Klaistower Kürbis-Currysuppe mit hausgebackenem Sonnenblumenbrot, steht auf dem Speiseplan für die Kindergarten-Kinder. „Wenn es gut schmeckt, essen die Kinder eigentlich alles“, sagt Anne-Sophie Briest, Schauspielerin und Gründerin von zwei bilingualen Kindertagesstätten in Berlin. Weil sie immer wieder Ärger mit den Caterern für die Einrichtungen hatte, beschloss sie schließlich gemeinsam mit ihrer Partnerin Antje Michaelis die eigene Catering-Firma „Smart Cooking“ für Kindergärten und Schulen zu gründen. Das Essen für Grundschulkinder wird derzeit an allen Schulen neu ausgeschrieben, mit neuen Qualitätsrichtlinien und einem neuen Festpreis für 3,25 Euro. Eltern müssen ab Februar deshalb statt bisher 23 Euro dann 37 Euro zahlen. Gleichzeitig sollen auch die Subventionen des Landes von 16,9 Millionen auf 23,4 Millionen steigen.
50 Cent pro Mahlzeit für den Wareneinkauf
Ausschlaggebend die Neuordnung des Mittagessens an Schulen war ein Boykott der Caterer, die sich nicht mehr an Ausschreibungen beteiligen wollten, solange nicht mehr als zwei Euro pro Portion bezahlt wird, denn dafür sei keine Qualität zu liefern. Für den Wareneinkauf würden nur 50 Cent pro Mahlzeit übrig bleiben.
Nur bei den Kitas bleibt alles beim alten. Die Eltern zahlen weiterhin 23 Euro monatlich und die Zuschüsse des Landes für die Träger sind unverändert, trotz gestiegener Lebensmittel- und Energiepreise. „Bisher gibt es keine Beschwerden aus den Kitas, deshalb sehen wir hier keinen Handlungsbedarf“, sagt Ilja Koschembar, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung.
Dass die Qualität des Essen in vielen Einrichtungen angemessen ist, liegt auch daran, dass Träger das Essen durch Umschichtungen innerhalb der Kostensätze quersubventionieren. Auch der Anteil der eigenen Küchen ist in den Kindertagesstätten noch wesentlich höher als in den Schulen.
Sorge um höhere Preise
Da könne es beispielsweise sein, dass Kostensätze für eine Reinigungskraft eigentlich für eine Küchenhilfe ausgegeben werden, erklärt Martin Hoyer, Kitaexperte des paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Dachverband der freien Träger. Natürlich gebe es in den Kitas, die auf Caterer angewiesen sind, die Sorge, dass die Angebote durch den höheren Festpreis für die Schulen nun auch für die Kitas steigen werden, so Hoyer.
Martina Castello, Geschäftsführerin des Kita-Eigenbetriebes Süd-West, ist überzeugt, dass auch die Zuschüsse für das Essen bei den Kitas angepasst werden müssten. Kosten für Lebensmittel hätten sich erhöht, Tarife seien gestiegen und auch die Energiekosten seien höher als früher.
Derzeit verhandeln die Kita-Träger mit der Senatsverwaltung über die Höhe der Zuschüsse auf den sogenannten Kostenblättern. Momentan sind 660 Euro pro Kind pro Kitajahr vorgesehen. Bei maximaler Anwesenheit wären das 2,64 Euro pro Tag für das Essen, 60 Cent weniger als für Schulkinder.
Eltern bereit, für Qualität mehr zu zahlen
„Für mich ist es absolut nicht nachvollziehbar, warum die Kitakinder schlechter essen sollen als die Schulkinder“, sagt Anne-Sophie Briest. Zumal Kitakinder häufig einen längeren Tag haben als die Schulkinder. Das Mittagessen ihres neuen Caterering-Unternehmens kostet 3,20 Euro plus Mehrwertsteuer.
Wie in den Schulen seien auch die Eltern in den Kindergärten bereit, mehr zu bezahlen, wenn die Qualität stimmt, ist die Geschäftsführerin überzeugt. In vielen Einrichtungen sei es ohnehin schon üblich, dass Eltern einen Aufpreis für besseres Mittagessen, Frühstück, Vesper zahlen. Hinzu komme, dass Gesundheitserziehung ein ganz wesentlicher Bestandteil im Bildungsprogramm sei. Das müsse sich auch auf dem Mittagstisch wiederfinden.
Anne-Sophie Briest ist selbst leidenschaftliche Hobbyköchin. Die Menüs der Wochenpläne hat sie in nächtelanger Kleinarbeit mitgestaltet. Fisch oder Fleisch gibt es jeweils nur ein Mal pro Woche. Dafür stehen darauf Gerichte wie hausgemachte Gnocchi mit buntem Ratatouille oder Aprikosen-Cous-Cous mit warmer Vanillesoße. Keiner wüsste besser was die Endverbraucher wollen, schließlich sehen wir jeden Tag in der Kita, ob die Teller leer sind, sagt Anne-Sophie Briest. Und sie würde nichts anbieten, was sie nicht auch selbst essen würde.
Eltern können Gerichte probieren
Nur deshalb funktioniert es wohl, dass das Kitaessen auch in dem neuen Lunchrestaurant an der Alten Jakobstraße bei den Leuten aus den umliegenden Büros in der Mittagspause sehr beliebt ist. Auch Eltern können hier ausprobieren, was ihre Kinder essen sollen. Hinzu kommen Kaffee, Snacks, Salate und Suppen. Und natürlich das amerikanische Naschwerk wie Brownies oder Vanilla Cup Cakes. Transparenz gehört zum Konzept. Über Facebook gibt es Angaben zu Nährwerten, zur Herkunft und zu den Eigenschaften der Lebensmittel.
Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses betont, die Zufriedenheit mit dem Essen in den Kitas sei höher als bisher in den Schulen, auch weil viele Kitas selbst kochen würden. Allerdings müssten gerade die kleinen Elterninitiativkitas Zusatzbeiträge von den Eltern nehmen, weil die Caterer bei der geringen Zahl der Kinder sonst nicht bereit wären, die Einrichtungen für den vorgesehenen Kostensatz zu beliefern.





