Anwohner bestimmter Berliner Straßen werden in Zukunft mehr für die Straßenreinigung zahlen müssen. So könnten die Gebühren, die die Berliner Stadtreinigung (BSR) erhebt, in manchen Bereichen um bis zu 43 Prozent steigen. Grund dafür ist eine geplante Verordnung von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), die vorsieht, dass neben den vier derzeitigen Reinigungsklassen für Straßen zwei neue Kategorien hinzukommen sollen. Ziel sei es, die Sauberkeit mancher Straßen und viel frequentierter Bereiche zu verbessern. Die Männer in der orangefarbenen Montur der BSR werden also künftig mehr zu tun haben als sonst.

Straßen der neuen Klasse „1 plus“ werden von der BSR als gut ausgebaut mit einem „besonders starken Verschmutzungsgrad“ bezeichnet. Die Reinigung der Gehwege, der Grünstreifen und der Fahrbahnen finde derzeit sieben Mal die Woche statt. Nun sollen sie an Tagen mit hoher Besucherdichte sogar zehn Mal wöchentlich gesäubert werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost könnte mit der Klasse 1 plus eine tägliche Reinigung auch bis 22 Uhr möglich sein. Anlieger der 1-plus-Straßen müssten laut einem Bericht der „Bild“ 34 Cent pro Quartal, also zehn Cent mehr pro Quadratmeter, zahlen. Für die neuen „2 plus“-Straßen müsste mit einer 20-prozentigen Steigerung gerechnet werden.

Mehr Touristen sorgen für größere Verschmutzungen

Die BSR begrüßt die neue Regelung. „Die geplante Erweiterung des Systems um zwei neue Reinigungsklassen ist der richtige Weg. Die bisherigen Klassen stammen aus einer Zeit, als die Geschäfte werktags bis 18 Uhr und sonnabends bis 13 Uhr geöffnet waren“, sagte BSR-Sprecher Sebastian Harnisch der Berliner Morgenpost. Dies sei schon lange nicht mehr der Fall, und entsprechend mehr Müll fiele auch an. Dazu kommt, dass immer mehr Touristen die Hauptstadt besuchen und sich die Menschen häufiger draußen aufhielten, so Harnisch weiter.

Zu den 1-plus-Straßen gehöre beispielsweise auch der Kurfürstendamm. „Bis jetzt zahlen die Anwohner die Reinigung selber“, sagte Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft City. Es sei ein wichtiger Schritt, diese neuen Klassen einzuführen, jedoch bestehe auch die Angst, dass dies nicht ausreiche. Die AG City habe einen freiwilligen Vertrag mit der BSR, sodass zweimal täglich die Straßen in diesem Abschnitt gesäubert werden. „Mit den neuen Klassen kann es dazu kommen, dass eventuell nur noch einmal gereinigt wird“, sagte Kupsch. Am meisten verschmutzt seien die Bereiche vor dem U-Bahnhof Uhlandstraße und dem KaDeWe. Dort seien täglich mehrere Reinigungen notwendig.

Auch Anwohner der Straßen der Klasse 2 plus könnten mit einem erhöhten Einsatz der BSR und damit steigenden Gebühren rechnen. Denn: Wenn der Plan in Kraft trete, müssten auch mehr Mitarbeiter eingestellt werden, sagte Harnisch. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollte sich nicht dazu äußern, da die Verordnung noch in Planung sei.

rm