Die Berliner Polizei steht in den kommenden Jahren vor einem gewaltigen Kraftakt. Die Behörde muss Tausende in den Ruhestand tretende Beamte durch Neueinstellungen ersetzen. Doch an geeignetem Nachwuchs herrscht ein erschreckender Mangel.

Auch in den Ausbildungseinrichtungen fehlt es an vielem. Geeignete Räumlichkeiten und die notwendige Ausstattung werden zum großen Teil erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen. Das wurde am Montag in der turnusmäßigen Sitzung des Innenausschusses deutlich.

Der Ausschuss war für diese Sitzung eigens vom Abgeordnetenhaus in das Ausbildungszentrum der Polizei (ehemals Landespolizeischule) in Ruhleben umgezogen. Dort präsentierten Polizeipräsident Klaus Kandt und der Leiter der Polizeiausbildung, Harald Wunderlich, den Abgeordneten besorgniserregende Zahlen und Fakten.

Mangelnde Qualifizierung selbst bei Abiturienten

Die Realität in der Behörde sehe so aus, dass von 15 Bewerbern am Ende nur einer aufgenommen würde, teilte Wunderlich den Ausschussmitgliedern mit. 984 Anwärter sollten bis 2016 eingestellt werden, bisherige Erfahrungen hätten ergeben, dass man zur Besetzung aller Stellen knapp 15.000 Bewerber benötige, führte der Ausbildungsleiter weiter aus.

Die mangelnde Qualifizierung, die sich selbst bei Abiturienten zeige, sei nur ein Grund für die hohe Zahl an Ausfällen, sagte Wunderlich. Denn Hochqualifizierte würden sich zwar auch für eine Ausbildung bei der Polizei bewerben, dann letztlich aber doch wieder abspringen, um einen anderen Beruf zu ergreifen. Auf diesen Umstand wies auch der Polizeipräsident hin. „Anwärter in Berlin werden im Vergleich zur Bundespolizei und den anderen Ländern um 15 Prozent schlechter bezahlt, da muss etwas passieren. Wir müssen in den Nachwuchs investieren“, forderte Kandt.

„Jetzt rächt sich, das jahrelang gar nicht ausgebildet wurde“

Nicht nur der Mangel an geeignetem Nachwuchs bereitet der Polizei Probleme. Die künftigen Ausbildungsmaßnahmen erforderten laut Wunderlich „eigentlich schon jetzt“ ein neues Dienstgebäude, bezugsfertig wird es aufgrund langwieriger Planungsphasen aber wohl erst Anfang 2016. Andere Gebäude sowie vorhandene Sportanlagen und ein Schießstand in einem völlig desolaten Zustand müssten nach Darstellung der Polizeiführung dringend renoviert werden, zudem benötige die Behörde 170 neue Fachlehrer und Ausbilder. Allein die Bau- und Renovierungskosten belaufen sich auf mehr als 30 Millionen Euro

Für den grünen Innenexperten Benedikt Lux trägt der rot-rote Vorgängersenat die Verantwortung für die Personalsituation bei der Polizei. „Jetzt rächt sich, das jahrelang gar nicht ausgebildet wurde“, sagte Lux am Montag.

hhn