Traditionslokal

Berlin bekommt seine Wannsee-Terrassen zurück

Endlich! Das 2001 abgebrannte Lokal „Wannsee-Terrassen“ wird wieder aufgebaut. Spätestens ab Sommer 2014 können Ausflügler wieder die Aussicht auf das Wasser genießen – nur die Architektur ist neu.

Wo schon in einigen Monaten Tische und Stühle stehen werden, ist im Moment noch nackter Beton. Der Wind fegt vom Wasser durch das Gerüst in den Rohbau. Schutzplanen flattern, dahinter stapelt sich Baumaterial.

Noch ist nur zu ahnen, wie der fertige Bau aussehen wird. Doch der Blick auf den Wannsee und die Havel ist atemberaubend wie immer. Seit mehr als 80 Jahren schätzen Ausflügler diesen Blick auf das Wasser von den Wannsee-Terrassen aus.

Zwölf Jahre mussten die Berliner darauf verzichten. 2001 hatte ein Brand das Lokal total zerstört. Jetzt wird es wieder aufgebaut. Der Hochbau ist so gut wie abgeschlossen. Einen Termin für das Richtfest konnten die Arbeiter vor Ort allerdings noch nicht nennen. Aber bereits Ende des Jahres oder spätestens im Frühjahr 2014 soll die traditionsreiche Gaststätte wieder eröffnen.

Neubau der Wannsee-Terrassen kostet drei Millionen Euro

Eigentümer und Bauherr ist Harald G. Huth, der unter anderen die Einkaufszentren „Das Schloss“ in Steglitz und die „Gropius-Passagen“ in Neukölln gebaut hat. Aktuell ist er mit seiner Firma High Gain House Investments GmbH (HGHI) dabei, am Leipziger Platz für 460 Millionen Euro ein Stadtquartier mit 270 Läden und Wohnungen zu errichten. Dagegen nimmt sich der Neubau der Wannsee-Terrassen mit einer geschätzten Investitionssumme von drei Millionen Euro eher wie ein Nebenschauplatz aus. Doch für Harald G. Huth ist es mehr als ein Liebhaberprojekt.

Er gerät ins Schwärmen, wenn er von dem künftigen Gartenrestaurant erzählt. Das Haus werde noch „schicker und toller“ als die alten Wannsee-Terrassen, sagt der Bauherr. Er wolle „etwas Schönes“ den Berlinern zurückgeben, auf das sie „stolz sein können“.

Insgesamt 850 Plätze entstehen in dem Restaurant am Wannseebadweg 35. Davon sind 350 im Innenbereich und 500 auf der Terrasse. Der Neubau erinnert nur noch in der Grundfläche an den Vorgängerbau. Huth lässt die Wannsee-Terrassen im englischen Landhaus-Stil wiederentstehen. Dazu kommen Elemente der alten Römer und Griechen. Die sind auch bereits zu erkennen. Ein halbrunder Erker, der sich zum Wasser öffnet, wird von hohen Säulen gestützt. Mehrere kleine Vor- und Anbauten geben dem Haus ein verspieltes, aber auch herrschaftliches Äußeres.

Berliner Investor Huth kaufte Wannsee-Terrassen bereits 2006

Bereits 2006 hat Harald G. Huth das mehr als 8000 Quadratmeter große Grundstück gekauft. Erst im Frühjahr dieses Jahres wurde die Baugenehmigung vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf erteilt. Von einer fünfjährigen Verzögerung spricht der Investor, von „langen Verhandlungen und vielen strittigen Themen“ spricht Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU). So ging es zunächst darum, ob eine Wohnung für den Restaurantpächter oder einen Hausmeister im Dach eingebaut werden darf. Das hätte das Gerücht in Umlauf gebracht, dass Huth dort selbst einziehen wolle, sagt der Baustadtrat. Doch da das Gelände im sogenannten Außenbereich liege, sei Wohnen ohnehin nicht gestattet. Deshalb wird es in dem Haus jetzt auch nur Gasträume geben.

