmigt.
Die Genehmigung kann zwar widerrufen werden, dem Veranstalter steht dann jedoch eine hohe Entschädigung zu. Die VLB sucht nun fieberhaft nach einem neuen Standort für die Curling-Bahn und brachte zunächst den Pariser Platz dafür ins Gespräch. Diesen Ort will das Bezirksamt Mitte aber keinesfalls genehmigen.
Hatte sich der Bezirk doch einst auf Drängen des Senats dazu verpflichtet, den Platz vor dem symbolträchtigen Brandenburger Tor von allzu kommerziellen Vergnügungen freizuhalten. Werde jetzt die Eisbahn genehmigt, könnte andere Veranstalter mit Verweis auf den Tabubruch folgen, heißt es.
Eine 3,5 Zentimeter tiefe Senke
Und es gibt noch ein weiteres Hindernis: Bislang lehnt das Tiefbauamt des Bezirks die Abnahme des gesperrten Abschnitts der Friedrichstraße wegen Baumängeln ab. Konkret geht es um eine 3,5 Zentimeter tiefe Senke, die offenbar im Sommer beim Asphaltieren auf der Kreuzung mit der Behrenstraße entstanden ist.
Bei einer Begehung am 3. Dezember bekräftigte die zuständige Bauingenieurin, dass der Bezirk ohne die Beseitigung der Senke die Verkehrsfläche nicht übernehmen wird. Die BVG bezeichnet den Deckenschluss hingegen als „ordnungsgemäß“. Noch immer ungelöst sind an der Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden aber auch Probleme mit der Ampelschaltung sowie mit der Verkehrsführung im weiterhin bestehenden Baustellenbereich.
Müller hält trotz aller Widerstände an der – unter Verkehrsexperten durchaus umstrittenen – vorzeitigen Straßen-Eröffnung fest. Neuer Termin soll nun der 14. Dezember 2013 sein, so war es nach einem Krisentreffen am Donnerstag inoffiziell zu hören. Bis dahin soll ein Alternativstandort für die Eisbahn gefunden sein. Es gebe dafür mehrere Angebote. Die BVG wiederum wurde von der VLB jetzt aufgefordert, das bemängelte Straßenstück bis Ende nächster Woche abzufräsen und neu zu asphaltieren. Angesichts des hereinbrechenden Winterwetters ein sehr ambitionierter Zeitplan, heißt es dazu aus dem Bezirksamt Mitte.





