Donnerstagnachmittag in einem tristen fensterlosen Raum im Backstage-Bereich der Columbiahalle. Laurent Brancowitz und Deck D’Arcy von der französischen Indiepop-Band Phoenix sitzen auf einem schwarzen Sofa. Es ist ihr letzter Interviewtermin an diesem Tag. Am Abend stehen die beiden mit ihren Kollegen Thomas Mars und Christian Mazzalai in der ehemaligen Sporthalle der US-Alliierten in Tempelhof auf der Bühne. Bis dahin muss noch der Soundcheck absolviert und der Kater vom letzten Abend auskuriert werden.
Seit Mittwochmittag sind die vier Pariser in der Stadt. Zuvor standen München und Frankfurt sowie Stationen in ganz Europa und den USA auf dem Tourplan. Für Berlin haben sich Phoenix einen Tag länger Zeit genommen. In der Stadt hatten sie 2005 ihr viertes Album „It’s Never Been Like That“ aufgenommen und kehren schon seit Beginn ihrer Karriere immer wieder gern zurück.
Erst mal ins Pergamonmuseum und auf ein Schnitzel ins „Borchardt“
„In Berlin verändert sich alles so unglaublich schnell“, sagt Deck D’Arcy. „Wir sind jedes Mal viel zu kurz hier, aber versuchen trotzdem immer etwas Neues zu sehen.“ Am Mittwochnachmittag besucht er also „das coolste Museum der Welt“ und meint damit das Pergamonmuseum in Mitte. Am Abend wird gefeiert. Es ist der Geburtstag eines Freundes aus der 24-köpfigen Crew. Im „Borchardt“ gibt es Schnitzel. In der gediegenen Atmosphäre des Promi-Restaurants fällt die große Gruppe negativ auf. „Wir haben ‚Happy Birthday‘ gesungen und ein Flötenkonzert gespielt.
Der Kellner hat uns gebeten, das doch bitte leiser zu tun“, sagt Deck D’Arcy amüsiert. Zurück im Hotel ergeht es ihnen nicht besser. „Ich glaube, wir können nie wieder dorthin zurück. Wir stehen dort jetzt auf der schwarzen Liste“, so Laurent Brancowitz. „Es war ein Dudelsack involviert, deshalb habe ich dafür sogar ein wenig Verständnis. Aber die Party war es wert.“
Die Auswirkungen des Abends sind noch am Donnerstagnachmittag spürbar. „Tage wie heute versuchen wir eigentlich zu vermeiden“, sagt Brancowitz. Auf ein ausgiebiges Mittagessen wird deshalb verzichtet. Die Band verbringt den Tag mit Interviews und Vorbereitungen in der Columbiahalle. „Eat to win“ – „Essen, um zu gewinnen“, zitiert der Gitarrist einen Buchtitel des amerikanischen Ernährungswissenschaftler Robert Haas für Sportler. Mehr als ergebnisorientierte Nahrungsaufnahme ist für die Bandmitglieder an diesem Nachmittags nicht drin.
Das Publikum in der Columbiahalle ist in Höchstform
Das Catering im Backstage-Bereich muss dafür reichen. „An Tagen, an denen wir Konzerte spielen, sehen wir das sehr pragmatisch. Dann gehen wir nicht zum Essen aus“, sagt D’Arcy. Denn wohin das führt, habe man ja am Vortag gesehen.
„Heute ist ein Scheiß-Tag“, sagt Laurent Brancowitz wieder. Ob es trotzdem ein guter Auftritt werde, wisse man erst, in dem Moment, in dem man auf der Bühne stehe. „Das hängt immer von den Fans ab. Manchmal sind wir grottenschlecht und das Publikum feiert trotzdem. Manchmal spielen wir super und es passiert überhaupt nichts.“
Das Konzert in der Columbiahalle wirkt zumindest aus der Zuschauerperspektive wie der beste anzunehmende Fall: Publikum und Band sind in Höchstform. Bereits beim ersten Song „Entertainment“ aus dem aktuellen Album „Bankrupt“ gibt es kein Halten mehr. Nach einer Stunde Best-of-Phoenix, Stagediving und einer 30-minütigen Zugabe verabschieden sich die Franzosen von ihren Berliner Fans. Noch bevor die letzten Gäste ihre Jacken von der Garderobe abgeholt haben, ist vom Bühnenequipment kaum noch etwas zu sehen. Der Tourplan ist eng getaktet.
Ganz ohne Party wird aber auch dieser Abend sicher nicht zu Ende gehen, selbst wenn es dieses Mal bei Backstage und Tourbus bleibt. Schließlich ist es der 37. Geburtstag von Leadsänger Thomas Mars, Ehemann von US-Regisseurin Sofia Coppola. Seine Band-Kollegen haben ihm deshalb zum Abschluss des Konzerts von den Fans ein Ständchen singen lassen. Noch in der Nacht geht es für die vier Jungs weiter. Auf zum nächsten Konzert nach Düsseldorf, wo am kommenden Morgen alles wieder von vorn beginnt.