Ein nächster Streitpunkt waren die Sitzplätze. Huth wollte 1000 Plätze im Außenbereich schaffen. Das sah das Bauamt kritisch. „Die Leute wollen doch heute mit dem Auto bis an den Tisch heranfahren“, sagt Norbert Schmidt. Da aber kein neuer Parkplatz entsteht, sei zu erwarten, dass die Besucher zuerst versuchen, vor dem Strandbad Wannsee ihr Auto abzustellen. Fänden sie dort keinen Platz, würden sie vermutlich weiter fahren bis nach Schwanenwerder und dort die Inselstraße blockieren. Aus diesem Grund habe sein Amt darauf bestanden, die Sitzplätze auf der Terrasse auf 500 zu reduzieren. Nun sind alle Punkte geklärt. Schmidt ist froh, dass „das traditionelle Ausflugslokal mit seiner großartigen Geschichte und dem wunderbaren Ausblick“ wieder in Betrieb geht. Er rechnet im Sommer kommenden Jahres mit der ersten richtigen Saison.

Beliebtes Ausflugslokal im alten West-Berlin

Die Wannsee-Terrassen wurden 1937 nördlich vom Strandbad Wannsee eröffnet. Bereits zehn Jahre später ging das Lokal mit dem typischen Reetdach das erste Mal in Flammen auf. Nach drei Jahren war es wieder aufgebaut und gehörte bis zum Mauerfall zu den beliebtesten Ausflugslokalen im alten West-Berlin. Gerade in der Sommersaison war kein Platz mehr auf der Terrasse zu finden. Aber auch für Hochzeiten und Geburtstage wurde der Gastraum gern gemietet.

Weihnachten 2001 kam es durch eine defekte Dunstabzugshaube zu einem zweiten Brand, bei dem das Lokal bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Etwa 100 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, das Feuer einzugrenzen. Begünstigt durch das leicht entflammbare Reetdach und einen starken Wind brannte das Gebäude aus. Der Schaden lag in Millionenhöhe. Der damalige Inhaber wollte das Haus binnen eines Jahres wieder aufbauen, gab dann aber auf. Das Gelände fiel an den Liegenschaftsfonds, der es zum Verkauf anbot.

Auf der Baustelle dreht sich bereits ein Kran

Fast hätte das Ausflugslokal nicht wieder aufgebaut werden können. Zu Verwirrungen zwischen Senat, Bezirk und der Abrissfirma kam es knapp zwei Jahre nach dem Brand im Sommer 2003. Die Abrissfirma hatte ganze Arbeit geleistet und keinen einzigen Stein im Waldboden übrig gelassen. Das war das Problem. Weil das Areal im Wasserschutzgebiet liegt, konnte die Baugenehmigung für den Wiederaufbau nur erteilt werden, wenn die Fundamente erhalten geblieben wären. Ohne „Restruine“ keine Rechtsnachfolge für den Wiederaufbau, argumentierte damals die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Als die Wannsee-Terrassen in den 30er-Jahren gebaut wurden, gab es noch keine Wasserschutzzone in diesem Gebiet. Aus diesem Grund hatte das Lokal auch nach dem Festlegen der Schutzzonen Bestandschutz. Dieser war aber mit dem Verschwinden der letzten Steine erloschen. Der damalige Baustadtrat wies alle Schuld von sich. Er hatte schriftlich gefordert, Fundamente und Keller zu erhalten. Bei der Abrissfirma war man hingegen der Meinung, dass die Fundamente ohnehin kein Haus mehr getragen hätten und an der Stelle der Wannsee-Terrassen wieder Wald entstehen sollte. Der Liegenschaftsfonds schaltete sich ein und am Ende gab es doch wieder eine Baugenehmigung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Nun dreht sich bereits ein Kran auf der Baustelle. Am Mittwoch waren die Arbeiter dabei, eine Treppe im Außenbereich zu bauen. Aus dem Kellergeschoss war ein hoher Schleifton zu hören. Steine mussten mit dem Trennschneider passend geschnitten werden, um die Mauern für die Sanitäreinrichtungen hochzuziehen. Trotz Sandbergen und Bauschuttcontainer ist es ohne Zweifel die Baustelle mit dem schönsten Blick.