Bereits im Frühjahr 2014 will der Berliner Investor Harald G. Huth auf dem einstigen Wertheim-Areal am Leipziger Platz eine gigantische Shoppingmall mit einer Einzelhandelsfläche von 76.0000 Quadratmetern eröffnen. Autofahrer und Passanten an der Leipziger Straße in Mitte können sich täglich davon überzeugen, wie rasant die Bauarbeiten voranschreiten.
Doch nun hat der erfolgsverwöhnte Projektentwickler, der unter anderem auch die Gropiuspassagen in Neukölln und „Das Schloss“ an der Schloßstraße in Steglitz errichtet hat, vor Gericht eine ernste Schlappe erlitten.
Wie der Vorbesitzer des Wertheim-Areals am Leipziger Platz, die Orco Germany mitteilte, hat das Landgericht Berlin sämtliche Ansprüche der Huth-Unternehmen an die Orco zurückgewiesen. Demnach hatte Huth im Jahr 2012 Ansprüche in Höhe von rund neun Millionen Euro geltend gemacht.
Diese Summe hatte Orco beim Verkauf des Areals an Huth im Jahr 2009 als Rücklage auf einem Treuhandkonto hinterlegt, um mögliche Zahlungen zu leisten, die aus einem anhängigen Nachbarschafts-Rechtstreit im Zusammenhang mit dem Leipziger Platz entstehen könnten.
Gerichtssprecher Ulrich Wimmer bestätigte am Montag gegenüber der Berliner Morgenpost, dass eine entsprechende Klage Huths gegen die Orco von der 33. Zivilkammer des Gerichts abgewiesen wurde. Allerdings liege die Urteilsbegründung des bereits am 14. November 2013 ergangenen Urteils noch nicht schriftlich vor.
Einigungsversuch gescheitert
Nach Darstellung der Orco hatte das Gericht während der Anhörung, bei der beide Parteien anwesend waren, Huth vorgeschlagen, sich gütlich zu einigen, worauf dieser jedoch nicht eingegangen sei. Daraufhin habe das Landgericht die Güteverhandlung beendet und mit direkt folgendem Urteil alle Ansprüche seitens der HGHI an die Orco zurückgewiesen. Zudem müsse Huth die Kosten des Verfahrens übernehmen.
Harald Huth wollte sich zu Details des Millionen-Streits nicht äußern. Nur soviel: „Wir werden auf jeden Fall Berufung einlegen, denn unsere Ansprüche sind begründet“, so Huth gegenüber dieser Zeitung. Der krisengeschüttelte Immobilienkonzern Orco hatte das Areal am Leipziger Platz an Huth verkaufen müssen. Voraussetzung damals: Die Einigung mit einem Nachbarn über eine Entschädigung. Für das 22.000 Quadratmeter große Areal hatte Orco Ende 2006 75 Millionen Euro gezahlt.
Der Leipziger Platz war das letzte und zugleich größte Projektvorhaben, das die klamme Orco-Gruppe in Berlin noch hatte. Das hoch verschuldete Unternehmen hatte auch das Haus Cumberland am Kurfürstendamm sowie das Luxus-Wohnprojekt Fehrbelliner Höfe verkaufen müssen.
In dem zwischen Orco und Huth geschlossenen Kaufvertrag gibt es indes eine weitere offene Rechnung. Ein Teil der Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag sieht nach Orco-Angaben vor, dass HGHI im Verkaufsfall und nach Übergabe des Grundstücks, spätestens am 9. Juni 2015, 30 Millionen Euro an Orco zahlen muss. Kämpferisch heißt es in der Unternehmensmitteilung: „Orco Germany verfolgt die Entwicklung am Leipziger Platz mit großem Interesse und Stolz und sieht sowohl der Auflösung des Treuhandkontos, als auch dem Empfang der 30 Millionen Euro bei Projektverkauf entgegen.“ Weiterer Streit scheint also programmiert.





