Berliner Feuerwehr

Bewerber zu dick, zu ungeschickt, zu schlecht in Mathe

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Christina Brüning

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Berliner Feuerwehr hat zu wenig geeignete Bewerber. Eine große Werbekampagne in Kino, sozialen Medien und im Stadion soll nun helfen, vor allem Schulabgänger mit mittlerem Abschluss zu gewinnen.

Die Zahlen lassen keinen Spielraum für Interpretationen. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der Bewerber halbiert, in diesem Jahr konnten von 60 Stellen nur 41 besetzt werden, nur fünf Prozent aller Bewerber bringen die erforderliche Eignung mit, eingestellt zu werden: Die Berliner Feuerwehr hat ein großes Problem mit dem Nachwuchs für Brandbekämpfung und Rettungsdienst.

„Immer weniger Bewerber schaffen den Einstellungstest“, sagte der Vizechef der Behörde, Karsten Göwecke, am Montag im Innenausschuss. So scheiterten einige an den Grundrechenarten, bei anderen sei Übergewicht das Problem. Zum Einstellungsverfahren der Feuerwehr gehört neben dem Sporttest auch ein Handwerkstest, und auch hier gebe es immer häufiger Probleme. „Für diesen Beruf braucht man ein gewisses Maß an handwerklicher Geschicklichkeit, daran mangelt es leider oft“, so Göwecke.

Mit den Anforderungen an mögliche Anwärter weiter herunterzugehen, komme nicht infrage, sagte der Feuerwehrchef. „Wir sind schon auf dem Mindestlevel.“ Auch habe man bereits von unabhängiger Stelle prüfen lassen, ob in den Einstellungstests unnötige Kenntnisse abgeprüft würden und damit eventuell ohne Not Bewerber ausscheiden.

Im Kino und Stadion will die Feuerwehr um Nachwuchs werben

120 Stellen im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst gilt es jährlich zu besetzen. Angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle sei es umso wichtiger, kontinuierlich viel Nachwuchs auszubilden, hieß es. Doch um bei nur fünf Prozent geeigneter Bewerber genug Auswahl zu haben, müssten jährlich mindestens 2400 Bewerbungen eingehen, sagte Göwecke. Aktuell liege die Bewerberzahl bei 1500.

Eine groß angelegte Werbeaktion soll nun helfen. Vor allem Schulabgänger mit mittlerem Abschluss sollen gezielt auf die Berufsperspektive Feuerwehr aufmerksam gemacht werden. „Vor einigen Jahren haben wir ganz ohne Werbung genug Bewerber gehabt, doch die Zeiten sind vorbei“, so Göwecke. Über Kinowerbung, Anzeigen, Plakate, in den sozialen Online-Medien und sogar im Stadion will die Feuerwehr nun werben. Knapp 200.000 Euro im ersten und knapp 150.000 Euro in den Folgejahren sollen dafür aus der laufenden Haushaltswirtschaft fließen.

„Zeitgemäße“ Vergütung der Ausbildung

Grüne und Linke kritisierten am Montag in der Sitzung, dass bisher zu wenig Nachwuchs mit Migrationshintergrund und zu wenig Frauen von der Feuerwehr angesprochen würden. Nur fünf Prozent der Anwärter haben einen Migrationshintergrund, bei der Polizei sind es rund 20 Prozent. „An der türkischen und der arabischen Community beißen wir uns bisher leider die Zähne aus“, räumte Göwecke ein. Man finde keinen Zugang. Da brauche die Feuerwehr Unterstützung.

Göwecke forderte zudem, die freiwilligen Feuerwehren als wichtige Quelle für Bewerber weiter zu fördern. Auch eine „zeitgemäße“ Vergütung der Ausbildung mahnte er an. Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) sagte, über eine Erhöhung der Anwärterbezüge werde derzeit nachgedacht.