Die beiden großen Kirchen fordern eine Verbesserung der Flüchtlingspolitik, sowohl in Deutschland als auch in Europa. „Die Residenzpflicht muss aufgehoben werden, den Wohnort frei zu wählen gehört zu den Menschenrechten“, sagte der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei einem Treffen mit Flüchtlingen in einer Einrichtung der evangelischen Kirchengemeinde Heilig-Kreuz-Passion in Berlin-Kreuzberg.

Außerdem forderte er einen erleichterten Zugang der Flüchtlinge nach Europa. „Unsere Mauer kann nicht das Mittelmeer sein“, so Woelki.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, kritisierte die Art, wie nicht nur innerhalb Europas, sondern auch auf Bundesebene mit Asylsuchenden umgegangen würde. „Dieses unwürdige Spiel, dass man sich gegenseitig die Menschen zuschiebt, muss ein Ende haben“, sagte Schneider.

Der Termin war auch mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen gewählt worden. Die Kirchen versuchen, der Politik mit einem guten Beispiel voranzugehen. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat man gemeinsam für die 25 Flüchtlinge, die wochenlang am Brandenburger Tor campiert hatten, eine Unterkunft gefunden.

Einen zehntägigen Hungerstreik hatten die 23 Männer und zwei Frauen im Oktober nach Verhandlungen mit der Berliner Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) ausgesetzt. Danach waren sie vorläufig in der Kirchengemeinde Heilig-Kreuz-Passion untergekommen.

Momentan haben sie in Berlin keinen gültigen Aufenthaltstitel

An diesem Dienstag sollen sie nun in ein Wohnhaus der katholischen Aachener Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft ziehen. Dort können sie bis Ende Januar 2014 bleiben. Zu diesem Zeitpunkt soll auch über ihre Asylanträge entschieden worden sein. Momentan haben sie in Berlin keinen gültigen Aufenthaltstitel.

Die beiden Kirchenvertreter hatten am Montag in der Einrichtung an der Gitschiner Straße im persönlichen Gespräch mit einigen der Flüchtlinge vom Brandenburger Tor sich selbst ein Bild ihrer Probleme gemacht. Erzbischof Woelki bat um Verständnis, dass er über die Sorgen und Ängste, die die Menschen ihnen anvertraut hätten, nicht öffentlich sprechen wollte.

Der EKD-Vorsitzende Schneider war gerade von seiner Reise nach Jordanien zurückgekommen, wo er sich mit syrischen Flüchtlingen getroffen hatte. Die Zahl von 5000 Menschen, die Deutschland bislang bereit gewesen war aufzunehmen, reiche bei Weitem nicht aus, sagte er. Es sollten eher 20.000 Menschen sein, so Schneider.

Erzbischof Woelki sprach auch die konkrete Situation in Berlin an und forderte die Behörden zu mehr Kooperation auf. „Wir brauchen mehr Unterkünfte“, sagte er. Seit einem Jahr stehe ein ehemaliges Altersheim an der Residenzstraße frei, dort gebe es 80 Plätze. Die Caritas habe diese dem Land angeboten. Allerdings zögen sich die Verhandlungen mit den zuständigen Ämtern in die Länge. Es gelten besondere Auflagen für Flüchtlinge. „Es kann nicht sein, dass durch einzelne Behörden ein Sanierungsstau entsteht“, so Woelki.

jul