Die Debatte über die Umstrukturierung des Erzbistums Berlin gewinnt nach der Sommerpause wieder an Fahrt. Kritiker wollen sich bei Veranstaltungen in den kommenden Wochen verstärkt zu Wort melden, wie einer der Wortführer, Pfarrer Ernst Pulsfort, am Montag ankündigte. Das Erzbistum Berlin umfasst die Stadt Berlin, weite Teile Brandenburgs und Vorpommern.
So planen der Diözesanrat der Katholiken und die Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Prenzlauer Berg mit dem Pastoraltheologen Paul Zulehner im September Diskussionsveranstaltungen zu der Reform. Diese sieht vor, die derzeit 105 Kirchengemeinden bis 2020 zu etwa 30 Großpfarreien zusammenzulegen.
Die für Ende August von Kritikern geplante Gründung eines Arbeitskreises über „Alternativen zum Pastoralplan 2020“ kommt jedoch nicht zustande. Die Initiatoren hätten die Gründung nach einem Gespräch mit Generalvikar Tobias Przytarski abgesagt, bestätigte Pulsfort, der die Gemeinde Sankt Laurentius in Berlin-Tiergarten leitet. Das Erzbistum sehe in einem solchen Arbeitskreis eine Parallelstruktur, die dem Umbau nicht dienlich sei.
Ängste sollen teilweise berechtigt sein
Bistumssprecher Stefan Förner räumte auf Anfrage ein, dass es in den Kirchengemeinden Ängste gebe, die „teilweise auch berechtigt“ seien. Viele ließen sich jedoch mit Hilfe der Moderatoren des Erzbistums ausräumen, die den Kirchengemeinden bei der Umstrukturierung zur Seite stünden.
Anfang Advent 2012 verkündete der Erzbischof die geplante pastorale Neugestaltung seines Erzbistums, dem fast 400.000 Gläubige angehören und das weite Teile Brandenburgs und Vorpommerns mit einschließt. Rainer Maria Kardinal Woelki hatte damals mit einem Advents-Hirtenbrief „Wo Glaube Raum gewinnt“ den Umbau der Erzdiözese angekündigt.
Anlass sind die in manchen Regionen Brandenburgs und Vorpommerns rückläufigen Katholikenzahlen und der Priestermangel. Aus den kleinen Pfarreien sollen größere Einheiten wachsen, um auch die Gemeinden vor Ort von Bürokratie zu entlasten. Unterhalb der Pfarreiebene soll ein vielfältiges Leben unterschiedlicher Gemeinden und Gemeinschaften gedeihen, so die Vorstellung des Kardinals. Erst vor zehn Jahren hatte man die Anzahl der Pfarreien halbiert.
Die Kritiker werfen Woelki vor, gewachsene Gemeindestrukturen aufzugeben, und fordern unter anderem, auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Ein solcher Schritt könnte laut Kardinal jedoch nur auf weltkirchlicher Ebene erfolgen. Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob Laien statt der Sonntagsmesse Wortgottesdienste mit Kommunionausteilung feiern sollen. Woelki lehnt diesen Weg ab und verweist auf die zentrale Stellung der Eucharistiefeier unter Leitung eines Priesters.
Kardinal Woelki, ehemaliger Kölner Weihbischof, hatte im August des Jahres 2011 sein Amt als Berliner Erzbischof angetreten. Im Erzbistum galt er schnell als neuer Hoffnungsträger.
KNA





