Er wacht auf einer Parkbank in der Nähe des Reichstags auf. Seine Krawatte ist verrutscht, sein Bein schmerzt und auf seinem Hemd prangt ein „A“ für „Anarchie“ in roter Farbe. Willkommen in Berlin, Vince Vaughn.
Es ist Sonnabend, kurz nach neun Uhr morgens und Hollywood ist zum Bundeskanzleramt gekommen, um eine Szene der Komödie „Business Trip“ von Regisseur Ken Scott („Der Lieferheld“) zu drehen. Neben Vince Vaughn und Nick Frost („Die Abenteuer von Tim und Struppi“) soll auch Uwe Ochsenknecht im Film mitspielen.
Noch ist der Inhalt geheim. Es gehe um zwei Amerikaner, die aus beruflichen Gründen in Berlin sind und die sich dort mit der fremden Kultur auseinandersetzen müssen, verrät der Regisseur.
Komparsen bekommen in der Pause Wolldecken
In Berlin ist es an diesem Morgen einfach nur kalt. Die Komparsen, die Läufer darstellen sollen, frieren. Es soll eine Marathon-Szene gedreht werden. In den knappen Pausen zwischen den Aufnahmen reicht ihnen die Crew dicke Wolldecken. „Action!“, schallt es da durch die Paul-Löbe-Allee. Vince Vaughn sitzt immer noch auf seiner Parkbank, reibt sich das schmerzende Bein. Immer und immer wieder wird die Szene gedreht, im Hintergrund ist unscharf der Reichstag zu erkennen.
Berlin habe er ausgewählt, sagt Produzent Todd Black, weil es eine dynamische Stadt sei und weil sonst oft Paris oder London Schauplatz für Hollywoods Europa seien. Berlin sei jedoch ganz anders als die anderen Metropolen. „Es ist ein Traum hier zu drehen“, sagt Todd Black, „alles ist super organisiert. 80 Prozent unserer Crew kommen von hier, wir arbeiten zusammen mit dem Studio Babelsberg, eine der besten Crews, mit der ich je gearbeitet habe.
Und die Deutschen sind unglaublich freundlich – und sie lieben amerikanische Filme.“ Parallel zu „Business Trip“ arbeitet Todd Black an einem Film mit Cameron Diaz und an dem Action-Streifen „Equalizer“ mit Denzel Washington. Zum Schlafen kommt er daher nicht: Wenn er in Berlin Feierabend hat, regelt er telefonisch den Dreh in den USA. „Aber ich bin daran gewöhnt. Ein bisschen Yoga, gesunde Ernährung und viel lachen, dann geht das schon“, sagt Black.
„Berlin ist ein Traum“
Viel und oft lacht auch Vince Vaughn. „Mein Sohn, der gerade geboren wurde, als ich die USA verlassen habe, lacht jetzt auch schon. Zum Glück gibt es Skype, da kann ich das sehen,“sagt der Schauspieler, der am selben Tag wie Filmpartner Frost Geburtstag hat. Der Brite hat sich im KaDeWe erst mal eine „vernünftige Teetasse“ besorgt, erzählt er. „Ich weiß, ich bin furchtbar englisch, aber die Teetassen im Hotel sind so klein, da passt nicht mal mein Finger rein.“
„Business Trip“ führt die Schauspieler quer durch Berlin, so bekommen sie während der Dreharbeiten viel von der Stadt zu sehen. Am Gendarmenmarkt waren sie bereits, am Brandenburger Tor und am Kapelle-Ufer. Einige Szenen wurden während des Marathons aufgezeichnet. „Privat war ich auch schon in der O2-World bei Fleetwood Mac,“ erzählt Nick Frost, „und mit Vince in ,Clärchens Ballhaus’. Das war toll! Berlin ist ein Traum“, sagt er, „ich werde mir hier eine Wohnung anschaffen.“ Ende 2014 soll es so weit sein, auch die Deutschlandpremiere soll laut Regisseur Ken Scott auf jeden Fall in Berlin gefeiert werden. Bis zum 30. Oktober ist das Team noch in der Stadt, dann wird in Boston weitergedreht.
Um kurz nach elf Uhr ist die Szene am Reichstag abgedreht. Weiter geht es zur Michaelkirchstraße. Während das Team zusammenpackt, schwingt sich Vaughn auf die Rückbank einer schwarzen Limousine. Mit verrutschter Krawatte – und rotem „A“ auf der Brust.




