Überraschende Wende im Fall der seit rund einem Jahr in einem Zeltdorf auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg lebenden Flüchtlinge. Sie können kurzfristig in das ehemalige Caritas-Seniorenheim „Zum Guten Hirten“ an der Residenzstraße in Wedding ziehen.
Der zum Erzbistum Berlin gehörende Caritasverband habe das Haus für eine vorübergehende Nutzung über die Wintermonate zur Verfügung gestellt und werde die Unterkunft für bis zu 80 Flüchtlingen auch betreiben. Das teilten die Senatssozialverwaltung, das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und das Erzbistum in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Finanziert wird die Unterbringung mit 136.000 Euro aus Mitteln der Kältehilfe, die der Senat zur Verfügung stellt, „sowie durch vielseitiges ehrenamtliches Engagement des Caritasverbandes“, wie es weiter in der Erklärung heißt. Die Caritas bereite derzeit mit Unterstützung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales das notwendige Mobiliar und die Versorgungsstrukturen vor.
„Eine humanitäre Lösung für die Flüchtlinge“
Die Prüfung des Hauses für einen kurzfristigen Umzug der Flüchtlinge seien am Freitagnachmittag erfolgreich abgeschlossen worden, hieß es von der Caritas. Ein Termin stand noch nicht genau fest. Frühestens könnten die Flüchtlinge am Sonnabendabend einziehen.
Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, und die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka fuhren noch am Freitag zum Oranienplatz, um die Flüchtlinge zu informieren. Sie sei überzeugt, dass diese zum Umzug nach Wedding bereit seien, sagte Herrmann der Berliner Morgenpost.
„Ich freue mich, dass nun eine humanitäre Lösung für die Flüchtlinge am Oranienplatz gefunden wurde und danke allen Beteiligten, vor allem dem Caritasverband, für die Unterstützung dabei“, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Damit werde der rechtswidrige Zustand am Oranienplatz beendet.
„Mit vereinten Kräften konnte eine gute Lösung gefunden werden“, sagte Monika Herrmann. Sie hatte bereits vor drei Wochen begonnen, zusammen mit den Flüchtlingen Regeln für das künftige Zusammenleben im Winterquartier zu erarbeiten.
„Die Flüchtlinge wollen, dass nicht jeder in das Haus rein und dort übernachten kann“, so die Bürgermeisterin. Das seien Lehren aus der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Dort hätten die Flüchtlinge vom Oranienplatz mitbekommen, dass auch viele andere obdachlose Menschen Unterschlupf suchten. Streitigkeiten untereinander gefährdeten dort den sozialen Frieden.
„Wir sehen es als unsere christliche Aufgabe an, Hilfe für die Flüchtlinge zu leisten. Gemeinsam mit Kardinal Woelki heißen wir sie willkommen“, erklärte Ulrike Kostka.
ab/dpa




