In der Kreuzberger Arbeitsagentur haben am Dienstag die Reparaturen der Schäden begonnen, die Diebe durch die Sprengung eines Geldautomaten angerichtet hatten. Es werde mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis der Betrieb wieder normal läuft, sagte ein Sprecher. Die von der heftigen Detonation verursachten Schäden im Foyer des Jobcenters an der Rudi-Dutschke-Straße 3 seien erheblich.
Hartz-IV-Empfänger müssen vorerst in die Arbeitsagentur Mitte ausweichen, wenn sie eilige Zahlungen wegen individueller Notlagen benötigen. In der Arbeitsagentur Mitte können sie sich mit einer einmalig gültigen Scheckkarte Beihilfen oder Vorschüsse auszahlen lassen. Alle übrigen Anliegen würden weiterhin in auch Kreuzberg bearbeitet, teilte der Sprecher mit. Durchschnittlich suchen 700 bis 800 Menschen das Kreuzberger Jobcenter auf.
Am Dienstag waren erneut Kriminaltechniker in dem Gebäude, um Spuren zu sichern, die Aufschlüsse zu den Tätern erbringen sollen.
Polizei geht von zwei maskierten Tätern aus
Der spezielle Geldautomat, der von Bankkunden nicht genutzt werden konnte, war nach Polizeiangaben am Sonntag gegen 23.30 Uhr gesprengt worden. Durch die Druckwelle der Explosion wurde die Fassadenfront vollständig zerstört, Trümmerteile und Formulare wurden auf den Gehweg geschleudert. Die Täter hatten sich nach ersten Erkenntnissen der Ermittler Zutritt ins Gebäude verschafft, indem sie ein Fenster aufhebelten.
Die Polizei geht von zwei maskierten Tätern aus, die nach Aussagen eines Wachmanns aus dem Jobcenter flüchteten. Der Sicherheitsmitarbeiter hatte die Männer nach der Explosion von der Axel-Springer-Passage aus sehen können. Von zwei Geldkassetten, welche die Täter erbeuten konnten, fehlt bislang jede Spur.
Fast Hälfte aller Sprengungen in Berlin
In diesem Jahr gab es in Berlin laut Polizei bereits 23 Fälle, in denen Diebe einen Geldautomaten sprengen wollten. Zwölf davon schlugen fehl. Noch vor einem Jahr habe es nur vereinzelt Diebstahlversuche durch eine Explosion gegeben, sagte eine Sprecherin der Polizei.
Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete bundesweit 51 Fälle, bei denen Geldautomaten mit Gas gesprengt wurden. Nur 13 davon seien vollendet worden. In der Statistik sind allerdings nur Vorfälle bis Mitte September berücksichtigt. Für ihre Taten verwendeten die Diebe meist ein Gasgemisch, das sie in die Automaten einleiten und elektrisch zünden, hieß es.
Der erste Fall in Deutschland ereignete sich laut BKA 2005 in Köln. Die seither identifizierten Verdächtigen seien überwiegend deutsche Staatsbürger, die lokal aktiv waren. Laut BKA handelte es sich immer um Bandenkriminalität, die aber keine Verbindungen zur organisierten Kriminalität aufweise.
dpa/pol/ap




